Text 235, Jörg Wickram: Nachbarn, Straßburg 1556

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Text 235

Jörg Wickram: Georg Wickram, Von guͦten vnd baͤsen Nachbaurn

Hans-Gert Roloff (Hrsg.). Berlin, 1969, ADL, 206 S.
Elsaessisch (Strassburg), Straßburg.
Zeitraum: V, 1556.
aufgenommen: S. 5-50, 17.
Verfasser: Georg Wickram, *um 1520 in Colmar, wohl Handwerker und Gerichtsschreiber dort, 1555 Stadtschreiber in Burgheim, †vor 1562
Drucker: Johann Knobloch d.J., Sohn von Johann Knobloch d.Ä. (Drucker in Straßburg 1500-1528), druckte in Straßburg 1529-1557(?)
Textart: Unterhaltsamer Text ("schoene Literatur")
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1 Dem Ersamen Kunstliebhabenden Caspar Hanschelo /
2 burger und des Goldtschmidt handtwercks zuͦ
3 Colmar / meinem lieben gevattern zuͦvor.
4 LIeber gevatter Caspar / die guͦt früntschafft unnd bruͤderliche
5 trew/ so wir zuͦsamen gehabt ( dieweil wir zuͦ Colmar umb
6 einander gewont haben ) ist inn mir noch gar keins wegs aussgeloschen/
7 binn guͦter hoffnung/ euwer gemuͤt habe sich
8 gegen mir auch nit anderst verendert/ dann uns die kurtzen
9 meilen/ so wir zuͦsamen haben/ kein ynbruch machen sollen.
10 Damit ir aber dannocht mein günstig und genaigt gemuͤt
11 gegen euch in meinem abwesen spuͤren moͤchten/ hab ich
12 mich zuͦvil malen bedacht/ durch was mittel unnd waͤg ich
13 mich gegen euch ( umb vilfaltige früntschafft/ so mir von
14 euch bewisen ) erzeigen wolt/ damit ich nit als ein grober
15 undanckbarer vilfaltige guͦtthaten/ unvergolten liess hinschleichen.
16 Ist mir eben gleich zuͦ gedancken kummen/ das
17 ir vil lieber suͤn haben/ so ihr zuͦ dem loblichen unnd kunstlichen
18 handtwerck des Goldtschmidens abrichten. Und dieweil
19 nun diss handtwerck sunderlichen erhaischt/ das die ( so das
20 anderst nach rechter art under stehn zuͦ lernen ) sich gar weit
21 in die land/ Koͤnigreich und Provintzen auff die wanderschafft
22 begeben muͤssen/ Hab ich sovil mir muͤglich/ euch und eweren
23 suͤnen/ diss buͦchlin also zuͦ gefallen zuͦsamen gelesen. Inn welchem
24 erstlichen gar kurtz gemelt würt/ wie ein hart und
25 beschwerlich ding es ist ( ja ein herb und vil mer bitterer muͦss
26 zuͦ essen/ dann karpffen gallen oder colloquint ) so einer einen
27 zenckischen/ ungetrewen nachbaurn umb sich leiden muͦss.
28 Zuͦm andern würt angezeigt/ wie sich zuͦvil malen begeben
29 thuͦt/ das zwen guͦter fründ unbekanter weiß zuͦsamenkumen/
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1 und früntschafft zuͦsamen suͦchen/ sind doch nit einer lands art/
2 haben einander nie erkant/ und werden doch solche fründ
3 miteinander/ das ir fründtschafft nimermer ausgelest werden
4 mag. Zuͦm dritten würt ein feine gotselige hochzeit hierinn
5 beschriben. Item wie man die kinder/ so sie anheben zuͦ erwachsen/
6 zuͦr ehr Gottes sol aufferziehen/ demnach zuͦ handtwercken
7 anfuͤren/ und so man die wandren schicken wil/ wie
8 man in ein underricht geben sol/ damit sie sich gegen herren
9 und frawen/ kind und gesind/ gebuͤrlich wissen zuͦ halten. Ihr
10 werdet auch sunderlich hierin vernemen/ von einem guͦten
11 und getrewen nachbauren/ wie dapffer und mannlich er sich
12 gegen seines nachbauren feinden gehalten hat/ und wie im
13 auch der selbig sein guͦtthat und früntschafft so dapfer hinwiderumb
14 vergolten. Und das einem jungen zuͦm fürnemlichsten
15 warzuͦnemen ist/ in sunderheit denen so mit silber und
16 gold/ Edlen gestainen oder in andren grossen haͤndlen/ mit
17 kostlichen wahren umbgond/ werden sie gar fein hierinnen
18 berichtet. Erstlich das sie sich boͤser geselschafft ( so dem spiel/
19 schlecken und den hüpschen frawen anhangen ) entschlagen/
20 sollen sie in irer herren heuser gewoͤlb oder gaͤden/ nit kummen
21 lassen/ dann offt ein solcher boͤser vogel/ auff ungewischten
22 baͤncken findet/ ehe dann das ander leut verlieren/ Dardurch
23 dann offt mancher frumer junger verargwont würt/ des
24 so er im all seine tag nie in sein sinn nam/ des ich euch wol ein
25 frisch Exempel sagen wolt. Zuͦm letsten würt auch den jungen
26 und alten fürgebildet/ so einer geschaͤfft oder gewerb halben
27 an fremde unerkante Nationen zeucht/ das im nit nutz ist/
28 seinem wirt oder anderen unbekanten/ sein handel/ geschefft
29 oder gewerb/ anzuͦzeigen/ er habe dann die selbigen gnuͦgsam
30 erfaren und erkennen lernen. Diser und derengleichen warnungen
31 ( so nit all gemeldet ) werden in disem kleinen buͤchlin
32 begriffen/ welchs ich zuͦsamen gelesen/ sidhar ich von Colmar
33 verruckt und gon Burckhaim gezogen bin. Bit euch hiemit
34 lieber gevatter/ woͤllend diss also guͦter fründtlicher mainung
35 von mir auffnemen/ wie ich das guͦter meinung an tag kummen
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1 lassen/ Nit das wir unser freündtschafft damit erneweren woͤllen
2 ( dann das soll gantz ferr von mir sein ) dieweil unser
3 freündtschafft noch nie veraltet/ darff sie auch keins ernewrens
4 nit/ sunder woͤllend die mit disem buͤchlin bevoͤstigt haben.
5 Erbeut mich hiemit in allem dem/ so mir müglich ist/ euch
6 mein armen dienst allzeit zuͦ beweisen/ Will also euch und die
7 euweren Got in seinen schirm befolhen haben. Datum Burckhaim
8 den andren Januarij/ Nach unsers Herren und saͤligmachers
9 gebuͦrt/ Tausent Fünffhundert fünfftzig und sechs
10 Jar.
11 Ewer allzeit Dienstwilliger
12 Georg Wickram Stattschreiber
13 zuͦ Burckhaim.
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1 Von guͦter Nachbaurschafft/ zuͦm Leser.
2 ES habend sich unsere voraͤlteren früntlicher lieber Leser/
3 vil und fast beflissen/ das sie sich inn den Nachbaurschafften
4 fein früntlich zuͦsamen gehalten/ unnd etlich tag im jar sunderlich
5 darzuͦ bestimpt/ an offenen strassen/ tisch und baͤnck
6 auffgericht/ ire speisen zuͦsamen getragen/ und also tugentlich
7 miteinander gessen/ in zucht und ehren beieinander gesessen/
8 Wo dann etwo gemeine brunnen gewesen so sie erschoͤpfft/
9 ists dero geleichen auch zuͦgangen. Es haben auch zuͦzeiten die
10 naͤchsten nachbauren ( so mit ihren heuseren an einander
11 gestossen ) solche freuntschafft und liebe zuͦsamen gehabt/ als
12 wann sie bluͦtverwante freund gewesen/ Inn aller widerwertigkeit/
13 kranckheitten und truͤbsal/ sind sie nimer von einander
14 gewichen/ Nit solche muͦsfründ ( wie man der leider vil wider
15 und fuͤr findet ) gewesen/ Die selbigen sind nimer liebere
16 freund dann wann man schwein unnd kaͤlber metzget/ Da
17 man nit vil krancken warten unnd troͤstens darff/ der selbigen
18 bauch freund sind yetzunder sehr viel auff erdt/ Welches dann
19 ist ein sundere ursach diss meines gedichts/ darinn ich dann
20 die beyden Gattungen ( so viel mir ye müglichen sein mag )
21 abmalen will.
22 Zuͦm andren ursachet mich auch der gros unfleiss der Teutschen
23 Lehrmeister/ und guldinschreiber/ Dann ob
24 sie gleich die kinder auff schreiben/ rechnen und lesen wol
25 abrichten/ Werdend sie doch gar keiner mores/ zucht noch
26 geberdiger sitten/ von inen underwisen. Und so sie dann zuͦ
27 handtwercken kumen/ wissen sie weder har noch dar/ wie sie
28 ein meister/ frawen oder gesellen halten sollen. Künnend oder
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1 wissend auch nit/ wie sie eim biderman zuͦsprechen/ antworten
2 oder fragen sollen. Als dann sind ihre meister gleich als hinlessig
3 als die anderen/ wann sie nur waidlich hudlen und sudlen
4 bey inen/ moͤgendt sie sunst leicht zucht unnd hofligkeit
5 künden. Wann sie dann ausgelert haben/ lauffen sie dahin wie
6 das liebe vieh/ meinen sie habend ihre jar der lehr schon
7 überkummen/ so muͤssend sie erst von newem anheben. Bey
8 keinem rechtgeschaffnen meister moͤgen sie bleyben/ ziehen
9 also von einem fretter unnd sudler zuͦ dem anderen/ unnd
10 kummend also umb die zerung so ihn ire aͤlteren/ voͤgt oder
11 vormünder geben haben. Darnach greiffen sie die büntel an/
12 yetzund ein hembd/ darnach ein par stümpff/ Unnd wann wir
13 dann nichts mehr haben/ nemmen wir den ausgesognen/ laͤren
14 büntelsack in rockermel ( so wir anderst nit umb den rock auch
15 kumen sind ) in das vatterland eylend/ ander provision zuͦ
16 holen/ etwan bleiben wir gar daheymen/ wissend mehr und
17 haben mehr erfaren/ dann alte und gewanderte gesellen/ so
18 wol alters halben unsere vaͤtter weren. Desshalben/ lieber
19 leser oder zuͦhoͤrer/ euwer baider ungunst zuͦ vermeiden/ hab
20 ich mich zuͦ forderst entschuldigen woͤllen/ wo dir villeicht
21 allemal dises buͤchlin an das maͦntelin würde greiffen/ oder
22 sagen das dir vor wissend wer/ wie es dir vor jaren in
23 disem oder jenem land wer gangen/ da dann broth eischen
24 dein best handtwerck war/ sunst hettest du dich bettlens nit
25 erweren moͤgen/ Hey so gedenck doch das dir diss buͤchlin zuͦ
26 keinem tratz noch nachtheil gemacht/ Dann wie dirs gangen
27 ist/ so mags iren noch mehr gangen sein. Hiemit lieber leser
28 bewar dich Gott.
