Text 215, Ludwig Lavater: Gespenster, Zürich 1578

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Text 215

Ludwig Lavater: Von Genspaͤnsten Vnghüren / Faͤlen / vn̄ anderen wunderbarē Dingen (...) kurtzer vnd einfaltiger Bericht / gestelt durch Ludwigen Lauater Diener der Kirchen zuͦ Zürych

Zürich, 1578, Christoph Froschauer d.J., 139 Bl.
Osthochalemannisch, Zürich.
Zeitraum: V, 1578.
aufgenommen: Bl. 12r-41r, 27.
Verfasser: Ludwig Lavater, *1527 in Zürich, Theologiestudium in Straßburg, Paris und Lausanne, 1550-†1586 Pfarrer in Zürich
Drucker: Christoph Froschauer d.J., *1532 in Zürich, druckte dort 1564-†1585
Textart: Erbaulicher Text
Blatt 12 recto
1 Der erst teil dises buͦchs,
2 das Geist vnd Gspaͤnst erschynend/
3 ouch sunst vil wunderbarer
4 dingen waarlich beschaͤhind.
5
6 Das schwaͤrmuͤtig vn̅ vnsin̅ig lüt/ jnen
7 selbs vil ding ynbildend/ daran nichts ist.
8 Das erst Capitel.
9 MAn hat von yewaͤlte̅ har
10 lüt funde̅/ die nit gloubt das
11 geister od` gspaͤnst syend. Die
12 Epicurer byn Heyde̅ habend
13 alles das man daruon gesagt/ verlachet vn̅
14 für gedicht ghebt/ damit man jung vnd vnerfaren
15 lüt erschrecke. Cassius der ouch ein
16 Epicurer wz/ vnderstuͦnd ( wie Plutarchus
17 schrybt ) do jm Brutus erzalt wie er ein vnghür
18 gsaͤhe̅/ alles vff natürliche̅ vrsachen zuͦ
19 ziehen. So lißt man in Gschichten der H.
20 Apostlen am 13. cap. daß die Saduceer nit
21 gloubt habind/ dz ein vrstende der todte̅/ vn̅
22 das geister oder engel syend. Vff den hüttigen
23 tag findt man vil from̅er eerlicher lüten
24 die das so ma̅ von Gspaͤnste̅ sagt/ ouch für
25 ytel fabel werck habend/ eins teils darum̅/
26 dz jnen der dingen jr laͤbe̅ lang nichts sonders
Blatt 12 verso
1 begaͤgnet: anders teils/ vn̅ fürnemlich
2 darum̅/ daß man vor zyten die waͤlt mit falschen
3 erdichte̅ erschynungen/ wunderen vn̅
4 zeichen dermassen ergrempt/ daß sy fürhin
5 dises für erdicht ding/ oder ein falsche̅ won
6 haltend. Dem aber sye wie im woͤlle so mag
7 mancherley kundtschafft vn̅ zügnuß der
8 historien/ ouch taͤglicher erfarnuß bewaͤrt
9 vnd kundtlich gemacht werden/ daß Geister
10 vnd gspaͤnst syend vn̅ erschynind/ ouch
11 sunst vil wunderbarer dingen waarlich beschaͤhind.
12 Das ist sunst an jm selbs/ daß sich
13 vil lüt selber berede̅d/ sy saͤhind oder hoͤrind
14 Gspaͤnst/ welches allein melancholy vn̅
15 raubsucht/ bloͤdigkeit der empfindtnussen/
16 vnd forcht kompt/ oder wen̅ sy menschen/
17 thier/ dünst der erde̅/ ouch andere natürliche
18 ding saͤhend oder hoͤrend/ wie ich dz
19 hernach von stuck zuͦ stuck/ mit vilen bysple̅
20 erklaͤren wil. Ja der merteil deren dingen
21 die ma̅ gmeinlich für Gspaͤnst haltet/ sinds
22 gar nit: Noch nütdestermind` so sieht/ hoͤrt
23 vnd gspürt man die Gspaͤnst vnnd anders
24 derglychen offt vnd vil ouch.
25 Erstlich ka̅ niemand lougnen/ dan̅ dz die
26 yenige̅ so von art melancholisch/ oder sunst
27 von waͤgen grosser vnfaͤlen/ die jnen begaͤgnet/
28 schwaͤrmuͤtig vnd beküm̅eret sind/ jnen
29 selbs vil seltzam̅e vn̅ wunderbare sachen ynbilde̅d.
30 Sy bezügend etwan hoch vn̅ thür/
Blatt 13 recto
1 sy saͤhind oder hoͤrind/ dises oder yenes/ das
2 aber gar nit ist. Wie wir etwan by dene̅ erfare̅d/
3 die groß hauptwee od` andere kranckheiten
4 habend/ die znacht nit schlaaffend/ od`
5 sunst schwaͤrmuͤtig/ vnd zum teil jrer sin̅en
6 vnd vernunfft entsetzt sind. Welcher vmb
7 solche lüt ist/ muͦß jren/ wie übel sy jn erbarmend/
8 offt vnd vil lachen wen̅ sy so mit wu̅derbaren
9 vnd vngerympten gesichten/ fablen/
10 vnd stempanyen dahar kommend.
11 Aristoteles schrybt in sine̅ buͦch von wunderbare̅
12 sachen/ von eine̅ zuͦ Abydo der statt
13 Asie / der nit wol by sinnen gewaͤsen/ der sye
14 vil tag vff den schouwplatz gangen/ da ma̅
15 sunst pflaͤgt Comedien zuͦ spile̅/ vn̅ ob glych
16 kein spil ghalten/ vnd niemand vff de̅ platz
17 zuͦ gegen/ noch so satzt er sich/ schluͦg die he̅d
18 in ein anderen von froͤude̅/ frolocket als ob
19 jm das spil so wol gefiele. Hernach da er wider
20 zuͦ jm selbs kam/ zeigt er an die ga̅tz zyt/
21 do er nit by jm selbs gsin/ hette er guͦt laͤben
22 gehebt. Dann wie der spruch lutet/ Waͤr
23 wol waͤndt/ dem ist wol. Glychs meldet Horatius
24 von einem anderen vnd fürnemmen
25 man̅ zuͦ Argo / der auch vff den schouwplatz
26 gangen vnd sich glycher gstalt wie der vorig
27 gehalten/ vnnd do sine fründ jm durch
28 artzny hulffend/ was er übel mit jnnen zuͦ
29 friden/ sagt es were jm nie baß gewaͤsen
30 dann do er jm houpt also verirret.
Blatt 13 verso
1 Atheneus schrybt im 12. buͦch von einem
2 der hieß Thrasylaus / der was so verwirrt
3 im haupt/ das er nit anderst meint/ dan̅ alle
4 schiff die in Pyreo dem hafen deß meers zuͦlandtend/
5 die werind sin eigen/ er zalt die
6 schiff/ hieß die schifflüt faren/ wenn sy wider kamend
7 frolocket er/ vn̅ die ga̅tz zyt/ schrybt
8 er/ als er nit by jm selbs was/ sye jm gar wol
9 gsyn. Hernach do jm der artzet widerumb
10 gehulffen/ habe er gesprochen/ es sye jm sein
11 laͤben lang nie baß gsyn/ dann do er seiner
12 vernunfft beroubet gewaͤsen.
