Quelle Nummer 043

Rubrik 28 : TECHNIK   Unterrubrik 28.02 : VERSCHIEDENES

WARENTEST (AUTOS)
CITROEN-MASERATI: SANFTE RAKETE AUS PARIS
H.K.
IN: HOBBY, JG. XVIII, NR.9/1970, STG.1970, S. 85-91
HOBBY-SUPER-TEST, 2. TEIL, AUDI 60 VARIANT KONTRA
AUSTIN MAXI KONTRA VW 1600 VARIANT
ANONYMUS
IN: HOBBY, JG. XVIII, NR.2/1970, STG.1970, S. 60-66


001  CitroČn-Maseratti: Sanfte Paket aus
002  Paris. Im Hotel Prāsident in Genf traten
003  sich Journalisten aus aller Welt gegenseitig auf die Füße, um
004  Zeugen einer Premiere zu sein, die man in der Geschichte des
005  Automobils zu den Marksteinen zählen wird. Seine Majestät
006  gaben sich die Ehre, sich dem Volk zu präsentieren, doch SM
007  heißt etwas ganz anderes: Das S steht für die " Göttin "
008  DS, das M für Maseratti, dem mit CitroČn liirten Auto
009  bauer und Motorenbauer. Maseratti ist zwar ein feiner
010  Name, den man in einem Atemzug mit Ferrari auszusprechen pflegt,
011  doch die Autobauer vom Quai CitroČn in Paris haben mit
012  ihrer Arbeit dem Italiener die Schau gestohlen, denn es war das
013  Auto und nicht so sehr der Motor, der die Fachleute aus aller
014  Welt von den Stühlen riß. Freilich ist es ein absolutes Novum,
015  einen großen CitroČn mit einem eleganten Motor anstelle
016  des traditionellen Lastwagenmotors zu erleben. Indes ließen die
017  Kenner die Motorhaube zu und fuhren mit den Augen und Händen die
018  Konturen dieses Autos nach, das wieder einmal ein aerodynamisches
019  Meisterwerk ist. CitroČn macht aus guten Gründen - wo
020  sollte auch der Platz herkommen - die Mode der Klappscheinwerfer
021  nicht mit, sondern legt über die Frontbreite ein Leuchtband mit
022  sechs Scheinwerfern, die man unter einen wohlgeformten Glassturz
023  setzt. Die Kühlluft holt man unter den Stoßstangen heraus und
024  verkleidet den Boden unter dem Motorraum wieder sorgfältig, damit
025  es hier keine stärkeren Luftwirbelungen gibt. Welcher
026  Unterschied zum Opel Commodore GS/E, der an der Stelle
027  des SM-Kühllufteintritts einen Spoiler haben muß, um bei
028  hohen Geschwindigkeiten nicht abzuheben. Das tut der SM nicht,
029  einmal weil er Frontantrieb besitzt, und außerdem, weil auf der
030  Vorderachse gute 1040 kg Gewicht ruhen, das Gesamtgewicht eines
031  Mittelklassewagens. Weiter zu den Konturen: Die
032  Windschutzscheibe ist geklebt, um die Turbulenzen zu vermeiden,
033  die durch Gummieinfassungen entstehen, die Seitenscheiben sind
034  gewölbt, um dem Seitenwind die geringste Chance zu nehmen, und
035  mit einer um 20 cm schmäleren hinteren Spur verjüngt sich die
036  Karosserie nach rückwärts. Alles zusammen bringt der SM um
037  einen 30 Prozent besseren Cw-Wert als die DS, und die ist
038  schon als ein aerodynamisches Wunder anzusprechen! An die
039  bizarren CitroČn-Formen gewöhnt, muß man dreimal
040  schlucken, wenn man das Auto in seiner Gesamtform auf sich
041  einwirken läßt: Hier ist eine funktionelle Form gefunden worden,
042  die jeden anspricht und nicht nur den CitroČn-Gourmet.