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1 Wie ein Reicher Kauffman/ so zuͦ Antdorff gesessen/ mit
2 einem seinem nachbauren zuͦ unfriden ward/ von wegen
3 irer bayder kind/ was grossen unrhats darauß erwachsen
4 thet.
5 DIeweil ich im ingang meines buͤchlins verheissen hab/ von
6 guͦten unnd boͤsen nachbauren etwas zuͦ schreiben/ will ich
7 dannocht hierin gar niemants gemelt haben/ aber laß dirs
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1 gleich gelten lieber leser/ dise nachbaurn sein gleich in Holant
2 oder Brabant / Schwaben / Elsas / oder Breißgaw / dahaim
3 gewesen/ so laß dannocht dise ding geschehen sein/ Darumb
4 merck nuͦr eben auff. Es hatt vor jaren gewonet ein reicher
5 tugentsamer Kauffherr/ inn der statt Antdorff / mit namen Robertus /
6 welcher von mengklich jung unnd alten/ in hohem
7 wert gehalten was/ nicht weniger hette auch sein hausfraw
8 ein guͦt lob vonn wegen ihres tugentlichen unnd holdtsaͤligen
9 wandels/ sie was ein weib der ehren ein liebhaberin/ Den
10 beyden het under anderem zeitlichen guͦt/ Got der Herr auch
11 vil schoͤner und lieber kinder bescheret/ Die wurden von in
12 gar wol und ehrlich aufferzogen/ sovil unnd inen beyden
13 sammen müglich war/ hielten sie ire kinder darzuͦ/ das sie
14 niemants belaidigten/ weder in kleinem noch in grossem/
15 deßhalben sie von gemeiner nachbaurschafft gezartet und liebgehalten
16 waren. Man sagt aber gemeinlich/ der Esel stand so
17 wol er ymer woͤlle/ muͦß er dannocht das kreutz tragen/ also
18 gieng es auch disem Roberto / und im warde zuͦvilmalen für
19 seine wolthaten fast übel gelont/ Er het einen zaͤnckischen/
20 arglistigen/ und alventzischen nachbauren/ der was ein
21 Tuͦchbereiter/ der hett vil knecht auß fremden nationen und
22 landen/ wann die also bey einander waren/ erzalt ir yeder was
23 in seiner haimat landtleuffig unnd breuchig wer. Nuͦn het der
24 Tuͦchbereiter einen suͦn/ gar ein argen/ verlognen/ muͦtwilligen/
25 eygensinnigen/ boͤsen lecker/ der nam yeder zeit mit
26 fleis acht/ uff die reden so die gesellen mit einander hetten/
27 wann er von in kam/ wußt er vil mer darvon zuͦ sagen/ dann
28 keiner under dem hauffen/ kam dann also zuͦ herr
29 Roberten kindern/ sagt von der sach/ als ob er die selb gesehen
30 und erfaren het. Das het der guͦt Robertus war genummen/ den
31 jungen ( der dann yetzund fast die vierzehen jar uff im het ) mit
32 guͦten worten gestrafft/ im dabey anzeigung geben/ wie gar
33 übel diss einen jüngling zieren thuͤe/ so er seiner wort so milt
34 sey/ dann man sprech gemeinlich/ wer vil redt der muͤß vil
35 erfaren und gelesen haben/ oder aber muͤß vil darunder liegen/
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1 so sey er noch nit der jaren/ das er die ding alle ( deren er sich
2 rhuͤme ) erkundiget habe/ ob er gleich wol ein jar/ zwey bey
3 seinem vetteren zuͦ Mecheln gewesen/ moͤg er doch der ding
4 nit sovil erfaren haben: Mit semlichen und deren gleichen
5 worten/ vermeint der guͦt Robertus etwas guͦts bey dem jungen
6 anzurichten/ aber sein muͤh und arbeit gar umb sunst was. Als
7 aber der jung seiner weiß nicht abston wolt/
8 sunder gantz darauff beharret/ verbot Robertus
9 seinen kindern ( damit sie nit der
10 lugen bey im gewonten ) das sie gedencken
11 und luͦgen solten/ kein gemeinschafft mit
12 im zuͦ haben/ im seiner lugen und dant gar
13 nit zuͦ losen/ sunder wann er sich also under
14 sie mischen wolt/ solten sie von im gon/
15 und im sein wesen allein lassen. Diß stuͦnd
16 nit sehr lang an/ der Tuͦchbereiter nam sein
17 acht/ satzt seinen suͦn zuͦ red/ was die ursach wer/ das des
18 nachbauren kind so abscheulich ab im sich stalten/ die weil
19 sie doch allwegen seiner geselschafft begert hetten. Der jung
20 so zuͦ seinem alter gar zuͦ listig was/ zaigt seinem vatter einen
21 langen tant an/ so Robertus mit im solt geredt haben/ in so
22 hart der lugen gestrafft/ so er im doch sein lebenlang keine
23 nie gesagt hett/ demnach seinen kinden verbotten/ kein
24 gemeinschafft mer mit im zuͦ haben/ diss allein wer die
25 ursach so er von ihm begert zuͦ wissen. Der Tuͦchbereiter ( so
26 von art ein hochbruntzer was/ und aber darneben/ gar wenig
27 und schier gar kein glauben auff in zuͦ setzen ) nam die sach gar
28 schwer auff/ vermaint nit/ das man seinen kindern ( wie übel
29 die handleten ) inreden solt/ er was gantz und gar über den
30 guͦten herren Robertum erzürnet/ lieff mit angehencktem
31 schwert für sein thüren/ fand in von ungeschicht in seinem
32 laden sitzen/ sich in etlichen registeren zuͦ ersehen/ Ungewarneter
33 sach fieng der Tuͦchbereiter an/ mit greußlichen
34 worten zuͦ reden/ " Nachbaur " sagt er/ " sagend an/ was hat
35 mein suͦn schantlichs oder laͤsterlichs verwircket? oder binn
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1 ich nit so guͦt noch der ehren/ das ewre kinder geselschafft mit
2 den meinen haben mügen/ das beger ich einmal von euch zuͦ
3 vernemen? " Der guͦt herr dem diss gar ein rauhe sach war/ so
4 hett er auch sunder zweifel der red/ so er mit seins nachbaurn
5 suͦn gehabt/ lang in vergess gestelt/ derhalben er von solchem
6 greußlichen anfaren etwas schrecken empfieng/ so schambt er
7 sich auch von wegen der für gonden weiber/ und maͤnner/
8 das er also von seinem naͤchsten nachbaurn solt über rumplet
9 werden. Er sagt mit saͤnffter stim/ " Lieber nachbaur/ ir überfarend
10 mich gar ungewarneter sachen/ ich bit euch von wegen
11 guͦter nachbaurschafft/ habt ir etwas mit mir zuͦ reden/ gond
12 zuͦ mir inn mein hauß/ es ist euch doch zuͦ yeder zeit offen/
13 unnd gar nicht verbotten harin zuͦ gon. " " Das geschicht ( so
14 mir S. Antonius helff ) nimmer " / sagt der Tuͦchbereiter/
15 "Dann welch hauß unnd hoff/ meinen kinderen verbotten
16 sind/ deren kan und will ich mich auch wol enthalten/ das ich
17 nit viel stain an dem pflaster darinnen zertret/ eh wolt
18 ich das himlisch fewr verbrant ein sollich hauß/
19 und hoffreitine. " Robertus sagt/ " Da woͤlle Got vor sein/ wie
20 mügen ir einen semlichen freflichen wunsch thuͦn/ nuͦn würd
21 es euwerem hauß gar vil zuͦ nahend sein/ so dem meinen etwas
22 args widerfaren solt? Lieber nachbaur nit also/ wir woͤllend
23 guͦte liebe freundt mit einander sein/ Und uns der kinder
24 sachen nichts beladen/ dann sich in ire sachen gar nicht zuͦ
25 legen ist. " " Das mag ein anderer ihngon/ mir aber ist meiner
26 kind eins lieber/ dann alle nachbauren so hinder mir und vor
27 mir sind. " Robertus stuͦnd auff von seinem sitz/ wolt dem unnützen
28 mann seiner taͤding nit mer zuͦ hoͤren/ unnd er gieng in
29 das hinderist theil seines hauses/ damit er nit ursach gewün/
30 seinem nachbauren weiter antwurt zuͦ geben. Erst kam seines
31 nachbauren weib/ ein schaum von einer boͤsen befftzin/ die
32 fieng erst an/ das kind mit dem kübel umb zuͦ werffen/ und
33 auß zuͦ giessen/ Da was aber niemant/ so auff ire red antwurten
34 wolt/ nicht dest weniger/ bal sie für und für/ wie ein jaghündlin/
35 so vorlaut/ und doch kein wiltbret vorhanden ist.