13 Jch hab einen gsaͤhen der hieß Joannes Leonardus Serrorius
14 /dem from̅ eerenlüt
15 die jn wol ken̅t habend/ ein guͦte zügnuß gebend/
16 der hat sich selbs beredt/ dz er wie Helias
17 der Prophet/ mit einem herrlichen wu̅derzeichen
18 von himmel erwysen woͤlte/ daß
19 vnser gloub der raͤcht gloub were. Hat auch
20 by etlichen oberkeiten angehalten/ daß man
21 die Baͤpstischen vnnd Euangelischen zuͦsammen
22 vermoͤchte/ so woͤlt er das wunderzeichen
23 thuͦn/ wo nit/ soͤlte man mit jm handle̅
24 wie man woͤlte.
25 Glychs mag man von andere̅ auch sage̅/
26 die da abkommend vnd jrer sinnen braubt
27 werdend. Etwan dardurch daß sy sich hindersin̅end/
28 als zun zyten den künstleren widerfart:
29 etwa̅ durch langwirige kranckheit/
30 durch holdschafft vnd andere faͤl: Die gond
Blatt 14 recto
1 mit seltzamen fablen vmb. Du findst einen
2 der v̈berredt sich selbs er habe horn wie ein
3 ochs/ ein anderen er sye ein yrdin gschirr/
4 gadt derhalb den lüte̅ abwaͤg daß er nit zerstossen
5 werd/ von einem soͤlchen schrybt Galenus
6 3. de locis affect. cap. 6. Etliche beredend
7 sich selbs/ sy syend tod/ etliche sy syend
8 groß fürsten vn̅ herren/ etliche sy sye̅d hochgeleerte
9 doctores/ etliche sy syend prophete̅
10 oder Apostel selbs/ vnderstond auch von zuͦkünfftigen
11 dingen wyß zuͦsagen. Man hat
12 funden die vermeint habend sy syend die lasterhafftigesten
13 lüt vff erdtrich. Sy bildend
14 jnen yn/ wie sy dises vnd yenes gesaͤhen gehoͤrt/
15 gredt/ vn̅ getho̅/ daran aber nichts ist.
16 Galenus schrybt de phreneticis in lib. de
17 sympt. diff. cap. 3. von eine̅ artzet hieß Theophilus /
18 der jn siner kranckheit sunst by guͦter
19 vernu̅fft gsyn/ aber mit gewalt yederma̅
20 habe woͤllen berede̅/ es syend trummeter jn
21 dem gmach da er kranck lag/ die lassind jm
22 weder tag noch nacht kein ruͦw/ vnd hab geheissen
23 man soͤlle sy dem huß jagen. Paulus Aegineta
24 der artzet schrybt lib. 3. cap. 16.
25 dz die so Lycanthropia die gattu̅g der toubsucht
26 ankumpt/ nachts den hüsere̅ lauffind/
27 hülind wie die woͤlff/ vn̅ sye̅d gern biß
28 es widerumb tag werde by den todte̅greberen.
29 Sunst betoͤrt der boͤß fye̅d die lüt auch
30 dz sy vermeine̅d sy syend wilde thier. Daruon
Blatt 14 verso
1 stadt bym heilige̅ Augustino Genes. ad
2 Lit. 7. cap. 11. Welche von wuͤtende̅ hunden
3 bissen werdend/ die schüchend das wasser/
4 daruo̅ diser Aegineta auch schrybt lib. 5. cap.
5 3. Etlich bellend wie die hund/ etlich schnauwend
6 vm̅ sich vnd vnderstond die lüt zbyse̅.
7 Rufus zeigt vrsach an warum̅ sy dz wasser
8 fürchtind/ namlich darum̅/ dz sy vermeine̅d
9 sy saͤhind deß hunds/ von dem sy gebissen
10 sind/ gestalt im wasser. So ist Ephialtes od`
11 Incubus ein kranckheit die man gemeinlich
12 das Schraͤttele nennet. Da vil sich selbs berede̅d
13 es trucke sy neiß war/ vn̅ verhalte jne̅
14 den mund vnd athem daß sy nit schryen moͤgind.
15 Jtem sy empfindinds vn̅ hoͤrinds vff
16 das bett hinuf/ vnd widerum̅ herab styge̅.
17 Die dan̅ zu ollen jrer sinnen vnd vernu̅fft
18 beraubet/ oder Gottes verhengknuß vo̅
19 boͤsen fyend besaͤssen werde̅d/ gond gar mit
20 selzamen possen vm̅/ sagend von vile̅ erschynungen
21 vn̅ wunderbare̅ sachen/ saͤhe̅d eins
22 für das ander an/ wie man in Spitaͤlen erfart/
23 da man soͤmlich lüt verwaret. Von Ajace
24 dem Griechen schrybt man/ es habe jm so
25 wee gethan̅/ daß die waaffen Achillis dem
26 Vlyssi mit der vrteil zuͦken̅t wurdend/ daß
27 er vo̅ sin̅en kom̅en/ habe sin schwerdt zuckt/
28 seye vnder ein herd schwynen glauffen/ vn̅
29 nit anders gewüßt/ dan̅ er schlahe mit den
30 Grieche̅. Zwey grosse mastschwyn hab er vfghenckt/
Blatt 15 recto
1 vn̅ mit geißlen gschlage̅/ vn̅ sy übel
2 geschulten. Dan̅ er hielt darfür das ein were
3 d` Agamemno̅ / so richter gsyn wz/ das ander
4 der vlysses / dem die waffen zuͦken̅t warend/
5 mit dem er insonders übel zefride̅ wz.
6 Do er wid` zuͦ jm selbs kam/ schampt er sich
7 siner vngschickten handlung in massen/ dz
8 er sich selbs vm̅bracht. Jn den vaͤldschlachte̅
9 sind etwan die kriegsknaͤcht erwildet/ daß
10 ma̅ jne̅ die gweer den hende̅ hat muͤssen
11 Braͤche̅/ daß sy die fründ für fyend gehalte̅/
12 vnd sy vnderstanden habend zuͦ schedigen.
13 Forchtsam lüt beredend sich selbs sy
14 saͤhind vnd hoͤrind vnghür/ vnd ist nichts.