043  Wenn sie wirklich in Paris gezeichnet sein sollte, dann Hut ab
044  vor den CitroČn-Stylern! Den Hut wollen wir jedoch
045  gleich unten lassen, sonst käme ich vor lauter " Hut ab " kaum
046  zum Schreiben. Bleiben wir gleich bei der Karosserie und den
047  Leuchten: Sechs Halogen-Scheinwerfer liegen unter der
048  Lichtleiste, zwei für Abblendlicht, zwei für Fernlicht mit
049  breitstreuendem Lichtbündel und zwei für Fernlicht mit
050  weittragendem Lichtbündel. Alle sechs Scheinwerfer sitzen auf
051  einer horizontalen Achse, die von einem hydraulischen Korrektor so
052  gedreht wird, daß die Scheinwerfer immer ihre normale
053  Leuchtrichtung beibehalten, mag sich die Karosserie beim Bremsen
054  oder Beschleunigen auch senken oder heben. Die ganz innen
055  liegenden Fernleuchten werden über ein hydraulisches System, das
056  mit der Lenkung verbunden ist, mit dem jeweiligen Lenkeinschlag
057  geführt. Bei der DS ist der Fernscheinwerfer mit dieser
058  Funktion beauftragt, doch das SM-System ist weit verfeinert.
059  Außerdem vermeidet das Halogen-Abblendlicht den krassen
060  Übergang von Halogen auf normales Licht, der uns beim DS 21
061  -Test recht viel Kummer bereitet hat. Der CitroČn ist
062  220 km/h schnell und bei dieser Geschwindigkeit so unglaublich
063  fahrsicher, daß die Konstrukteure alter Schule, die solche
064  Geschwindigkeiten bei einem Fronttriebler für unmöglich halten,
065  schnellstens umlernen müssen. Der SM ist kein Cadillac
066  Eldorado, der aufgrund seiner Kraft fast so schnell (200 km/h)
067  fahren könnte, aber vom Gesetz her nicht so schnell fahren darf.
068  Denn weit mehr als der Atlantik liegt zwischen der CitroČn
069  -Hydropneumatik und der Starrachse mit Monoblattfeder des
070  frontgetriebenen Cadillac. Es ist zudem richtig, daß
071  Mittelmotor-Autos die beste Straßenlage aufweisen; der SM
072  besitzt einen (Abb.) solchen Motor, der hinter der Vorderachse statt
073  vor der Hinterachse sitzt, aber den gleichen Effekt bewirkt. Der
074  Großraum zwischen Mittelmotor und Bug ist natürlich nicht leer,
075  sondern bis zum Rand mit Aggregaten aller Art gefüllt. Die
076  Hydropneumatik ist im Prinzip mit der des DS gleich, lediglich
077  in der Verstellung der Bodenfreiheit hat der SM noch eine
078  Zwischenstellung zwischen tief, normal und hoch, damit also vier
079  Positionen. Nochmals Hut ab vor der Lösung, die Servolenkung
080  in ihrer Kraft auf die jeweilige Geschwindigkeit einzustellen,
081  also volle Kraft bei Langsamfahrt und geringe Kraft bei hohem
082  Tempo. Ein am Getriebe angeschlossener Fliehkraftregler wirkt
083  auf einen hydraulischen Schieber, der den Kraftaufwand je nach
084  Geschwindigkeit variiert. Außerdem wird nach der Kurvenfahrt die
085  Rückstellung der Lenkung unterstützt. Ein neuer CitroČn
086  -Gag: Das abgestellte Fahrzeug richtet automatisch die
087  Vorderräder in Geradeausstellung. Es wird Zeit, nun endlich
088  etwas zum Maserati-Motor zu sagen: Wer für 220 km/h
089  Spitze einen Super-Motor vermutet hat, der wird erstaunt sein,
090  einen 2,7-Liter-V6-Motor zu finden, der ganze
091  170 PS bei 5500 U/min leistet. Nicht ohne Grund haben wir
092  die aerodynamischen Bemühungen vorangestellt, denn ohne den
093  außergewöhnlich guten Cw-Wert wäre es (Abb.) kaum möglich,
094  einen bereits leer 1450 kg wiegenden Wagen mit 170 PS auf 220 km
095  /h zu bringen. Der aerodynamische sehr gut geformte Porsche 911
096  E braucht für die gleiche Spitze zwar nur 155 PS, dafür wiegt
097  er nur ganze 1020 kg. Das sind 120 kg mehr als die 900 kg, die
098  allein auf der SM-Vorderachse liegen. Was für ein feiner
099  Motor der Maserati ist, das demonstrieren die vier Nockenwellen,
100  je zwei für die beiden Zylinderreihen. Es handelt sich um einen
101  modernen Leichtmetallmotor mit drei Weber-Doppelvergasern,
102  der mit seiner Nenndrehzahl von 5500 U/min und seiner
103  Verdichtung 9:1 sehr zahm ausgelegt ist. Selbst bei einem
104  32000-Mark-Auto wollen die Franzosen Benzin sparen:
105  Mit einem Normalverbrauch von 12,5 l/100 km tut das der
106  SM denn auch. Daß die Reparaturrechnungen nicht in den Himmel
107  wachsen, dafür sorgen auswechselbare Zylinderlaufbuchsen. Ein
108  gutes maximales Drehmoment von 23,5 mkg bei 4000 U/min
109  gewährleistet gutes Temperament: Von o-100 km/h
110  beschleunigt der SM in 8,9 Sekunden. Die 170 PS stehen
111  voll zur Verfügung, weil die beiden Kühlerventilatoren bei
112  Bedarf elektrisch angetrieben werden. Darum ist auch die
113  Differenz zwischen DIN-PS und SAE-PS
114  gering: 170 DIN-PS und 180 SAE-PS.