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1 Auß solchem irem jaͤmerlichen geschrey/ sich gar viel volcks
2 vor herr Robertus hauß versamlet/ zuͦ dem was diser boͤß
3 mutz/ aller welt ires boͤsen mauls halben wol bekant. Als aber
4 niemants zuͦ gegen was/ so ir antwurt geben woͤllen/ hat sie
5 zuͦ letst von ir selb nachgelassen. Es ist aber diß ein anfang gewesen/
6 eines unablaͤßlichen hader und zancks/ so da nimmermer
7 hat außleschen woͤllen/ bis zuͦ letst/ der guͦt Robertus hatt
8 einen weiten geben muͤssen/ Dann er kund spüren und sehen/
9 das im der Tuͦchbereiter/ alles/ so er erdencken mocht/ das
10 im ein leiden und verdruß was/ anfing/ und was er durch
11 eygne person nit kund oder mocht zuͦ wegen bringen/
12 da richt er seine knecht/ und maͤgt/ weib und kind an/ damit
13 dem guͦten herren gar vil trutz bewisen ward. Es waren des
14 Tuͦchbereiters maͤgt dahin abgericht/ wann sie nur ein spuͤlwasser
15 auß schutten/ geschahe es der mas/ das dem guͦten
16 herren sein laden damit verunreiniget und besprentzt ward/
17 Des nachtes/ schutten seine knecht allen unrhat von oben ab/
18 alles dem guͦten Roberto für sein hauß/ davon dann summers
19 zeit ein armer geschmack entstuͦnd. Nuͦn spricht man/ wann
20 ein Jud / einem gar übel wünschen woͤlle/ so wünscht er im
21 einen boͤsen nachbauren/ das sey nuͦn oder nit/ so ist es fürwar
22 ein boͤser und arger wunsch/ Gott behuͤt eynen yeden frumen
23 menschen darvor/ Ich muͦß bekennen/ das es ein langwirigs
24 ding ist/ dann ichs zuͦm theil auch versuͦchet hab/ So hab ich
25 auch ein reiche witfraw erkant/ deren mocht ein nachbaur
26 leicht ettwas überzwerchs in weg legen/ so gieng sie hinach
27 ein jar oder zwey on reden mit im/ wiewol sie sunst ein grosse
28 geisterin was/ lag für fewr in der kirchen/ und ob dem
29 Hortulus Anime sass sie gantz gedeicht/ taͤglich ir siben zeit
30 betten/ als wann sie ein closterfraw gewesen. Ob aber sollichs
31 aus eim guͦten grundt geschehen sey/ oder aus einem spiegelfechten
32 vor der welt/ ist mir verborgen. Das aber wais ich
33 wol/ als sie in ein grosse und langwirige kranckheit gefallen
34 ist/ hatt sie nit sunderlichen vil nach gaistlichen dingen geforschet/
35 Dann gar wenig tag vor ihrem absterben/ hatt man
Seite 16
1 sie über iren schatz ( wie schwach sie gewesen ist ) fuͤren muͤssen/
2 bald darnach ist ir aller verstand und red empfallen/ hat weder
3 wortzeichen noch nichts geben mügen/ das so man ir zuͦgesprochen/
4 ist alles umb sunst gewesen/ und
5 nach dem sie lang in eynem ernstlichen wesen gelegen/ ist sie
6 zuͦ letst on alle vernunfft ungeredt/ auß disem jamerthal
7 gefaren/ Der Almechtig Gott verzeihe ir armen seelen und
8 uns allen amen. Diss hab ich allein darumb hier in geflickt/ ob
9 doch yergent solche hartnaͤckige leut/ und unfrüntliche nachbauren/
10 dise ware geschicht hoͤren lesen oder selb lesen/ sie
11 ir boͤsen weiß abstanden/ ir red gegen irem naͤchsten/ nit also
12 aus neyd und hass sparend/ damit in/ an irem letsten end/ nit
13 an irer sprach manglen werde/ Davon sey zuͦ disem mal genuͦg
14 gesagt. Jetz kum ich wider an den Robertum der sich seines
15 nachbaurn halben groͤßlich bekümmert/ Jedoch nam er im mit
16 andren nachbauren guͦt geselschafft/ richt zuͦ vilmalen guͦte
17 malzeiten zuͦ/ beruͦfft sie/ damit sie froͤlichen und guͦts muͦts
18 miteinander weren/ Das wolt dann den Tuͦchbereiter schellig
19 und unsinnig machen/ und vermeinet/ dieweil er dem Roberto
20 feind wer/ es solt in yederman von seinetwegen hassen/ wie
21 man dann vil solcher dopleter stocknarren findt/ wann sie
22 eim feindschafft tragen/ muͦß als ir gesind den selbigen
23 hassen/ sie ziehen auch ir kinder darzuͦ/ vermeinen auch darneben/
24 ire guͦten freundt sollend den jenigen feindschafft
25 tragen/ so er in doch all sein tag leids nie gethon hat.
Seite 17
1 Wie dem Roberto sein weib inn ein grosse kranckheit
2 falt/ aber bald wider uff kummet/ seine kinder aber sterbend
3 im alle biß an sein jüngste tochter.
4 MAn sagt gewonlich/ und ist auch selten faͤl/ wann
5 einen unglück reiten will/ so kumpts hauffenweis/ also giengs
6 auch dem guͦten Roberto / er was bekümmert mit seim boͤsen
7 nachbauren/ Dieweil er im allen widerdries/ so er erdencken
8 mocht/ zuͦfuͤget/ und er im dargegen gern all freundtschafft
9 bewisen hett/ im unnd den seinen/ aber gar umbsunst was.
10 Es was auch die guͦt Sophia nit wenig
11 bekümmert/ ires haußwürts halben/ umb
12 das er ihm die sach so schwer auff nam/ so
13 sie bests mocht understuͦnd sie im das auß zuͦ reden/
14 "Lieber haußwirt " sagt sie/ " was
15 gedenckest du doch/ das du dich die ding
16 so hart last bekümmern/ nuͦn bedürffend
17 wir doch ( Got hab lob ) unsers nachbauren
18 gar nichts. Es hatt uns Gott der Almechtig/
19 mit narung versehen/ das wir im nit bald
20 zuͦ gnaden kumen doͤrffend/ das du dich also bekümmerst/ ist
21 ihm ein grosse ergetzligkeit und hertzliche freud/ Ich wolt ihm
22 für war nit sovil zuͦ gefallen thuͦn. Nuͦn haben wir doch sunst
23 andre vil guͦter nachbaurn/ so uns alles guͦts günnen/ mit den
24 selbigen suͦch dir freud und kurtzweil/ Es haben doch gemeinlich/
25 all unser nachbaurn schoͤne und lustige gaͤrten/ darinn
26 sie vilmalen spatzieren gohn/ mit in wolt ich geselschafft
27 haben/ und sie zuͦ gast heim zuͦ haus laden/ damit würstu
28 unsern ungünstigen nachbaurn nit ein solliche freud machen/
29 als wann du also trostmuͤtig daheimen beleibst/ uff dir selb
30 sitzen. " Dise und der gleichen trostung gab Sophia irem haußwirt/
31 des er ir auch gaͤntzlich volget/ und nam im sehr vil freud
32 mit inen/ Es mocht aber das wanckelmuͤtig und unsteht glück/
Seite 18
1 dem guͦten frumen Roberto die freud nit lang vergunnen/
2 sunder vermischt im die mit bitterem trawren und
3 schmertzen/ Dann erstlichen ward im Sophia / sein liebste
4 gemahel/ mit toͤdtlicher kranckheit beschwert/ also das ir
5 niemants irs lebens troͤstung zuͦ saget/ wiewol sie in kurtzen
6 tagen wider zuͦ gesuntheit und krefften kumen ist/ so hatt sich
7 doch ein ander leid dem guͦten Roberto zuͦ tragen/ Dann er
8 hett vier schoͤner ausserlesener knaben/ die im gantz gehorsam
9 und underdienstbar waren/ auch von im zuͦ der ehr Gottes in
10 aller forcht aufferzogen/ Zuͦ den selbigen hett er sechs wol erzogner
11 schoͤner toͤchteren/ die im und seinem weib fast lieb
12 waren/ die sturben im alle nacheinander/ naͤher dann in einem
13 monat/ das ihm nuͦr die jüngst tochter under allen kindern
14 belib/ davon im dann sein hertz moͤcht zersprungen sein/ es
15 mocht ihm sein leid niemandt außgereden/ So gehuͦb sich
16 Sophia sein weib/ nicht weniger übel dann er/ also das keines
17 dem anderen einen trost hett geben künden.