15 Das ander Capitel.
16 DAs von schwaͤrmuͤtige̅/ vn̅ von dene̅
17 gesagt ist/ so jrer sinne̅ beraubet
18 sind/ das mag auch von den forchtsame̅
19 verstande̅ werde̅. Dan̅ wen̅ einer von
20 natur forchtsam ist/ oder wen̅ jn vo̅ grossen
21 gfaren waͤge̅ vn̅ sunst ein forcht vn̅ schraͤcke̅
22 ankumpt/ bildet er jm auch vil wunderbare
23 ding yn die nit sind. Die wyber die jnen gemeinlich
24 von natur mer foͤrchtend dann die
25 mann ( darumb sy der heilig Petrus / als er
26 von der pflicht der eelüten redt in siner Epistel/
27 das schwecher gschirr nen̅t ) überrede̅d
28 sich vil mee dan̅ die man̅/ sy habind dises od`
Blatt 15 verso
1 yenes gsaͤhen oder gehoͤrt. Deßglyche̅ jung
2 lüt diewyl sy jnen auch merteils übel foͤrchtend:
3 Wen̅ man von Gspaͤnsten vnd vngehüren
4 ob einem tisch redt/ doͤrffend die wyber
5 vnd kind etwan kum allein für die thür
6 hinuß gon/ foͤrchtend es begaͤgne jne̅ etwz/
7 vnd so sy etwas grümpels hoͤrend/ meine̅d
8 sy das vnghür sye hinden an jnen. Ist aber
9 nichts dan̅ ein falscher won. Ein fuler forchtsamer
10 vnd verzagter kriegsmann/ sicht deß
11 fyendts heerzüg für stercker an dan̅ er aber
12 ist: ein rusche̅d blat ( wie der Herr im gsatzt
13 sine̅ volck Jsrael troͤuwet so sy nit trüw vn̅
14 redlich an jm syn werdind ) das jagt jn: wen̅
15 er nun ein klaͤn oder spaͤcht in einem baum
16 hoͤrt bicken/ meint er der fyend seye hinden
17 an jm/ wen̅ sich in einem huß ein muß rodt/
18 so ist jm das hertz empfallen. Dargegen
19 gibt einem dapfferen redlichen kriegsman
20 deren dingen keins nichts zeschaffen. Doch
21 beschicht etwan in den fluchten/ wenn die
22 kriegslüt von den jren kommend daß auch
23 dapffer lüt waldschelig werdend/ vn̅ fründ
24 für fyend ansaͤhend/ wüssend nit wo sy sind.
25 Das bringt alles die forcht zuͦ waͤgen.
26 Plutarchus ein verruͤmpter Scrybent/
27 schrybt in sinem buͦch de Sera muminis vindicta/
28 ein wunderbare histori von einem der
29 hieß Bessus / d` hat sin eigne̅ vatter ermürt/
30 nun wußt man lange zyt nit wer das mord
Blatt 16 recto
1 gethon hat/ niema̅d zeich es den sun. Als er
2 aber vff ein zyt zuͦ eine̅ nachtmal gon wolt/
3 nam er ein stangen vnd stach ein schwalmennest
4 herab. Die soͤmlichs sahend/ strieffend
5 jn darumb/ sagtend was er die armen voͤgeli
6 zychen woͤlle ( wie man dan̅ nit gern sicht/
7 wen̅ einer die arme̅ vogel oder thier plaget:
8 dan̅ man es gmeinlich darfür hat/ es seye einer
9 ein rauwer mensch ) do sagt er/ Sy habend
10 mich lang gnúg anglogen/ sy schryend
11 yemerdar ich habe minen vatter ermürdt.
12 Die gegen warend/ verwundertend sich
13 diser red/ zeigten sy dem künig an/ der ließ
14 jn byfangen vnd fragen/ do bekannt er das
15 mord. Hie sichst was die forcht thaͤt/ die
16 schwalmen kontend nit rede̅/ noch überredt
17 er sich selbs sy sagtind er hette synen vatter
18 getoͤdt. Daß jm mancher forcht ynbildet
19 er hoͤre/ er saͤhe/ das aber nit ist.
20 Procopius schrybt im anfang siner histori
21 vo̅ Jtalische̅ krieg wider die Gothe̅ / von
22 Theodorico jrem künig ( den ma̅ gmeinlich
23 den Dieterich von Bern nennet ) nach dem
24 er die eerlichen maͤnner/ den Boetium / vnd
25 Symachum sinen schwaͤher getoͤdt/ als ma̅
26 jm̅ vff ein zyt im nachtmal ein fisch haupt fürgetragen/
27 habe er jm̅ yngebildet er saͤhe Simachi
28 angsicht/ der bisse die zaͤn in einanderen/
29 vnd saͤhe jn scheld an/ seye von grossem
30 schraͤcken in kranckheit gefallen/ vnd vnla̅g
Blatt 16 verso
1 darnach disem laͤben verscheiden.
2 Ja die forcht wo sy bym menschen überhand nimpt/
3 machet daß einer auch ab dem
4 übel erschrickt/ deß er sich traͤffe̅lich froͤuwe̅
5 solt. Wie wir ein exe̅pel in Jüngere̅ vnsers
6 Herren Jesu selbs habend/ Matth. am 14.
7 do sy vff dem see nachts in grosser wassersnot
8 warend/ erschrackend sy übel do sy den
9 Herren vff dem wassen sahend gaͤgen jnen
10 gon/ vermeintend es were ein vnghür/ fiengend
11 an grosser angst vnnd not mordio
12 schryen/ vn̅ kam aber der Herr selbs daß er
13 sy gegenwirtiger gfaar erloßte. Nach siner
14 vrstende/ do er jnen erschein mit sinem
15 waren lyb/ erschrackend sy übel/ vn̅ wie bym
16 h. Luca stadt/ meintend sy sy saͤhind einen
17 geist. Der Herr troͤstet sy/ sagt sy soͤllind sine
18 hend vnd fuͤß beschauwe̅/ dan̅ er selbs sye
19 es/ sy soͤllind jn anruͤren/ dan̅ ein geist habe
20 nit fleisch vn̅ bein wie sy saͤhind daß er habe/
21 noch kon̅tends sy von froͤuden vn̅ forcht nit
22 vo̅ stund an glaube̅. Also sichst/ dz die forcht
23 zwaͤgen bracht hat/ dz die jünger selbs de̅
24 Herre̅ für ein Gspaͤnst angsaͤhe̅. Darum̅ ist
25 kein wund`/ wen̅ wir auch forcht eins für
26 das ander ansaͤhe̅d/ vn̅ vns berede̅d wir habi̅d
27 geister gsaͤhe̅/ da es aber keine gsyn sind.
28 Welche dapffers dings vn̅ vnerschrocken
29 sind/ saͤhend vn̅ gspürend saͤlten vnghür vn̅
30 Gspaͤnst. Wie man lißt vo̅ Schytis die ein
Blatt 17 recto
1 dapffer berg_ vnd kriegsuolck gsyn sind/ von
2 welchen die Türcken jren vrsprung vnd harkommen
3 soͤllend haben/ daß sy deren dingen
4 nichts überal saͤhind oder hoͤrind. Von loͤuwen
5 schrybt man/ daß sy sich durch kein boͤggen_
6 oder butze̅werch lassind erschrecke̅. Dan̅
7 der loͤuw ist ghertzt/ dapffer/ vnerschrocken/
8 vnd ein künig vnder den vierfuͤssige̅ thieren.
9 Die ein boͤse gsicht oder ghoͤrd habend/ bildend
10 jnen auch ding yn daran nichts ist.