115  Sieben Liter Motoröl und 13 Liter Wasser sorgen für die
116  Kühlung des Motors, der thermisch sehr gesund sein und mit
117  geringer Drehzahl und Kurzhub eine gute Lebensdauer haben dürfte,
118  die mit den " Lastwagenmotoren " der großen CitroČns
119  vergleichbar ist. Eine hydraulisch unterstützte Kupplung und ein
120  Fünfganggetriebe sorgen für die Kraftübertragung. Das ist gut
121  und sportlich, aber CitroČn sollte an ein automatisches
122  Getriebe denken, weil der zu erwartende Kundenkreis diese
123  Bequemlichkeit bestimmt schätzen wird. Sicherheit ist im SM
124  natürlich großgeschrieben: Das verstellbare Lenkrad auf einer
125  mehrfach abgewinkelten Lenksäule, Prallflächen vorn und hinten,
126  Kopfstützen, Sicherheitsgurte und viele andere Dinge sind
127  selbstverständlich. Hinzu kommen die großartigen Bremsen,
128  nämlich zum ersten Male Scheibenbremsen an allen Rädern mit dem
129  zweiten Kreis und der Feststellbremse auf die Vorderräder. Auf
130  6-Zoll-Felgen sind Michelin-Reifen der Dimension 195
131  /70 VR 15 aufgezogen, die für die vorbildliche Straßenlage
132  das Tüpfelchen auf dem i sind. Der CitroČn SM ist
133  übrigens ein zweitüriges, jedoch viersitziges Coupā mit
134  Schalensitzen vorn und hinten bei einem Radstand von 295 cm. Wie
135  sich der SM fährt, wie man darin sitzt, das werden wir bald in
136  einem Test erfahren, zu dem uns CitroČn bereits eingeladen
137  hat, der aber erst stattfinden kann, wenn die beiden Prototypen
138  die ersten Nachfolger aus der Serie bekommen. Der SM kostet
139  etwa 44000 ffr, rund 32000 DM. Für die exquisite Technik ist
140  das nicht teuer; für einen Maserati muß man sehr viel mehr Geld
141  zahlen, auch wenn man unter dem großen Namen weit weniger
142  technische Eleganz findet. Nach dem Mercedes C 111 nun noch der
143  CitroČn SM: Wenn uns Normalverbrauchern diese
144  Spitzenautos auch nur zum Anschauen bleiben, so dürfen wir doch
145  die Hoffnung hegen, daß für Mittelklasseautos dieser oder jener
146  technische Brocken abfallen wird, der Sicherheit und Komfort hebt.