18 Es hett aber Robertus einen andren guͦten
19 nachbauren/ der selbig und sein weib/ in
20 aller angst und nodt nie von im gewichen
21 waren/ der redt im die sach auß sovil im
22 yemer müglich was. Als er aber mercket das
23 sein trost und außreden gar nichts verfahen
24 wolt/ gedacht er im andre mittel für die
25 handt zuͦ nemen/ Er hett ein guͦten freundt/
26 so vil bey im auß unnd yhn gieng/ der was ein Holender / ein
27 über die maß gelerter mann/ mit dem selbigen überlegt er die
28 sach der maß/ und sagt zuͦ ihm/ " Mein hertz aller liebster und
29 getrewister frünt/ ich hab ein sehr grosse bit an euch zu
30 gelangen/ wo ir mir in dem zuͦ willen würden/ moͤchtend ir
31 mir groͤsser lieb und früntschafft nit beweisen. " Der gelert
32 man/ hatt sich auff solche wort nit lang genumen zuͦ bedencken/
33 sonder gesagt/ " Guͦten freunden ( so anderst die freundtlicheit
34 nit ein angenumne und falsche freundtschafft ist ) will
35 sich in keinen weg gezimmen noch gebuͤren/ etwas freuntlicher
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1 bitt ab zuͦ schlagen/ ja wann die schon biß in den tod hinein reichen
2 solt/ yedoch das die selbig nit ehrberuͤrig sey/ Darumb
3 mein freunt/ woͤllest mir deine anmuͦtung eroͤffnen/ will ich
4 dir fast gern ( so mir anderst müglich ) inn disem und anderem
5 willfaren. " Darauff sprach der guͦt nachbaur des Roberti
6 "Mein lieber und guͦter freundt/ dir ist on allen zweyfel wol
7 küntlich/ mein freuntlicher lieber nachbaur Robertus der
8 kauffman/ ein mann erbars wandels/ der seinem hauß wol
9 vorstath/ seine kinder ( denen Got genad ) wol und Christenlich
10 erzogen hat/ alles sein haußgesind zuͦ der ehr Gottes auffbawet/
11 Gotslesterung und andere laster geduldet er an keinem so
12 under seinem muͦß und brot sein woͤllend. In summa/ er ist
13 ein solcher/ so yederman inn seiner widerwertigkeit troͤsten
14 kan/ ihm selb aber/ ist er in seinem eygnen truͤbsal gantz
15 trostlos. Es hatt sich in kurtzer zeit zuͦ tragen/ das im neune
16 seiner lieben kinder einander nach auß diser welt verscheiden
17 sind/ und im/ von zehen schoͤner kindern/ nit mer dann ein
18 einige als die jüngst tochter über beliben ist/ Des sich dann
19 der mann ( und nit unbillich ) so gar übel geheben thuͦt/ sein
20 klag von tag zuͦ tag mert/ Also das im niemant die sach außreden
21 kan/ Nuͦn aber waiß ich dich/ dermassen in der heiligen und
22 Goͤttlichen schrifft erfaren/ so du dein fleis mit im understast/
23 würst du in bald von seinem fürnemen abwenden/ und auff
24 ein Christliche ban bringen/ so dann hab ich die sach also angeschantzet/
25 damit er nit mercken solt/ das ich mich mit dir
26 seinethalben bespracht hette/ In meinem hauß will
27 ich ein guͦt herrlich mal zuͦrichten lassen/ den Robertum
28 sampt seinem weib zuͦ gast darzuͦ berüffen/ Dann ich weis
29 ( wiewol er yetzund leidig nit gern aus gath ) das er dannocht
30 mein bitt nit abschlagen würt " / Diss ward also von dem
31 gelerten man angenumen/ unnd das mal auff den naͤchst
32 künfftigen tag harnach angeschlagen.
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1 Wie Robertus von seinem guͦten freundt und nachbaurn
2 zuͦ gast geladen/ und Robertus mit dem gelerten man zuͦ
3 worten kumpt.
4 DEr guͦt freunt/ dem die sach mer angelegen dann er
5 niemants oͤffnet/ fuͤgte sich des abents in das haus Roberti / den
6 fand er noch mit grossem kummer umbgeben/ er troͤst in
7 nach seinem vermügen so best er mocht/ Zuͦ letst bat er in/ er
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1 und Sophia wolten den künfftigen tag das morgenmal mit ihm
2 essen/ dann er gar niemants dann guͦte freund darzuͦ beruͦffen
3 hett/ so im gar anmuͤtig und nit zuͦ wider sein würdend.
4 Robertus wiewol er mit grossem ellend und jamer umbfangen/
5 noch wolt er seinem guͦten freunt die bitt nit abschlagen/
6 sagt im also zuͦ/ wo im Gott gesuntheit verleihen/ wolt er unnd
7 sein gemahel zuͦ rechter zeit erscheinen/ Des sich dann sein
8 nachbaur sehr erfrewet. Als er nuͦn urlaub von Roberto nam/
9 heim zuͦ haus keret/ seinem weib befalh/ allen müglichen fleis
10 anzuͦwenden/ und auff den mornigen tag uff den ymbis/ ein
11 guͦt mal anzuͦschicken/ des im sein weib gantz willig was. Also
12 ward auff den künfftigen tag das mal mit grossem lust zuͦgericht/
13 zuͦ gelegner zeit kamen die geladnen gaͤst/ wurden von
14 dem wirt und seinem weib froͤlich empfangen/ und ein jeder
15 an die stat nach dem er wirdig was/ gesetzet. Die trachten gar
16 kostlich unnd wolbereit fürgetragen. Der gelert man ( von
17 welchem oben gesagt ) fieng an ein schon Benedicte zuͦ sprechen/
18 Gott den allmechtigen bittend/ das er ihn dise zeitliche
19 und fürgesetzte speis/ durch seine milte guͤt und genad
20 benedeyen und segnen wolt/ in auch die genad verleihen/ das
21 sie gedachter speis und dranck nit zuͦvil zuͦ inen nemen/ damit
22 sein Goͤtlicher nam nit dar durch geunehret noch gelestert
23 würde. Als sie nuͦn alle amen gesprochen hand/ haben sie die
24 speis mit züchten genossen/ Da ist yederman
25 zimlich froͤlich gewesen/ allein Robertus der hatt einen seufftzen
26 über den anderen gelassen/ und sich gantz trawrig erzeiget/
27 das dann die andren seine lieben nachbaurn und freundt
28 auch trostmuͤtig gemacht hat. Der gelert man/ so hart neben
29 Roberto gesessen gewesen ist/ hatt in mit gar sanfftmuͤtigen
30 worten angeredt/ " Lieber herr Roberte / was bekümmert euch
31 so schwerlichen/ das ir so gar nit guͦter dingen sein woͤllen? "
32 Darauff antwort Robertus / " O freundt / den grossen kummer
33 und meines hertzen beschwernus/ so ich trag/ nit müglich ist
34 zuͦ erzalen/ Damit aber ir dannocht zuͦm theil bericht empfahend/
35 so wissend das mir Gott durch sein milte gnad/ zehen
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1 schoͤner kinder beschert/ mit welchen ich grosse freud und
2 ergetzligkeit gehabt hab/ die selbigen/ hatt mit Gott der Herr
3 in gar kurtzer zeit einander nach genumen/ bis an mein jüngste
4 tochter/ die ist von solcher kranckheit wider auffgestanden.
5 Nuͦn krenckt mich erst noch mehr ein ungetrewer und gar unfreündtlicher
6 nachbaur/ so ab meinem jamer so gar ein gros
7 wolgefallen hatt/ das mag er auch im selb nit allein behalten/
8 dann er sich sonderlichen beflissen/ wann man meiner kinder
9 leichen zuͦ grab getragen/ hatt er sein gesind dahin gericht/
10 das sie von heller stimmen an hand gefangen zuͦ singen/ so
11 doch ein yeder nachbaur billichen ein mitleiden mit dem anderen
12 haben solt. " " Das wer wol billich und recht " sagt der glert
13 man/ " Es ist aber im dest weniger lobs nach zuͦ sagen/ auch
14 ist seiner ehren nit dester mer/ würt im auch gwißlich/ solcher
15 hochmuͦt und trutz unvergolten nicht beleiben/ Dem allen
16 aber/ sey wie im woͤlle/ so wend wir das nodtwendigst an die
17 hand nemen/ und einen trost suͦchen/ der abgestorben
18 kinder halben. Es ist dem menschen und allen thieren sampt
19 dem geflügel/ von natur angeboren/ das ein yedes seine jungen
20 lieb hat/ ir sterben und verderben nit gern sicht/ Der mensch
21 aber soll ein underschaid haben des orts/ seiner kinder halben/
22 Also/ das er bedenck/ wohar im die kummen und wer im die
23 geben hab/ das auch der selbig die macht wider zuͦ seinen handen
24 und gwalt zuͦ nemen/ wann das sein Goͤtlich wolgevallen sey/
25 wie der guͦt frum selig Job spricht/ in seinem buͦch am
26 1. cap. Als ihm botschafft kam/ wie seine kinder bey einander
27 gewesen in des erstgebornen bruͦders hauß/ unnd hetten
28 alda ein gros fontanium und wolleben gehalten/ Da sie sich am
29 wenigsten besorgt/ wer ein grosser wind von der wuͤsten har kummen/
30 und das hauß zerrissen/ also das es gantz zuͦ boden
31 wer gefallen/ und das volck alles im hauß zerschlagen/ bis an
32 den eintzigen knecht/ so darvon kummen was/ und dem Job
33 die geschicht erzalt/ Das was je auch ein arms jaͤmerlichs ding/
34 und ein erschrockenliche bottschafft/ einem vatter/ so seine
35 kind so hertzlichen liebet/ Deren het er auch zehen an der
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1 zal/ siben sün unnd drey toͤchteren/ wann die bey einander
2 waren/ schlemten und praßten/ opfert er und bat Got für sie/
3 damit sie Got nit straffet/ umb ir üppigs leben. Als im nuͦn
4 solche botschafft kumen ist/ was hat er geton/ hat er auch mit
5 Got gezürnet? nein/ Dann er thet als ein vatter/ so wußt und
6 verstuͦnd er/ das die kinder nit lenger sein waren/ dann es war
7 der wil des Herren/ so im die geben und geliehen hett/ Wie
8 wol er dannocht vor leid seine kleider zerriß/ und fiel uff das
9 angesicht/ raufft sein har auß/ bettet unnd sprach/
10 Nackend binn ich auff erden von meiner muͦter leib kummen/
11 Nackend würd ich wider von hinnen faren/ Der Herr
12 hats geben/ der Herr hats genumen/ Der namen des Herren
13 sey gelobt. Wir lesen auch ein schoͤn Exempel/ an dem
14 Koͤniglichen Propheten David / an dem
15 12. Capitel/ im andren buͦch der Koͤnig/
16 Als das weib Urie ( welchen David het
17 lassen umbbringen ) im ein kind an die welt gabar/ und aber
18 das durch Gott mit kranckheit angegriffen ward/ wie dann
19 Nathan der Prophet dem David zuͦvor verkündet/ Da legt
20 David alle seine feyrtags kleider ab/ was gantz trawrig/ lag
21 nachts auff der erden/ und kund im niemants das trawren
22 außreden. Da nuͦn das kind starb/ wurden seine knecht angsthafft/
23 sagten zuͦsamen/ wer will dem Künig ansagen/ das das
24 kind gestorben ist/ Die weil kein trost an im verfahen woͤllen/
25 und dannocht das kindt noch in leben war? David aber
26 verstuͦnd an iren geberden/ das das kindt gestorben was/ wie
27 solt er ihm anderst gethon haben? Er fragt/ Ist das kindt todt?