11 Das dritt Cap.
12 WYter wen̅ einer ein boͤse oder bloͤde
13 gesicht hat/ so sicht er auch eins für
14 das and` an. Es bschicht manch mal
15 dz einer der übersinnig ist ( wie merteils der
16 gleerte̅ die jre augen vßstudierend ) sich übel
17 schaͤme̅ wurde/ wen̅ er sage̅ vnd bekenne̅ soͤlte /
18 worfür er dises od` yenes hette angesehen/
19 also betrügt jn sin gesicht. Wenn einer zuil
20 trinckt/ dz jm̅ anfahend die augen braͤche̅/ od`
21 für den kopff vßhin pussen wie einem hassen
22 den einer ein myl zwo an einem sattelboge̅ gefuͤrt
23 hat/ so sicht er ein ding vil anderst an da̅
24 es aber an jm selbs ist. Er meint es standind
25 zwei liechter vff dem tisch/ wenn es nit mee
26 dann eins ist: er wil das glaß od` den baͤcher
27 erwütschen/ vnd gryfft darnebend. Pentheus
28 sagt in Bacchis Euripidis / er saͤhe zwo Sonnen
Blatt 17 verso
1 item zwo Thebas / dann es was jm nit
2 raͤcht jm haupt. So ist gmein wenn der wyn
3 im kopff überhand genommen vnnd meister
4 worden ist/ daß die gsellen meinend es lauffe
5 alles vmb/ die berg bewegind sich/ die boͤum
6 tantzind.
7 Der wyß Solomon vermanet in Wysen
8 sprüchen am 23. cap. mengcklichen/ daß man
9 sich vor dem laster der trunckenheit huͤte/ erzelt
10 was vnradts daruß volge/ wenn einer
11 zuil wyns zuͦ jm nem̅e. Vnder anderen worten
12 sagt er/ Dine augen werdend froͤmbde saͤhen/
13 verstand gsichten/ vnnd seltzame erschynungen.
14 Dann wie die forchtsamen jnen selzame
15 ding ynbildend/ also auch die trunckne̅
16 zapffen/ die muͦtwillig jre gsicht verderbt habend.
17 Vnd wiewol Gott der Herr in lüfften
18 vnnd vff erden vil wunder vnnd zeichen den
19 menschen zur warnung/ vn̅ daß er sy zuͦ waarer
20 buͦß reitze/ fürstelt/ nütdesterminder ist
21 wol zeachten daß die vollen possen die spat
22 von einanderen gond/ etwan sagend sy habind
23 dises vnd yenes wunderbarlich vnd erschrockenlich
24 zeichen gesaͤhen/ daran aber im
25 grund nichts ist/ dann werind sy zuͦ raͤchter
26 zyt heim gangen vn̅ hetind minder truncke̅/
27 so were jnen dises vnnd yenes nit erschinen.
28 Dan̅ jre augen hettend sich nit verkeert. Beschicht
29 nit das etwan jn einer vollen wyß einer
30 einen für den anderen ansicht/ an den er
Blatt 18 recto
1 etwas zuͦ spraͤchen hat/ vnnd von rach ynhin
2 vff jn schlecht: Das erst anzogen ort deß wysen
3 Solomons / mag auch den verstand haben/
4 Dine augen werdend froͤmbde saͤhen/
5 namlich wyber/ der selbe̅ zuͦbegaͤren/ wie sich
6 offt findt daß einer in einer wynfüchte wyber
7 vnd toͤchtern anstrengt/ welches er nit doͤrffte
8 in sin̅ nem̅en wen̅ er nuͤchter vnd laͤr were.
9 Aristoteles schrybt daß etlich von waͤgen
10 der bloͤdigkeit der gsicht/ im lufft oder naͤbel/
11 der jnen vor den augen schwaͤbt/ jre gstalt etlichermaß
12 ( on zwyfel als in einem spiegel ) saͤhind/
13 vnd beredind sich selbs/ sy saͤhind jre manes/
14 das ist/ wie wir sagend/ jren geist/ foͤrchtend
15 also jren eignen schatte̅. Wie vil bildend
16 jnen die menschen yn/ wenn sy an der tünckle
17 sind/ vnd glych nit ein stick saͤhend/ sy saͤhind
18 mancherley farwen vnd gstalten: Jtem grad
19 dem das einer sicht/ bildet jm einer etwa̅
20 seltzame wu̅derbare ding yn. So ist offe̅bar/
21 daß ma̅ einem sin gsicht wunderbarlich vergalsteren
22 kan/ dz er nit anderst vermeint dan̅
23 der verschlinde ein schwerdt/ vn̅ speütze gaͤlt/
24 maͤsser oder anders: einer esse brot/ vn̅ speütze
25 maͤl: einer trincke wyn/ vnd er gange jm zur
26 stirnen widerumb hinuß/ einer schlache dem
27 anderen den kopff ab/ vn̅ setze jm de̅ selbe̅ widerum̅
28 an/ ein güggel zühe ein trottbaum rc.
29 Demnach kan man auch durch natürliche
30 ding als roͤuch/ vnd anders zwaͤgen bringe̅/
Blatt 18 verso
1 das einer schwuͤre alle so by eine̅ tisch sitzend/
2 saͤhind als obs tod werind/ oder sy hettind
3 feine hoͤupter/ oder hettind eselskoͤpff/ ein
4 wynraͤb erstrackte sich durch das gantz gemach/
5 da es aber ein Luterer whon ist. Daruon
6 sind gantze buͤcher beschriben.
7 Ein glyche gestalt hat es mit der gehoͤrd
8 vnd anderen empfindtnussen auch/ wie von
9 der gsicht yetz ist gemaͤldet worden. So enie̅
10 die ghoͤrd verseert ist/ so bedunckt jn zun zyten
11 er hoͤre etwas susen oder prastle̅ als wen̅
12 es windete/ er hoͤre ein foür flacken/ er hoͤre
13 ein tosen der wilden waldwasseren/ oder etwan
14 lieblich gsang vn̅ seitenspil/ od` ein gloggen lüten/
15 vnd ist aber allein ein mangel der
16 gehoͤrd. Andere die by vnd vm̅ jn sind/ die an
17 der ghoͤrd kein mangel habend/ hoͤrend dere̅
18 dingen keins. Etwan hoͤrt ma̅ die ding warlich/
19 als dz die wend lut knellend/ rc. aber das
20 ist ein natürlich zeichen das sich das waͤtter
21 enderen wil.
22 Einer meint er habe etwas betastet oder
23 angeruͤrt/ das nit ist: einer der das feber hat/
24 trinckt ein liebliche̅ suͤssen wyn/ der bedunckt
25 jn bitterer dan̅ ein gall/ er ißt ein guͦte bruͤye̅/
26 da dunckt jn sy sye wed` gsaltze̅ noch gschmaltzen/
27 sy habe gar kein lieblichen mangen nit.
28 Da die schuld nit deß tra̅cks oder der spyß/
29 deß kellers oder kochs ist/ sonder der rachen
30 vnd magen deß krancken sind verseert. Also
Blatt 19 recto
1 beschicht glycher gstalt daß einer meint er saͤhe
2 vnghür/ habe es ghoͤrt/ habe es angruͤrt/
3 oder es jn/ daran aͦben so wenig ist/ noch ließ
4 er sich nit bald abreden.