147  Gute Ansätze sind schon da, und so bleibt die Hoffnung, daß
148  die Impulse, die vorwiegend von Frankreich ausgehen, auch in
149  anderen Ländern verstanden und befolgt werden. Hobby-
150  Super-Test 2.Teil. Audi 60 Variant kontra
151  Austin Maxi kontra VW 1600 Variant. Harter Test auf
152  Elba: Der Audi knallte mit der Ölwanne auf einen Stein. Ein
153  Hochsee-Bagger liftet das Auto: Nichts ist kaputt!
154  Zweiter Höhepunkt Monza: Unsere Autos tanzen im Wedel-
155  Ballett. Zwischen diesen Ereignissen bewegt sich unser Test.
156  Auf Wunsch vieler Hobby-Leser haben wir einmal
157  Kombis, oder besser: Familienrespektive Ferienautos in einem
158  Super-Test geprüft und zudem die beiden Variants aus
159  Ingolstadt und Wolfsburg einer neuen Kombilimousine aus England
160  gegenübergestellt. Im ersten Teil des Super-Tests wurden
161  Fahrleistungen und Fahrkomfort gewertet, wobei sich der Austin
162  Maxi mit seinem stärkeren Motor, auch wenn seine Fahrleistungen
163  durchaus nicht den angegebenen 68 PS entsprechen, eine leichte
164  Führung erkämpft hat. Wird er diese Führungsrolle bis zum
165  Schluß durchhalten? Der Besonderheit der Testwagen
166  entsprechend, hat dieser Super-Test nur zwei Teile, so daß
167  wir heute in die Schlußwertung hineingehen. Gewertet werden im
168  zweiten Teil die Eigenschaften, die sich vorwiegend auf dem
169  Motodrom von Monza, bei der Bergprüfung und schließlich beim
170  Wintertest auf dem San Bernardino herauskristallisierten. Die
171  Einzelwertung des 2.Teils: Kurvenverhalten
172  Bremsen Lenkung Winterfestigkeit Sicherheit
173  Ausstattung Verbrauch Einsatz privat Haltungskosten
174  Preis/Wert In Kurven fest (...). Unsere
175  Freunde von der Motodrom-Verwaltung in Monza staunten nicht
176  schlecht, daß wir diesmal mit Kombis anrückten. Drei Kombis
177  und dazwischen der rote Lamborghini Miura unseres Sportsfreundes
178  Andreas Jaeckel, der eine besondere Aufgabe zu erfüllen hatte:
179  Erfahrungsgemäß ist die Pista Velocit† - also die
180  Steilwandpiste - zu dieser Zeit voller Laub. Der Miura sollte
181  als die teuerste und schnellste " Straßenkehrmaschine " der Welt
182  das Laub wegpusten. Was er dann auch mit 200 Sachen zu unserer
183  besten Zufriedenheit ausführte. Die Pista Stradale dagegen ist
184  immer geräumt, auf ihr mußten unsere drei Testkandidaten Farbe
185  bekennen. Auf den beiden Geraden und ganz besonders in den Kurven
186  Grande, Lesmo und Panoramica wurden von unseren Monza-
187  erprobten Fahrern Willi Lanek und Urs Zulauf die
188  Geschwindigkeiten gefahren, die wir " Grenzgeschwindigkeiten "
189  nennen. Ein Beispiel: Andreas Jaeckel ist ein guter Fahrer,
190  er kennt die Monza-Bahn sehr gut. Er fährt mit dem
191  eigentlich nicht für Rennbahnen gedachten Audi 60 Variant
192  überdurchschnittliche Rundenzeiten; wenn es Willi Lanek aber
193  gelingt, mit (Abb.) dem Audi pro Runde noch 10 bis 11 Sekunden
194  weniger herauszufahren, dann ist das auch das Letzte, was der
195  Audi auf der etwas feuchten Bahn mit seiner miesen Serien-
196  Bereifung hergeben kann. So sind alle Zeiten in der Tabelle zu
197  verstehen, sie sind vergleichbar. Der Audi fuhr die zweitbeste
198  Zeit hinter dem Maxi. Mit Gürtelreifen wären noch bessere
199  Zeiten möglich gewesen, mit den aufgezogenen Diagonalreifen war
200  er jedoch in der Lesmo, noch mehr aber in der Panoramica nur mit
201  Mühe zu halten. Dieses Problem hatte der Maxi mit seinen
202  Dunlop SP 68 keineswegs, bei ihm verhinderte lediglich der recht
203  müde Motor eine völlige Deklassierung der beiden Konkurrenten,
204  denn sein Vorsprung entspricht keineswegs der angegebenen
205  Motorleistung von 68 PS. (Abb.) Sehr brav verhielt sich der VW.
206  Professor Holste von VW sollte doch endlich davon lassen, den
207  Einfluß der Schräglenker auf die VW-Hinterachse
208  herunterzuspielen: Es war nicht der erste VW, den wir um die
209  Monza-Piste jagten, aber der erste VW, mit dessen
210  Eigenschaften in den berüchtigten Kurven wir voll zufrieden waren.
211  Man schaue sich die Zeiten an und berücksichtige, daß auch der
212  VW mit dem Kurvenhandikap von Diagonalreifen fertigwerden mußte.
213  Die nun endlich exakt geführten Hinterräder machen es möglich!
214  Nässe: Vorsicht bei Vollbremsungen!. Der
215  Miura konnte die Velocit†-Gerade vom Laub, nicht aber
216  von der Nässe befreien. Wir laden die Bremsschußgeräte und
217  bringen uns in Sicherheit. Der Audi kommt mit 100 km/h (...)
218  Schluß! (...) und mit blockierenden Bremsen versucht er zunächst
219  wie eine Boeing zu steigen (...) besinnt sich (...) rutscht und rutscht
220  71 Meter von der Bremsschußmarkierung bis zum Stillstand! Zwar
221  bleibt er korrekt in seiner Spur, weil die Bremsen gleichmäßig
222  ansprechen, aber er braucht 24 Meter mehr als der Audi 72, den
223  wir auf einem früheren Super-Test auf der gleichen, wenn auch
224  trockenen Strecke und mit Gürtelreifen bestückt aus 100 km/h
225  abgebremst hatten. Die Bremsen sind die gleichen, nur die Reifen
226  sind beim Audi Variant wesentlich schlechter. Die besten
227  Bremsverzögerungswerte erzielt der Maxi.

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