28 und sie bekanten im das. Da stuͦnd David auff von der erden/
29 da er gelegen was/ er wuͦsch und salbet sich mit wolschmackendem
30 oͤl/ legt wider hochzeitliche kleider an/ und hies im zessen
31 bringen. Da in aber seine knecht fragten/ was er damit gemeinet/
32 sagt er/ im ist also wie ir saget/ Dann da das kind
33 noch in der kranckheit lag/ und lebet/ da weinet und fastet
34 ich/ und lag uff der erden zuͦ Gott ruͤffende/ dann ich gedacht
35 wer waißt ob mir der Herr gnedig sein moͤcht. Nuͦn aber ist
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1 das kindt tod/ was hilfft mein fasten/ schreyen und klagen?
2 Ich mags darumb nit wider bringen/ Ich wais aber wol das ich
3 zuͦ im faren werd/ es kumpt aber zuͦ mir nit mer. Bei
4 disen zweien heiligen mannen/ sollen wir billich einen trost
5 fassen/ wann uns Got hie in disem zeitlichen jamerthal angreiffet/
6 unsere kinder zuͦ seinen Goͤtlichen genaden beruͤffet/
7 das wir nit zuͦ lang und vil trawren sollen/ und uns zuͦ sehr
8 darab krencken/ dieweil sterben ein natürlich ding ist/ und
9 allem dem so das leben auff erden bracht hat/ muͦß das mit dem
10 und durch den tod verwechßlen/ Fürwar ich muͦß hie loben
11 die antwurt/ so Anaxagoras der weiß Haid ( dem so ihm den
12 todt seiner sünen verkündet ) geben hatt/ Er gab kein andre
13 antwurt/ dann das er sagt/ Das wußt ich wol das sie einmal
14 sterben muͦßten/ dann sie wurden von mir als einem sterblichen
15 menschen geboren/ darumb sie auch sterblich gewesen sind.
16 Diser Philosophus/ wiewol er ein Haid gewesen/ hatt er doch
17 meines bedunckens wol/ und Gotselig geantwurt/ dann er
18 sich umb seine beide sün nit weiter dann billich gewesen
19 bekümmert hatt. Darumb mein aller liebster Roberte / woͤllend
20 euch auch ein maß ewers klagens setzen/ unnd wie oben von
21 David gesagt/ das so nit wider zuͦ bringen ist/ auffhoͤren zuͦ
22 klagen. " Robertus umb den guͦten und getrewen rhat dem
23 guͦten mann fleissigen danck sagte/ in auch darneben bat/ auff
24 diss mal nit mer darvon zuͦ sagen/ damit der wirt sampt seinen
25 andren gaͤsten/ nit ein verdruss ab irer beiden red nemen/ so
26 es ihm aber kein verdruß sein wolt/ wer sein bitt an ihn/ das
27 er des andren morgens zuͦ im kem/ ein kleins morgen süplin
28 mit im ess/ als dann wolten sie genuͦgsam von disen dingen
29 reden/ des was der guͦt mann gar wol zuͦ friden/ versprach im
30 auch seinen willen und bitt zuͦ volziehen. Also ward die überentzig
31 zeit mit zimlichen freuden vertriben.
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1 Wie Roberto botschafft von Lisabona kam/ von seines
2 vattern bruͦder/ der was gar ein alter reicher Kauffman.
3 DIeweil sie noch also an dem tisch sitzen/ essen/ und trincken/
4 so kumpt ein bot von Lisabona an das hauß/ und
5 klopffet an/ man schlos im behend uff/ fragt in was seine
6 geschefft werend/ er zeigt an/ wie er etlich brieff hett/ so
7 Roberto dem kauffman zuͦ stuͤnden/ das ward herr Roberten
8 bald angesagt/ also bat er den wirt das er verschaffen wolt/
9 das der bott für ihn kem/ das ward eylends außgericht. Als
10 nuͦn der bott für ihn kam/ empfieng ihn Robertus gar
11 freundtlich/ fragt in von wannen har sein raiß gieng. " Herr "
12 sagt der bot/ " Ich kum von Lisabona / ewerem vettern " / gab
13 im damit den brieff/ Des inhalt was/ wie er sein vetter yetzund
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1 gar alt und schwach were/ so hett er gar kein kind/ und were
2 im sein haußfraw mit tod abgangen/ Zuͦ dem wißt er keinen
3 verwanten mer/ dann in/ Wer sein beger/ das er zuͦ Antorff
4 auffbrechen wolt/ und zuͦ im gehn Lisabona ziehen/ wolt er
5 ihm und seinen kindern/ alles was er hett/ übergeben/ und
6 er bey im auß und ein gehn/ und den tisch bey im haben. So
7 bald Robertus den brieff gelesen/ ist im von stundan sein
8 hertz und gemuͤt gehn Lisabona gestanden/ wiewol er nit
9 dergleichen thet/ noch sich gegen yemands mercken lies/ er
10 befalh dem botten haim in sein hauß zuͦ gohn/ darinn seiner
11 warten. Als bald nuͦn das mal vollendet worden/ habend die
12 gaͤst dem würdt gar freundtlichen danck gesaget/ sind demnach
13 von hoff geschaiden/ yeder inn sein behausung gangen.
14 Robertus hatt auch mit sundrem ernst haim geeylet.
15 Wie Robertus auß Antorff gehn Lisabona gezogen/ allein
16 das er von seinem ungetrewen nachbaurn kem/ unnd
17 seiner kinder dest eh vergessen moͤcht.
18 AUff gantzem erdboden/ ist nichts so dem menschen sein
19 vatterland mehr unnd ehe erlaiden kan oder mag/ dann so er
20 etwas taͤglich vor augen sehen muͦs/ so ihm verdrießlich ist/
21 unnd das aber nit wenden mag/ also gieng es auch dem guͦten
22 Roberto / auch in seinem vatterland/ wiewol im
23 an guͦt/ gar nicht manglet/ so bekümbret in doch die ungetrew
24 nachbaurschafft/ so ihm der Tuͦchbereiter taͤglich bewiß. Er
25 berhatschlagt sich kurtz mit seinem weib/ der gefiel die sach
26 dermassen so wol/ das sie irem mann taͤglich anlag/ er solt sein
27 sach nuͦr bald dahin ordnen. Also saumet sich Robertus nitt
28 lang/ verkaufft/ vertauscht/ verwechßlet/ sein hab und
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1 guͦt/ wie er mocht/ In summa er macht sich in monats frist
2 gar wegfertig. Und als er yetzund gar sein sach zuͦ Antorff auff
3 ein ort gemacht/ hat er uff der freyen strassen vor seinem hauß
4 etlich tisch auff das kostlichest bereiten lassen/ und gar vii
5 seiner guͦten freündt und nachbauren darzuͦ beruͦffen/ gar kein
6 außgesündert/ dann den Tuͦchbereiter/ dem dann solche freud
7 fast weh im hertzen thet. Also letzet sich Robertus mit
8 ihn/ ließ auch einem yeden tischgenossen ein sundere herliche
9 letze/ sein darbey zuͦ gedenken/ des sie ihm all gar freundtlich
10 danck sageten/ Darneben klagten sie sein hinfart gar schwaͤrlichen/
11 wunschten auch dem vil unglücks/ so ihm ursach zuͦ
12 seinem abscheid geben hett. Als sie nuͦn das morgenmal/ und
13 auch den nachtimbis mit grossem kosten geendet hetten/
14 Robertus und sein weib Sophia sie fründtlich gesegnet/ und
15 darneben gebetten/ ihnen ( wo sie yemants erzürnt hetten ) zuͦ
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1 verzeihen/ Also ist yederman zuͦ hauß gezogen. Des andren
2 tags/ hat Robertus all sein hab und guͦt zuͦ schiff verordnet/
3 und als es dem Patron des schiffs geschickt gewesen/ hatt er
4 alle die erforderen lassen/ so mit im in Portugal hand faren
5 oder schiffen woͤllen/ und hatt sich die zeit eben zuͦtragen/ das
6 sie auff einen freytag am morgen von land gefaren sind/ fast
7 guͦt wind und wetter antroffen. Es hatt auch Robertus alles
8 sein haußgesind knecht und maͤgt/ mit ihm gefuͤrt/ Dann sie
9 iren herren und frawen dermassen lieb und wert gehalten
10 haben/ das sie auch mit inen in todt gangen weren. Als sie
11 nuͦn gehn Lisabona kumen sind/ ist Robertus mit weib/ kind/
12 und gsind/ den nechsten in seines vetteren haus gezogen/ von
13 dem ward er gar früntlich und mit grossen freuden empfangen/
14 er übergab im all sein hab und guͦt/ zuͦ sampt dem gewerb/ und
15 einem grossen handel/ so er mit Edlem gestain het/ behielt im
16 nichts anderst vor/ dann ein sunder gemach/ damit er sein
17 rhuͦ haben moͤcht/ wann es im gelegen was. Robertus pflag
18 sein auch gar wol/ mit essen/ trincken/ und aller wartung/
19 befalh auch allem seinem volck/ das sie den alten
20 herren mer vor augen haben solten dann in selbs/ sollichs ward
21 alles nach seinem willen erstattet. Also lebet der guͦt alt man/
22 noch bis in die zehen jar/ da starbe er saͤligklichen. Er ward
23 von Roberto und seinem weib trewlich geklaget unnd beweinet/
24 auch ehrlichen zuͦ der erden bestattet/ Und ward
25 Robertus ein besitzer und herr alles des guͦts/ das dann zuͦ dem
26 seinen/ so er mit im auß Brabant bracht het/ einen seer grossen
27 hauffen machet. Er huͦb auch an seines vettern saͤligen handel
28 mit gewalt zuͦ treiben/ handlet viel in Engelandt / und Brabant /
29 auch gehn Venedig / und andere ort/ so lang/ bis er
30 zuͦ letst seiner tochter Cassandra eynen jungen kauffherren
31 gab/ da machet er sich auch rhuͤwig/ wie ihr nachmals vernemmen
32 werdt.