5 Wen̅ nun der schraͤcken vnd die forcht/ vn̅
6 bloͤdigkeit der gsicht/ vnd anderer empfindtnussen
7 der menschen zuͦsamen schlahend/ da
8 gadt es erst wunderbarlich zuͦ. Dann die lüt
9 bildend jne̅ ein ding yn das wed` gstob noch
10 gflog/ wie wir spraͤchend/ noch so muͦß es ein
11 fart syn/ vnd lassend sich nit daruo̅ bringen/
12 sonder woͤllend raͤcht haben/ gott geb was yeder
13 man darzuͦ sage. Man lißt daß nit nun
14 bsunderbar personen/ sonder auch etwan ga̅tze
15 heerzüg also sind betrogen worden/ daß
16 sy vermeint der fyend seye vorhanden/ da er
17 aber nienen jm land gsyn ist. Daruß sind etwan
18 erschrockenliche fluchten entstanden.
19 Der Ritter Commineus schrybt im ersten
20 buͦch siner histori von hendlen vnder Ludwigen
21 künig in Franckrych dem 11. deß namens
22 verloffen/ wie hertzog Carolus von
23 Burgund vor Paryß sampt anderen Fürste̅
24 gelaͤgen/ seye jnen warnung kom̅en/ wie der
25 künig willens were/ sy deß volgenden tags
26 mit aller siner macht anzegryffen. Morndes
27 vor tag als deß Hertzoge̅ von Burgund Rüter
28 das vaͤld beritten/ habind sy vermeint sy
29 saͤhind wytnuß ein hauffen spiessen/ vnd het
30 sich deß künigs kriegsuolck der statt gelassen/
Blatt 19 verso
1 do es heiterer worde̅ vnd sy neher hinzuͦ kom̅e̅/
2 habind sy gsaͤhe̅ daß an de̅ selbigen
3 ort da sy vermeinte̅d der fye̅d hette sich gstelt/
4 vil hoher distlen warend/ die sy wytnuß für
5 spieß hatte̅d angesaͤhe̅/ wie dan̅ die nacht gar
6 truglich ist. Solt es dan̅ ein wu̅der syn/ wen̅
7 wandle̅d lüt/ so es anfacht tim̅er werde̅ oder
8 tunckel nacht ist/ etwan stein/ stude̅/ stoͤck vn̅
9 anders für Gspaͤnst vnd vnghür ansaͤhend:
10 Jm andere̅ buͦch der Künigen am 3. cap.
11 laͤsend wir/ daß die Moabiter sich nach deß
12 künigs Achabs tod von sinem sun Jora̅ abgeworffen/
13 darum̅ er de̅ künig Josaphat zuͦ
14 hilff gemanet/ wider sy mit aller siner macht
15 zuͦ vaͤld zoge̅ seye/ deß vorhabe̅s sy widerum̅
16 zur gehorsame zebringe̅. Do die Moabiter
17 soͤmlichs vernommen/ habind sy vfgemanet
18 was spieß vnd stange̅ trage̅ mocht/ vnd sich
19 zur gege̅weer grüstet. Wie aber sy die Moabiter
20 am morge̅ fruͤ vfbroche̅/ vn̅ die Son̅ vfgangen
21 vnd vff das wasser/ das Gott wunderbarlicher
22 wyß hat lassen herfür walle̅ geschine̅/
23 habind sy das wasser für bluͦt angesaͤsaͤhe̅/
24 vn̅ gesproche̅/ Die künig sind selbs vneins
25 mit einandere̅ worde̅/ vnd habind eina̅dere̅
26 geschlage̅/ vnd als sy hinzuͦ geloffen/ on
27 zwyfel on alle ordnu̅g/ die wallstatt zuͦ plündere̅/
28 do syend sy von Jsraelere̅ geschlage̅ vn̅
29 überwunde̅. Da du auch hoͤrst/ dz ein ga̅tzer
30 heerzüg/ wasser für bluͦt angesähen hat.
Blatt 20 recto
1 Vil broͤgend anderlüt das sy meinend/ sy
2 habind vughür gesaͤhen oder gehoͤrt.
3 Das 4. Capitel.
4 UBer das alles beschicht offt vn̅ vil/ dz
5 nit nun schimpffig vnnd kurtzwylig/
6 sonder auch muͦtwillig vnd boßhafft
7 lüt sich verkleide̅d vn̅ verbutze̅d/ damit sy die
8 lüt broͤgind vn̅ erschreckind. Das ist gemeinby
9 vns/ dz einer/ od` eine/ damit die kind raͤcht
10 thuͤgind/ ghorsam seyend vnd empsig arbeitind/
11 sich verkleidet vn̅ die kind broͤgt/ da sagt
12 man den kinde̅/ es sye die Stupffnaß od` muͦter
13 Klunglerin ( Die alten nen̅ends empusas,
14 lamias, mormolycias / bym Nicephoro Callisto
15 wirt die nachtfrauw Gilo genen̅et ) vnd
16 weißt das jung bluͤtli nit anderst dan̅ es seye
17 jm also/ foͤrchtend jnen offt gar übel. Wiewol
18 nit allwaͤg guͦt ist die kind also zuͦ broͤge̅/ dan̅
19 sy durch forcht vnnd schraͤcken etwan in boͤse
20 vnd schwaͤre kranckheiten fallend/ vn̅ znacht
21 im schlaaff auch vnruͤwig sind. Der wyß Solomon
22 leert/ man soͤlle die kind/ so sy vnraͤcht
23 thuͤnd/ mit der ruͦte̅ züchtige̅ vnd straaffen/
24 vnd jnen also ein schraͤcken ynstossen/ leert nit
25 daß man sy broͤgen soͤlle/ vnd sage̅/ einer oder
26 eine/ werde sy fraͤssen oder in sack stossen.
27 Etwan legend muͦtwillig gesellen tüfelskleider
28 an/ oder schlahend sunst lylachen vm̅sich/
Blatt 20 verso
1 broͤgend vnd erschreckend die lüt/ da vil
2 einfaltet lüt nit anderst wüsse̅d dan̅ der boͤß
3 geist oder sunst ein vnghür seye jnen in lyblicher
4 gstalt erschinen. Doch ist es auch nit all
5 weg sicher oder guͦt also zeschimpffen/ dann
6 es zun zyten übel vßschlecht/ wie man desse
7 exe̅pel wüssen mag. Das ist gmein wen̅ jung
8 froͤlich lüt mit einanderen wandlend/ daß sy
9 nachts an der herberg einanderen broͤgend/
10 ein seil an ein bettstud oder an die decke bindend/
11 oder vnder ein bett schlüftend/ vnnd jr
12 spil trybend/ als ob vnghür vorhande̅ were.
13 Es ist auch beschaͤhe̅/ dz jung froͤlich muͦtwillig
14 gselle̅ sich verkleidet/ vff dem kilchhof
15 getantzt/ vnd einer mit einem todtenbein vff
16 einem todtenbaum ta̅tz gmacht. Welches
17 durch etlich die es gsaͤhen/ in die gantz statt
18 erschollen ist/ daß man allenthalben für war
19 gesagt vnd glaubt hat/ man habe ein todten tantz
20 gesaͤhen/ vnnd seye übel zuͦ besorgen/ es
21 werde ein grosse pestilentz daruf volgen.