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1 Wie zwen Reicher Kauffherren eines handels und gewerbs
2 zuͦsamen auff einem schiff kumen/ fründtschafft und geselschafft
3 zuͦsammen suͦchen/ Der ein fast kranck ward/ Der
4 ander sein gar trewlichen pflegen was/ und als sie gehn
5 Lisabona kumen/ zuͦ ihm in sein haus nam.
6 ALs auff ein zeit ein mechtig schiff mit kauffmanschafft von
7 Lunden aus Engeland / gohn Lisabona in Portugal gantz wol
8 gerüst fahren wolt/ Hand sich gar viel kaufleut zuͦsamen geschlagen/
9 sich mit einander verbunden/ in einer gemeinen
10 geselschafft auff disem schiff in Portugal zuͦ faren/ dann viel
11 under inen nie in dem Künigreich gewesen waren.
Seite 30
1 Under diser geselschafft was ein Hispanier / gar ein treflicher
2 feiner mann/ der selbig handlet nicht mit scheinlichen wahren/
3 sunder hett sein gelt in grossen geselschafften ligen/ Der
4 selbig herr hett im auch gon Lisabona zuͦ raisen für genumen/
5 kam zuͦ einem andren herren der zimliches alters was/ auff dem
6 schiff/ der dann seine wonung in der statt Lisabona hett/ zuͦ
7 dem selbigen gesellet sich der gemelt jung Hispanisch kauffherr/
8 wurdend der sachen so gar früntlichen eins/ das der alt
9 den jungen bitten ward/ wann sie gehn Lisabona kemen/ er
10 niergent anderstwo dann in seinem haus herberg suͦchen solt/
11 dann er wißt im guͦt gemach zuͦ schaffen. Der jung sagt im
12 semliches zuͦ/ dann er hett nit mer diener bey ihm/ dann nuͦr
13 ein knecht/ unnd ein jungen/ damit er niemant kein sunderen
14 überlast zuͦfügen mocht. Nuͦn begabe es sich in
15 einer nacht/ das den jungen kauffman ein gar hartes fieber
16 beruͤren ward/ davon er grossen schrecken empfahen thet/
17 Seine knecht sagten das dem alten kauffherren dem Portugaleser/
18 der entsatzt und erschrack der botschafft gar übel/ ja
19 nit anderst/ dann wer er sein suͦn gewesen. Er fuͤgte sich zuͦ
20 dem Patronen des schiffs/ bat in umb ein sunder gemach im
21 schiff/ er wolt ims wol bezalen/ damit der guͦt jung herr sein
22 rhuͦ gehaben moͤcht/ Das warde ihm zuͦ handt durch den
23 Patronen bewilliget/ und ward sein/ sovil ymmer müglich
24 sein mocht/ uff dem schiff gepflegen/ mit speis unnd mit
25 dranck/ auch mit anderer notdurfft. Der jung aber ward
26 dermassen so gar schwach/ das im niemant das leben zuͦ sagen
27 wolt/ Davon der alt solchen unmuͦt an sich nam/ das alle die
28 auff dem schiff/ sorgten/ er würd auch in ein kranckheit
29 fallen/ Zuͦ letst aber halffe ihnen Gott zuͦ land/ das sie ein Port
30 erlangten. Bald ließ der alt ein senffti oder ein rossbar machen/
31 damit er den jungen vollend gen Lisabona bringen moͤcht/
32 dann da gedacht er im wol rhat zuͦ schaffen/ mit vormittel der
33 hilff gottes/ der selb ist auch der gewiss artzet zuͦ leib und zuͦ
34 seelen. Also habend sie in wenig tagen die stat Lisabona
35 erreichet/ des dann der alt kauffherr fast fro gewesen.
Seite 31
1 Wie die beide kauffherrn gehn Lisabona komen/ unnd
2 freundtlich empfangen warden/ Auch wie der alt herr
3 befelch gab/ des jungen wol zuͦ pflegen.
4 SO man lang auff dem Moͤr gefaren ist/ und jetzunder
5 wider zuͦ land kumpt/ ist grosse freud bey allen denen/ so uff
6 dem schiff gewesen/ in sunderheit wann sie zuͦ haus kommen/
7 werden sie von weib/ kinden/ und dem gantzen hausgesind/
8 mit grossen freuden und frolockung empfangen/ Also gienge
9 es da auch zuͦ. Der alt kauffherr ritte mit etlichen seinen dienern
10 erstlich zuͦ haus/ die andern liesse er bey der bor/ befalh inen
11 nur gemach harnach zuͦ kumen/ dann er sorgt/ wo jemands
Seite 32
1 aus seinem gesind die bor gesehen/ würden sie sich darab entsetzt
2 haben/ ime wer etwas übels widerfaren. Er ward früntlich
3 von den seinen empfangen/ da was alle freud
4 das sie iren alten herren wider frisch und gesundt daheimen
5 hetten. In disen dingen kam auch der kranck kauffherr/ Der
6 alt aber hett zuͦvor seinem weib kunt gethon/ wie ein krancker
7 kauffman kem/ den wolt er also bey ihm behalten/ bis er widerumb
8 zuͦ krefften keme. Also was im schon ein besunder gemach
9 nach aller notturfft bereit. Der alt befalh allem seinem gesind/
10 das man sein bey dem allerbesten pflegen solt/ das dann auch
11 geschah/ Also das der guͦt jung kauffman in kurtzen tagen fein
12 wider anfieng zuͦ ihm selb zuͦ kummen. Als er nuͦn anfieng ein
13 wentzig starck zuͦ werden/ ass er nit mer inn seinem gemach/
14 sunder gieng allen ymbis an des alten herren taflen essen. Nuͦn
15 het der herr ein schoͤne gerade tochter/ die yetzunder schon
16 manbar was/ die fieng dem krancken kauffherren an zuͦ gefallen/
17 dann es gar leicht mag sein/ das einen Krancken
18 ergetzet/ also was disem herren auch/ So het er auch nie kein
19 weib gehabt/ was ime auch vatter und muͦter mit tod vergangen/
20 Darumb nam er im entlich für/ den alten herren umb die
21 tochter anzuͦsprechen/ Dann er was guͦter hoffnung sie würde
22 im keins wegs abgeschlagen/ Er wußt sich auch an guͦt so
23 mechtig/ als ihr vatter was/ Darzuͦ so was er auch von person/
24 leib und gstalt/ ein schoͤner gerader jüngling/ Es het in aber
25 yetzund der last der kranckheit ettwas an seiner gestalt und
26 schoͤne entstellet. Als ihm aber die kranckheit vergangen was/
27 nam er von tag zuͦ tag wider zuͦ/ das er in gar kurtzer zeit/ zuͦ
28 seiner vorigen gestalt kumen thet. Cassandra aber ( also hies
29 die tochter ) lag im stetigs an/ darumb er dann taͤglichen
30 hinach gedencken ward/ wie er doch mitt dem vater zuͦ red
31 kem/ also das es in glimpff moͤcht zuͦgon.
Seite 33
1 Robertus der alt Kauffman unnd Richart mit einander in
2 einen schoͤnen garten spatzieren gond/ Richardus mitt
3 gantz weiten umbschweiffenden worten kumpt an den
4 alten/ Zuͦ letst bit er umb Cassandra zuͦm weib.
5 DIe lustigest zeit so im jar sein mag/ was yetzund vorhanden/
6 dann die fruchtbaren beum mit irer edlen und wolschmackenden
7 bluͦst fiengend an haraus zuͦ prossen/ Das erdtrich erzeigt
Seite 34
1 sich auch mit wunsamen und schoͤnen bluͤmlin/ von allen
2 farben/ und mancherley art gestaltet/ So hort man die voͤgel
3 allenthalben uff den zweigen mit lieblichem gesang
4 zuͦsammen stimmen/ gleich als wann sie umb ein kleinat
5 kempfften/ und einer über den anderen vermeint zuͦ steigen/
6 und mit gesang obzuͦligen/ Davon es dann sehr lustig in dem
7 feld zuͦ spatzieren was. Diss bewegt Robertum den alten herren
8 das er zuͦ Richarden dem jungen kaufherren gieng/ und in bat/
9 er wolt mit im hinaus in den garten spatzieren gohn / des dann
10 Richardus gantz willig was. Also zugent sie miteinander
11 hinaus/ sunder alle diener und geselschafft/ retten von maniger
12 hand kauffmanschafft und gewerbs haͤndlen. Zuͦ letst fieng
13 Richardus an und sagt/ " Mein hertz aller liebster herr Roberte /
14 Ich soll und muͦs euch billich einen vatter und meinen
15 aller besten freunt bekennen/ dann ich nit wissen mag/ das
16 mir von meinen fründen allen/ die wenigst freundtschafft
17 widerfaren sey/ so ihr mir bewisen hand/ dann ich zuͦ vorderst
18 Gott die ehr geben will/ Dieweil ich waiß sunder sein hilff und
19 ewere vilfaltigen und bewisenen guͦtthaten/ Wer mir nit wol
20 müglich gewesen/ lebendig von dem schiff zuͦ kummen/ Darzuͦ
21 habend ir mich erst als mir zuͦ land kummen sind/ in ewerem
22 haus mit den aller besten wartungen zuͦ meinen krefften bracht/
23 das alles mir nit müglichen zuͦ vergleichen ist/ ob ich euch
24 schon als mein guͦt/ und was ich vermag/ darfür geben solt/
25 Und mich darzuͦ für einen leibeigenen knecht willig in ewer
26 dienst ergeb/ moͤchte dannocht nimmermer vergolten sein.
27 Darumb mein aller liebster herr und vatter/ bitt ich euch ir
28 woͤllen mir zuͦ verston geben/ wardurch ich doch solche überschwenckliche
29 guͦtthat vergelten mag/ damit ich nit als ein
30 undanckbarer gast geachtet werden moͤcht/ Dann es
31 sagen die alten/ das kein groͤsser laster/ weder undanckbarkeit
32 moͤge funden werden. " Darauff antwurt Robertus / " holtseliger
33 lieber Richarde / es ist noch nit an dem/ das wir von
34 ein ander schaiden/ noch unser fründtschafft zertrennen woͤllend/
35 Dieweil du wider zuͦ deiner gesuntheit und krefften
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1 kummen bist/ wend wir erst ein froͤliche zeit miteinander
2 haben/ will uns anderst der Almechtig ein semlichs günnen.
3 So dirs gefalt/ magstu dein handel gleich so wol bey mir fuͤren/
4 als wann du in Hispanien werest/ ich will dir ein eygen Contor
5 und gewelb ihngeben/ darinn soll dich niemant nit hinderen/
6 und bleib so lang bey mir/ als dir mein haußhaltung und kost
7 gefallen thuͦt/ Mir hat Got der Herr zuͦ wasser und land vil
8 glücks verliehen/ auch seer gros guͦt bescheret/ das will ich
9 mit lieben und guͦten fründen brauchen/ so lang ich leb/ Dann
10 es sol das guͦt nit mein/ sunder ich will sein herr sein/ niemant
11 hatt mir darein zuͦ reden. Ich hab doch nit mer dann ein einige
12 tochter/ bin auch sunst keiner kinder mer warten/ sie würt
13 dannocht nach meinem absterben guͦts genuͦg finden. " Daruff
14 sagt herr Richart / " Herr ir habt fürwar ein schoͤne tochter/
15 der ewig Got geb euch genad das ir sie nach ewerem wolgefallen
16 verheuraten/ O wie ein saͤliger jüngling ist der/ welchem
17 ein semliche schoͤne braut an seine arm kumen sol/ Ich sag bei
18 meiner selen/ wann mir ein solche junckfraw in Portugal zuͦ
19 einer Ehegemaheln zuͦston moͤcht/ wolt ich all mein hab und
20 guͦt in Hispanien zuͦ barem gelt machen/ und in Portugal
21 ziehen mit allem sam. " Robertus der alt kauffherr/ het mit
22 gantzem fleiß auff des jungen wort acht genumen/ er ward
23 gantz kurtz mit im zuͦ rath/ und sagt/ " O mein
24 liebster Richarde / wann ich gedencken moͤcht/ das dir in diser
25 sachen ernst were/ oder das du ein ehrliche liebe zuͦ meiner
26 tochter truͤgest/ du soltest in kurtzer zeit ein freuntliche antwort
27 von mir empfahen. " " ach herr und vatter " / sagt
28 Reichart / " wie wolt ich doch ewiglichen ein solchen bedrug
29 gegen Gott verantworten/ wann ich dem/ der mir sovil
30 guͦtthat erzeigt/ solt ein bedrug unnd die unwarheit anzeigen/
31 Ich sag also/ wann ich so guͦt binn/ das ihr mich für ein
32 tochterman haben woͤllend/ so stand ich hie und bit euch
33 durch Gottes willen umb ewer dochter/ alles das/ so einem
34 ehren mann zuͦston mag/ will ich mich allzeit befleissen/ und
35 darneben ewer dochter schon und ehrlich halten/ wie dann
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1 einem ehrlichen mann gebürt/ Darzuͦ steth mein hertz und
2 gemuͤt gaͤntzlich bey euch zuͦ bleiben und zuͦ wonen/ dann mir
3 vaͤtterliche trew von euch bewisen. " Darauff antwort Robertus /
4 "Dieweil es dann/ mein aller liebster Richarde / die meinung
5 hat/ so sey dir auff meinem theil mein dochter zuͦgesagt/ Mir
6 aber wil dannocht gebuͤren/ die muͦter und die dochter
7 darunder anzuͦsuͦchen/ damit harnach kein verwiss daraus
8 ervolgen thuͤe/ so wolt ich auch ( sie die dochter ) nit gern
9 zwingen/ das sie wider iren willen einem jüngling oder witwer
10 solt vermehelt werden/ zuͦ welchem sie keinen willen het/
11 Wiewol etliche und vil vaͤtter und muͤtern der neigung sind/
12 ihre kinder etwan von grosses guͦts wegen an ein ort wider
13 unnd über iren willen zuͦ stossen/ da sie weder gunst/ liebe
14 noch willen hin haben/ was aber zuͦ zeiten aus solcher vermaͤhlung
15 guͦts erwachset/ sicht man leider zuͦ vil wol/ ja das offt die
16 alten ir haͤnd ob den koͤpffen zuͦsamen schlagen muͤssen/ Dann
17 es nit sehr lang und noch in frischer gedechtnus ist/
18 das ein guͦter Edelman seiner toͤchteren eine versorgen/ und
19 einen alten Edelman ( der ir gar zuͦ wider was ) geben wolt/ Sie
20 aber erfuͦr die sach/ wolt der hochzeit nit warten/ Nam ires
21 vatters karchknecht zuͦr Ee/ und sovil sie mocht raum und
22 blatz haben/ packt sie irer kleider zuͦsamen/ und fuͦr mit im
23 darvon/ haben beid lang mit einander gehauset/ vil schoͤner
24 und lieber kinder sidhar gezeuget. Darumb lieber Richhart /
25 sag ich das/ damit mein tochter nit übernacht ursach hett mit
26 mir zuͦ zürnen/ wann ir etwan ein wentzig miteinander stoͤssig
27 würden/ und sie sagen moͤcht/ ich het sie gezwungen einen
28 man zuͦ nemen/ so mir ( und nit ihr ) gefallen het. " Daruff sagt
29 Richart / " Von gantzem grund meins hertzen solt mirs leid
30 sein/ Es wer gleich ewer tochter oder ein andere/ solt ich deren
31 wider iren willen vermaͤhelt werden/ Was lieber stund würden
32 wir doch bey einander haben? " Als sie nuͦn mit disen und deren
33 gleichen reden ir zeit vertriben/ bis das es umb den ymbis war/
34 da zugen sie mit einander zuͦ haus gantz froͤlich/ dann sie wol
35 vermuͦten kunden/ das die sach einen fürgang haben würd.
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1 Cassandra würdt von irem vatter unnd ihrer muͦter zuͦ red
2 gesetzt/ von wegen Richarten des jünglings/ Sie aber
3 gab gleich iren guͦten willen darzuͦ.
4 ALs bald die baiden herren zuͦ haus kumen sind/ ist das
5 morgenmal gar lustig zuͦgericht gewesen/ das haben sie mit
6 freuden und kurtzweiligem gesprech volbracht. Nach dem
7 essen hatt Robertus sein weib uff ein ort genumen/ auff solche
8 weis mit ir angefangen zu reden. " Mein aller
9 liebste Sophia / du weist das wir yetz in die fünff und zwentzig
10 jar in gantzem friden früntlich mit einander hauß gehalten/ in
11 welcher zeit uns Got in die zehen kinder beschert/ welche er
12 auch nach seinem Goͤtlichen wolgefallen/ in verstandnem
13 alter/ durch den natürlichen tod wider zuͦ seinen Goͤtlichen
14 gnaden beruͤfft und genummen/ bis an ein tochter/ welche er
15 uns seines gefallens gelassen/ mit der bißhar nit wenig freud
16 und ergetzligkeit gehabt haben/ Nuͦn sichstu/ mein aller liebste
17 Sophia / was zuͦ diser zeit für arglistiger kupler und kuplerin
18 in der welt sind/ so da schencken und gaben von andren
19 fründtschafften nemen/ manchem biderman ein kindt an ein
20 ort verkuplen/ da die aͤlteren weder gunst noch willen hin haben.
21 Nuͦn ist unser tochter schon erwachsen/ das es nit viel
22 umbsehens mer bedoͤrffen will/ darumb wer mein rhat/ wann
23 ein waidlicher gsel kem/ und iren zuͦ den ehren begert/ wolten
24 wir sie ihm geben. " Sophia antwurt/ " Ach mein Roberte / mit
25 was newen unerhoͤrten thaͤding gest du da umb/ Du hast mir
26 fürwar mit deinen worten ein eyßkalten stral durch mein
27 hertz gedrungen/ Wehe mir armen weib/ wie solt es mir doch
28 ewigklichen ergohn/ solt ich mein allerliebstes kindt von mir
29 geben/ Ich bin des gantz gewiss/ das ich vor meiner uffgesetzten
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1 und geordneten stund meinen geist muͤßte Gott dem
2 Herren auffopffern. " Darauff antwurt Robertus / " Du solt
3 dir/ mein liebe Sophia / die sach nit so hart auffnemen/ unser
4 tochter zuͦ verheuraten/ dann sie nicht destweniger bey uns
5 in unser wonung und behausung bleiben würd/ in einen weg/
6 als in den anderen/ Damit aber du die sach recht verstandest/
7 so wiss/ der Richhardus / welcher jetzund ein zeitlang
8 sein uffenthalt bey uns gehabt/ der begert ir/ hatt sich auch
9 erbotten den aller naͤchsten in Hispanien zuͦ schiffen/ sein hab
10 und guͦt/ so er darinnen hett/ alles zuͦ verkauffen/ und haraus
11 zuͦ wonen/ so anderst wir im die tochter zuͦ einer gemahel
12 geben/ so habe ich in Engeland / und uff dem schiff/ wol von
13 andren kaufleuten vernumen/ das der wechsel und handel/
14 mit dem er umbgath/ sehr gros sey/ So hat er auch gar ein
15 grosse summa/ seines eygenen gelts/ hin und wider in den
16 geselschafften ligen/ so ihm alle jar ein grosses eintreit/ Wir
17 haben auch nuͦn dalest sein wesen und geberd/ der zeit er bei
18 uns gewesen ist/ zimlich erlernet/ Darumb mein liebe Sophia /
19 woͤllest mir dein entliche meinung zuͦ verston geben/ wolt dir
20 dann mein fürschlag gefallen/ so wolten wir uns mit unser tochter
21 cassandra auch reden/ ob ir die sach anmuͤtig were oder nit.