22 Wyter ist kundtpar/ daß eͦtwan huͦren vn̅
23 buͦbe̅/ vnder soͤlchem schyn jr vnuerschampt
24 vnzüchtig laͤben lang getriben/ vnd die einfalten
25 lüt jns huß vff dem won gelassen/ wie
26 in dem huß ein geist gange/ damit jren niemand
27 acht hette/ vnd sy dester komlicher zuͦ
28 vnd von einanderen wandle̅ moͤchtind/ wie
29 vnd wenn sy woͤltend. Es sind auch etwan
30 soͤlche geister ergriffen/ da sy zuͦ heimlich habend
Blatt 21 recto
1 woͤllen werden/ vn̅ offentlich geschendt
2 vnd gestraafft worden. Etwan habend ouch
3 dieben vnder disem schyn jr sach gemachet/
4 by nacht vnd naͤbel biderben lüten das jren
5 vßtragen. So man sy im huß hat gehoͤrt hin
6 vnd wider gon/ hat man gedacht/ es sye Gespaͤnst
7 vnd vnghür. Jetz wil ich von dem nit
8 sage̅/ dz der boͤß geist durch natürliche ding/
9 als der viler dingen wunderbarliche krafft
10 vnd würckung weißt/ wunder ding anrichten
11 vnd der menschen sinn betriegen kan.
12 München vnd Pfaffen habend sich für
13 Geister vnd Gspaͤnst vßgaͤben: wie Mundus
14 vnder disem schyn Paulinam / vnd Tyrannus
15 vil eerliche wyber gschendt habind.
16 Das 5. Capitel.
17 UBer das alles ist vnlaugenbar/ daß
18 etlich Pfaffen von yewaͤlten har gefunden
19 sind/ so mit wunderbaren sachen/
20 vn̅ offt mit verbotner schwartzer kunst
21 vmbgangen sind/ vnd die torecht waͤlt die guͦten
22 glauben an sy ghebt/ in vil wyß vnd waͤg
23 betoͤrdt habend/ allein daß sy vil gelts erschinden
24 moͤchtend/ oder sunst jren anfechtungen
25 dester baß nachkommen. Daruon muͤssend
26 wir allein etliche historien zuͦ bessere̅ verstand
27 vnd zur warnung einfaltiger vn̅ gottsfoͤrchtiger
28 menschen ynfuͤren.
Blatt 21 verso
1 Josephus der Gschichtschryber meldet im
2 28. buͦch von alten geschichten am 7. cap. dise
3 wunderbare geschicht/ so sich zun zyten deß
4 keysers Tiberij zuͦ Rom under der gstalt deß
5 gottsdiensts Isidis hat zuͦgetragen. Dann
6 es was zuͦ Rom ein edle from̅e eerliche/ darzuͦ
7 ryche/ junge/ schoͤne frauw/ die hieß Paulina /
8 was Saturnino einem fürnem̅en eerlichen
9 burger vermaͤchlet/ deren ward Decius Mundus
10 ein fürnemmer jüngling von
11 der Ritterschafft hold. Diewyl er aber jren
12 nit wol der vneeren zuͦmuͦten dorfft/ dann sy
13 zuͦ fürnem was/ ward er jre̅ ye lenger ye hoͤlder.
14 Verhieß jren zweyhunderttusend drachmas
15 ( Drachma Attica'& denarius Rom. vulgo
16 putantur idem esse,'& 8. cruc. Budæus æstimat )
17 das ist vngfarlich 26000. fl. nach Budæi raͤchnung/
18 wen̅ sy jm nun ein nacht zwillen wurde.
19 Vnd do sy jm soͤlichs abschluͦg/ satzt er jm
20 eigentlich für/ er woͤlte sich selbs hungers toͤden.
21 Das wußt Jde ein wunderbare listige
22 vierharterin/ die etwan deß Mundi vatters
23 dienstmagt gsyn was/ thaͤt jm ein hoffnung
24 vf/ wenn er jren nun fünfftzigtusend drachmas
25 gaͤbe/ so woͤlte sy zuͦ waͤgen bringen vnd
26 verschaffen/ daß jm die frouw muͤßte zwillen
27 werden. Der jung mann was der sach
28 traͤffenlich wol zuͦ friden. Als nun die kupplerin
29 erfuͦr/ daß die guͦt eerenfrouw mit keinem
30 guͦt noch gaͤlt zuͦ gwünnen/ darnaͤbend
Blatt 22 recto
1 aber wußt daß sy der Goͤttinen Jsidi gantz
2 ergaͤben was/ erdacht sy ein soͤlichen list. Sy
3 gieng zuͦ etlichen pfaffen der selben Goͤttinen/
4 zeigt jnen in aller stille vnd geheim an/
5 wie diser jung mann in liebe der edlen frouwen
6 gantz vnd gar entzündt/ an sy fründtlichen
7 begaͤrte/ sy woͤltind so wol thuͦn vn̅ helffen
8 daß er mit jren der liebe pflaͤgen moͤchte.
9 Verhieß hienaͤbend sy woͤlte jnen yetz also
10 bar fünff vnd zwentzig tusend/ vnd so sy die
11 sach zwaͤgen braͤchtind/ noch so vil erlegen.
12 Der gyt überwand die pfaffen/ daß sy jren
13 verhiessend/ sy woͤltind allen jren müglichen
14 flyß anwenden/ damit die sach ein fürgang
15 hette. Der eltest vnder jnen verfuͤgt sich vnuerzogenlich
16 zur Paulina / zeigt jren in geheim
17 an/ Anubis hette jn zuͦ jren gesandt/ vn̅
18 hette sy von waͤgen jrer schoͤne lieb gewunnen/
19 hiesse sy zuͦ jm kommen. Die guͦt lieb
20 frouw was der sach nit übel zefriden/ ruͦmpt
21 etlichen wyberen/ die jren gheim vnd angenaͤm
22 warend/ wie sy jirem Gott wolgefiele.
23 Zeigt jrem Eewirt an sy were zum nachtmal
24 deß Gotts gladen/ vnd daß sy an sinem bett
25 soͤlte übernacht syn. Jr mann ließ es jm dester
26 ee gefallen/ daß er wol wußt daß sy eins
27 stillen/ züchtigen/ frommen wandels was.
28 Sy gieng in tempel/ vnd nach dem nachtessen/
29 als es zyt ward daß man schlaaffen gienge/
30 ward sy durch die priester yngeschlossen.
Blatt 22 verso
1 Do wußt sy nit anderst dann Annbis waͤre
2 die gantz nacht by jren/ do was es der Mundus.
3 Der machet sich am morgen fruͤ vor tag
4 hinweg/ ee die priester vfstuͦnde̅d. Als es tag
5 ward/ kam Paulina wider zuͦ jrem Eewirt/
6 ruͤmpt jm deßglychen ire̅ basen wie Annbis
7 by jren gsyn waͤre. Sy kondtend es nit wol
8 glauben/ diewyls der sach nit glych sach/ noch
9 diewyl sy ein waarhaffte/ eersame/ züchtige
10 frauw was/ verwundertend sy sich ab jren reden.