22 Ich bin einmal des vorhabens/ ir keinen man zuͦ geben/ sie
23 habe dann ein lust zuͦ im/ und wann er gleich eines Fürsten
24 guͦt hette/ und vermoͤcht. " Als bald Sophia dise wort von irem
25 herren verstuͦnd/ huͦb ir die sach an zuͦ gelieben/ Jedoch stuͦnd
26 sie in sorgen/ Richarten moͤcht mit der zeit das hertz widerumb
27 in Hispanien ston. Darumb sagt sie/ " O mein hertz aller
28 liebster Roberte / wann nit ein sorg darauff stünd/ So bald
29 Richart die tochter von uns brecht/ moͤcht er sagen/ seiner
30 gelegenhait wer inn Portugal nit zuͦ wonen/ er wolt wider in
31 Spanien. " Darauff antwort Robertus / " Mein Sophia / desselbigen
32 solt du gar kein gedenckens haben/ die weil er all
33 seine verlaßne guͤter/ inn Hispanien verkauffen/ und zuͦ barem
34 gelt machen/ das selb hie an einem wechsel anlegen würt/ So
35 sagt er auch/ das er einen sundren lust bei uns zuͦ
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1 wonen hab. " Daruff sagt Sophia / " Wolan/ so mag ich leiden
2 das wir unser tochter Cassandra / die sach fürhalten und ir
3 guͦtduncken hoͤren/ damit wir iren willen und meinung auch
4 verston mügen. " Also bald ward die junckfraw Cassandra
5 beruͦffen/ und ward ir alle meinung des heurats halben für gehalten/
6 wie es dann oben nach der lenge anzeigt/ und in
7 summa das ichs bekuͤrtz/ Die junckfraw gantz züchtigklichen
8 anfieng zuͦ antwurten/ und sagt/ " Ir mein aller liebsten aͤlteren/
9 die ir mich so schon unnd zaͤrtlich in gar grosser liebe erzogen
10 hand/ wie moͤcht ich anderst gedencken/ dann das euch lieb
11 und ein gefallen ist/ ich geschweig zuͦ thuͦn/ darumb so setz ich
12 euch die ding gantz in eweren willen/ und gefallen/ An herr
13 Richarten dem jüngling/ habe ich gantz keinen mangel/ so
14 ferr und er euch gefallen thuͦt " / Also was es alles schon richtig/
15 und manglet nicht mer dann das Richart nit zuͦgegen was/ und
16 ein Priester so sie zuͦsamen geben. Robertus der guͦt alt herr
17 was in grossen freuden/ dieweil er sein tochter und gemahel
18 so gantz guͦtwillig funden hett/ So was fraw Sophia nit minder
19 froͤlich/ das ir tochter dermassen sich verheuraten solt/ und
20 dannocht bey ir im haus bleiben. Wie froͤlich aber Cassandra
21 gewesen sey/ gib ich einen yeden selb zuͦ erachten/ Der jüngling
22 was schoͤn/ so het er auch ein grosses guͦt/ davon Cassandra
23 nit wenig heimlich frewd an irem hertzen truͦg. Also ward die
24 sach von den alten gar dapffer getriben/ damit es bald zuͦ einer
25 hochzeit keme. So was Reicharten auch schon alle meinung
26 verkündet/ deshalben er auch gar froͤlich was.
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1 Cassandra und Richardus werden zuͦsamen vermaͤhelt/
2 würdt aber aus etlicher ursachen nit ein grosse hochzeit
3 gehalten.
4 RObertus der guͦt alt mann/ hett verschaffet/ das auff den
5 naͤchst künfftigen tag/ ein herrliche malzeit in seinem haus
6 bereit würd/ Er hatt auch in eigner person/ seine nechsten
7 freund darzuͦ beruͦffen/ doch das sie zuͦ fruͤer tagzeit erscheinen
8 solten/ dann er wolt seiner tochter Cassandra einen man geben.
9 Dise verkündung namen etliche seiner freünd/ in einem schertz
10 auff/ liessens doch eine guͦte sach sein/ dann in was unverborgen/
11 dieweil Robertus in Engelant gewesen/ was ihm ein liebe
12 schwester mit tod abgangen/ nicht desto minder/ kamen sie
13 des morgens/ gantz gehorsamlichen/ alda erkanten und sahen
14 sie erst den ernst/ dieweil sie den Priester im haus funden/
15 auch alle ding auff das zierlichest ausgebutzt/ und uffgemutzt.
16 Als sie nuͦn zuͦ samen kummen sind/ hat man entlich vom heurhat
17 angefangen zuͦ reden/ und sunderlich von dem/ das
18 Richart in Portugal und namlichen zuͦ Lisabona / sein wonung
19 haben solt/ und gar nit inn Hispanien ziehen/ sein wonung
20 darin zuͦ haben/ Es were dann sach/ das schwaͤher und schwiger
21 mit tod vergiengen/ und alsdann sein weib noch in leben
22 were/ mit guͦtem willen mit im zuͦ ziehen/ sich begeb/ sunst
23 solt er sie in keinerlay weg zwingen. Uber solche Ehberedung/
24 wurden in beywesen der früntschafft/ guͦte versicherungen
25 auffgericht/ deßgleichen des guͦts halben/ auch alles gar wol
26 versehen/ und hinder die fründtschafft gelegt/ damit man übernacht/
27 semliche schrifften wüste zuͦ finden. Also
28 wurden die zwey nach Christlicher ordnung zamen vermaͤhelet/
29 demnach ward der ymbis mit grossen freuden volbracht/ allein
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1 das gar kein seitenspiel da gebraucht ward/ Allein der ursach/
2 das dem alten herren sein schwester/ so kurtzlichen gestorben
3 was/ wie dann oben gemelt wirt/ Was aber sunst zuͦ einer kostlichen
4 malzeit gehoͤret/ daran was gar kein mangel/ es wer
5 gleich von speis oder von fremden kostlichen weinen aus allen
6 Nationen harbracht. Nach der malzeit/ als man das wasser
7 umbgeben het/ sind sie auffgestanden/ weib und mann mit
8 einander in einen schoͤnen garten spatzieren gangen/ darinn
9 sich dann die jungen maͤnner auff das essen dapffer gebraucht
10 haben/ mit ringen/ und springen/ einander dapffer geuͤbt/
11 Desgleichen mit dem ballen spiel nit gefeiret. Die alten aber
12 haben sich mit einander underredt der hochzeit halb/ in was
13 gestalt die anzuͦgreiffen wer/ wurden aber all in gemein rhaͤtig/
14 das ein kleine hochzeit solt gehalten werden/ unnd auch auff
15 das baͤldist so immer müglichen sein moͤchte. Disen rath ließ
16 im Robertus gar wol gefallen/ beschlosse also mit inen/ uff
17 den dritten tag muͤst alle ding zuͦr hochzeit bereit sein/ das
18 sich ein yeder darnach wißte zuͦ richten. Under disem begab
19 sich under den guͦten freunden ein zanck/ namlich mit den
20 steinstoͤssern/ Es hetten ir zwen ein ziel erlangt/ was aber dem
21 einen im stossen hinweg gesprungen/ darumb im dann der
22 ander gar nit gewunnen geben wolt/ so dorfft sich auch der
23 andren keiner mehr understohn/ das ziel zuͦ geweren. Reichart /
24 so dann noch seine kranckheit nit gar verdewt het/ gedacht/
25 "wann ich meiner sterck selb vertrawen doͤrfft/ ich wolt disen
26 krieg bald verrichtet haben " . Er nam den stein/ welcher
27 zimlich gros was/ und sagt/ " Ihr jungen herren und vettern/
28 wann ich euch beidsamen überlaͤg/ wolt ihr dann zuͦ friden
29 sein " / Des waren sie gantz wol zuͦ friden/ dann sie nit maineten/
30 das Reichart über ir gelegt ziel solt gestossen haben/
31 Reichart fasset den stein in forteil/ und sties in gantz geschwind
32 weit über das ziel hinaus/ da hette schon der zanck diser
33 zweyer ein end/ und ward iren genuͦg darzuͦ gespott/ " Gelt "
34 sagten die anderen/ " ir habt eweren mann funden/ so euch
35 kan unnd waißt zuͦ entschaiden/ Lieber thuͦnd ims nach. " Also
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1 huͦbend sie das ballenspiel an zuͦ spielen/ aber keiner under in
2 allen/ mochts dem Richardo vor thuͦn/ mit behendigkeit des
3 leibs/ und allen fortlen/ so man brauchen mag in dem ballen spiel.
4 Als es nuͦn umb den nachtymbis worden/ sind sie wider
5 in einer geselschafft zuͦ haus gezogen/ haben den nachtimbis
6 froͤlichen volbracht/ Demnach die fremden zuͦ haus gangen/
7 und sich yeder an sein rhuͦ gelegt.
8 Die hochzeit wirt gehalten mit grossen frewden/ aber gar
9 kein dantz oder seitenspiel gebraucht/ auch von der
10 morgengab/ so Reichart der braut sol geben/ gehandlet.
11 ALs nuͦn die drey tag verschinen sind/ haben sie die braut des
12 morgens fruͤ/ zuͦ der kirchen gefuͤrt/ darbey dann anderst
13 niemands/ dann die früntschafft gewesen ist/ alles aus oberzalter
14 ursachen. Als es nuͦn umb den ymbiss ward/ hat man sich
15 zuͦ tisch gesetzt/ froͤlich angefangen zuͦ essen und
16 drincken. Es het aber der alt Robertus ein
17 tag darvor/ alle alten hausarme leut/ so im
18 müglich sind gewesen anzuͦkumen/ beruͦffen
19 lassen/ das sie uff die hochzeit/ der gestalt erscheinen solten/
20 Des morgens fruͤ/ solten sie sich in der kirchen einmuͤtiglichen
21 versamlen/ und da Gott den Almechtigen
22 bitten/ das er disen zweien jungen menschen
23 seinen