11 Darnach über dry tag als dises vergangen
12 was/ stieß Mundus an sy auff der gassen/
13 vnd sagt zuͦ jren: Paulina du hast recht gethon/
14 das du mir die zweyhunderttusend
15 drachmas erspart/ die din eige̅ gsyn waͤrind/
16 vnd mir nütdesterminder bist zuͦ willen worden
17 Dann es ligt mir nichts daran/ daß du
18 Mundum verachtet/ diewyl mir vnder dem
19 schyn Annbis verlanget ist/ dz ich gwünscht
20 hab. Jst damit von jren gangen. Als aber
21 das wyb den bschiß vnd trug gemerckt/ hat
22 sy jr kleid zerrissen/ hat jrem Eewirt alle̅ handel
23 erzelt/ jn darby gebaͤtten/ er woͤlle die
24 groß schmaach nit vngerochen lassen. Diser
25 ist den naͤchsten für den Keiser keert/ hatt jm
26 von einem an das ander erzelt wie es ergangen.
27 Tiberius aber nach dem er alle sachen
28 flyssig vnd eigentlich erkundiget/ hat er die
29 pfaffen/ die grossen betrieger/ hencke̅ lassen/
30 deßglychen Jden die ein fürnem̅e schuld an
Blatt 23 recto
1 dem truͦg das die guͦt frauw gschendt ward.
2 Hat den tempel lassen schlyssen/ vn̅ das bild
3 Jsidis gheissen in die Tiber werffen. Mundum
4 aber hat er in das ellendt erschickt/ hatt
5 jm nit ein rühere straaff woͤllen vflegen/ diewyl
6 er vnsinniger liebe gesündet hat.
7 diser historia sicht man wol wie der
8 boͤß fyend die Heyden betoͤrt/ vnnd wie jre
9 pfaffen für geben habend/ wie die goͤtter jne̅
10 erschinen/ dises vnd yhenes mit jnen geredt/
11 daran aber nichts gsyn ist. Habend vnder
12 dem fürwelben deß gottsdiensts grosse buͦbery
13 getriben. Dann wie vil meinst ist deß
14 dings beschaͤhen/ da sy nit ergriffen/ vnd jr
15 schand nit an tag kommen ist: Habend dise
16 dem Mundo gehulffen/ daß er ein fromme
17 frauwen bschyssen moͤchte/ so werdend sy on
18 zwyfel soͤlichs selbs vil vnd dick gethon haben/
19 vnd` dem schyn der erschynung der goͤtteren/
20 sunst waͤre jnen der sin̅ nit so bald daran
21 kommen. Es waͤre auch die güt eerenfrauw
22 der sach nit so wol zuͦ friden gsyn/ wo
23 das nit mit vilen eerenwyberen vorhin gebrucht
24 waͤre worden. Jr Eeman̅ hett sy auch
25 nit lassen gon. Was habend die goͤtter der
26 betten in der kilchen bedoͤrffen/ meinst du dz
27 sy daran seyend glaͤgen:
28 Hiehar dienet gar wol/ dz Ruffinus priester
29 zuͦ Agleyen / in der history der vralten
30 Christenlichen kilchen im 22. buͦch am 25. cap.
Blatt 23 verso
1 schrybt. Die zuͦ Alexandria in Aegypten hattend
2 ein priester Saturni / der hieß Tyrannus /
3 der sagt zuͦ einem yetlichen/ der Edlen
4 vnd anderer fürnemmen lüten/ die in tempel
5 zuͦ baͤtten kamend/ wenn jm jre wyber zuͦ
6 üppigen sachen gefielend/ Saturnus hette
7 jn gheissen/ sin wyb in tempel zuͦschicken daß
8 sy darinnen übernacht blibe. Da ein yeder
9 der soͤmlichs hort/ sich froͤuwt/ daß jr gott
10 ( ja abgott ) so wol an jren was/ und sy wirdig
11 achtet/ sy zuͦ jm zuͦberuͤffen. Sy ziertend
12 jre wyber kostlich/ gabend jnen auch schenckinen
13 ( damit wen̅ sy mit laͤren henden kemind/
14 nit widerumb heimgeschickt oder verstossen
15 wurdind ) vnnd schicktends also in den tempel.
16 So man sy/ daß yederman zuͦsach/ darin̅
17 beschlossen hat/ beschloß Tyrannus die thüren/
18 gab die schlüssel von jm/ vnnd zog hinweg.
19 Demnach kroch er in der stille durch ein
20 heimlichen gang/ vnder der erde̅ in das bild
21 Saturni. Dises bild was hinnen zuͦhin offen/
22 vnnd flyssig an die wand genaglet. Jn
23 dem wenn die kertzen im tempel brunnend/
24 vnnd die wyber jr gebaͤtt mit grossem ernst
25 vnd andacht vollbrachtend/ so fieng er vnuersaͤhenlichen
26 an/ durch das bild das eerin vnd
27 hol was/ reden/ also daß das arm wyb von
28 forcht vnd froͤuden/ anhuͦb zitteren/ daß der
29 groß gott ( ja abgott ) sy wirdig geachtet mit
30 jren zuͦ reden. Nach dem aber der vnrein abgott
Blatt 24 recto
1 mit jren geredt hat was er nun wolt/ sy
2 in groͤssere forcht zuͦbringen/ oder zuͦ üppigkeit
3 zuͦ reitzen so bracht er mit künsten zwaͤgen/
4 daß alle liechter von stund an erloschtend:
5 dann er etwas darüber zoch. Demnach
6 gieng er hinab/ vnd verbracht sinen boͤsen
7 muͦtwillen mit dem wyb/ das er vorhin
8 erschreckt hat/ vnnd mit vnreinen reden betoͤrt.
9 Als er dises ein guͦte zyt mit der arbeitsaͤligen
10 lüten eeren wyberen getriben/ begab
11 sich daß ein wyb die schamhafft vnnd züchtig
12 was/ ein abschühen ab soͤlicher thaat hat/
13 aller dingen eigentlich gewaret/ kandt den
14 Tyrannum an der stim̅/ kam heim vnd zeigt
15 jrem Eewirt an/ wie es ein schandtlicher betrug
16 were. Diser ward erzürnt daß sinem
17 wyb/ ja jm/ ein soͤliche schmaach widerfaren
18 were/ legt disen Tyrannum in gfencknuß vn̅
19 folteret jn. Als er aber bekanntlich was/ daß
20 er mit buͤbery vnnd betrug vmbgangen were/
21 wurdend alle geschlaͤcht der Heyden geschendt.
22 Dann die muͤteren hattend eebruch/
23 die vaͤtter bluͦtschanden begangen/ die kind
24 wurdend für bastarden gehalten. Wie nun
25 dises vßkam vnd offenbar ward/ hat
26 man vnuerzogenlich das
27 bild vn̅ den tempel
28 hinweg gethon/
29 rc.
Blatt 24 verso
1 Die vier Prediger München zuͦ Berg
2 habend vil falscher erschynungen gemacht.
3 Das 6. Capitel.
4 ES waͤre aber lydenlich/ wen̅ dise ding
5 allein in der Heydenschafft fürgangen/
6 wo sy nit auch vnder den Christe̅
7 selbs vil mal beschaͤhen waͤrind/ vnd noch als
8 übel zuͦ besorgen etwan beschaͤhind. Dan̅ es
9 weißt Gott vnnd d` waͤlt/ daß vil vnder den
10 München vnd pfaffen schwartzkünstler/ tüfelbschweerer
11 vnd signer gsyn/ die Gspaͤnst
12 vnd vil wunder vnd zeichen wol habend moͤgen
13 anrichte̅. Hie kan ich nit vnderlassen ein
14 wenig so vil zuͦ disem handel dienstlich ynzefuͤren/
15 die traͤffenlich history von denen vier
16 Prediger münche̅ die zuͦ Bern in Vchtland
17 jm jar von Christi geburt 1509. am letste̅ tag
18 Meyens sind verbrennt worden/ was grosser
19 obenthür vn̅ boßheit sy mit einem ordensbruͦder
20 getriben/ daruon selbiger zyt Latinische
21 vnnd Tütsche buͤcher jm Truck vßgangen/
22 noch vorhanden sind. Es was ein grosser
23 zwytracht zwüschend den Prediger_ vnd
24 Barfuͤsser münchen von waͤgen der Empfengknuß
25 d` heiligen Jungkfrauwen Marie.
26 Die Prediger vermeintend sy waͤre wie
27 andere menschen in der erbsünd empfange̅.
28 Die Barfuͤsser hieltend sy waͤre on erbsünd
Blatt 25 recto
1 empfangen. Vnd kamend so hefftig an einanderen/
2 daß die Prediger münch jnen fürnamend
3 jr meinung mit falschen wunderzeichen
4 zuͦ bestaͤte̅: radtschlagtend in einem Capitel
5 zuͦ Wümpffen / wo sy ein komliche̅ platz
6 darzuͦ moͤchtend finden/ Bern gfiel jnen am
7 basten. Hieruf namend vier die fürnemsten
8 Predigermünch der obseruantz zuͦ Bern die
9 sach an die hand. Vnd diewyl der Supprior
10 der vieren einer mit der schwartzen kunst
11 kondt/ bschwuͦrend sy den tüfel/ der beradtschlaget
12 sich mit jnen/ wie man die sach fügklich
13 angryffen moͤchte/ vnd verhieß jnen zuͦ
14 jrem fürnem̅en behulffen zesyn/ mit dem geding
15 dz sy sich an jn ergaͤbind/ welches sy als
16 bald thettend/ vnnd verschribend sich desse
17 mit jrem eignen bluͦt. Jn disem ward Hans Jezer
18 ein einfalter mensch/ jn jren orden vfgenom̅en/
19 der beduͦcht sy zuͦ disem jrem fürnemmen
20 dienstlich/ probiertend jn anfangs
21 mit steinwerffen by naͤchtlicher wyl/ mit rumplen
22 vnd geberden als ob es ein geist waͤre.
23 Der handel schickt sich zum anfang nit übel.
24 An einem frytag verbutzt sich der Supprior
25 in ein lylachen/ kam mit sampt anderen geisteren
26 darzuͦ von jm bschworen/ als ein geist
27 so der hilff begaͤrt/ mit grosser vngestuͤmigkeit
28 in deß bruͦders zaͤll/ daryn sy jm daruor
29 wychwasser vnd heiligthumb geben hatte̅d.
30 Der bruͦder erschrack übel/ sagt er koͤndte jm
Blatt 25 verso
1 nit helffen/ befalch jn hiemit Gott vnd siner
2 lieben muͦter. Der geist sagt/ er vnd sine bruͤder
3 moͤchtend jm wol helffen/ wen̅ er sich acht
4 tag nach einanderen einest mit ruͦten striche
5 biß vffs bluͦt/ vnd jm acht Maͤssen jn S. johans Capell
6 liese laͤsen/ vnnd darhinder mit
7 zerthonen arme̅ lege. Zeigt jm an/ er wurde
8 den volgenden frytag vor mittnacht wider kommen
9 mit grosser vngstuͤmigkeit/ aber er
10 soͤlte sich das nit irren lassen/ dann die tüfel
11 moͤchtend jm als einem heiligen man̅ nichts
12 schaden. Der torecht mensch zeigt morndes
13 den rechten bickelmeisteren allen handel an/
14 mit bitt sy woͤltind jm behulffen syn/ daß die
15 arm seel moͤchte erloͤßt werden. Bald sagt
16 man jn der gantzen statt von disen sachen.
17 Der Laͤßmeister fieng an offentlich daruon
18 predigen/ ruͦmpt wie ein saͤlig waͤsen jn jrer
19 Obseruantz waͤre/ welches man joch darby
20 spüren moͤchte/ daß diser geist by jnen/ nit
21 byn verruͦchten/ truncknen Barfuͦsseren hilff
22 vnd trost suͦchte. Vmb versprochne zyt kam
23 der falsch geist/ sampt anderen boͤsen geisteren/
24 mit grossem sturm in deß bruͦders Zaͤll/
25 der fieng jn an beschweeren vnd etlicher stucken
26 halben fragen. Der geist erzalt waͤr er
27 waͤre/ vnnd was vrsachen er also plaget
28 wurde. Dancket jm vnd sinen vaͤtteren/ daß
29 sy sich sinen in trüwen angenommen/ maͤldet
30 darby/ wenn sy jm nach dryssig Maͤssen
Blatt 26 recto
1 laͤsind/ vier Vigilien hieltind/ vnnd sich der
2 bruͦder noch einist striche biß jm das bluͦt nahin gienge/
3 so wurde er der grossen pyn/
4 die er nun 160. jar erlitten hette/ gar erloͤßt.
5 Under vil mee wunderbar sachen redt er mit
6 jm/ nit not hie der lenge nach zuͦ maͤlde̅. Darnach
7 erschein der falsch geist dem bruͦder wider/
8 lobet den Prediger Orden über alle andere/
9 zeigt an daß dere̅ vil die sich disem Orden
10 widersetzt/ tieff im faͤgfhür sessind. Es
11 wurde ouch die statt Bern vndergon/ wenn
12 sy die Barfuͦsser nit vertribind/ vnd die pensionen
13 so sy jaͤrlich vom künig in franckrych
14 hettend nit vfsagtind. Maͤldet ouch etliche
15 stuck die dem bruͦder begaͤgnet warend/ die
16 sy vorhin in der bycht jm trottet hattend.
17 Dancket hiemit de̅ bruͦder vmb sin erloͤsung/
18 gab für er kaͤme in den sibenden Chor der Englen/
19 daselbst woͤlte er ouch Maͤß laͤsen für
20 sine guͦtthaͤter.
21 Darnach einer anderen nacht kam ein anderer
22 jn wysser frauwen kleidung/ zeiget an/
23 er waͤr Sant Barbara deren er flyssig gedienet/
24 vnd wurde jm vnser frauw erschynen/
25 vnd vff die fragstuck antwort geben/ die jm
26 der Laͤßmeister vorhin an einem brieff gebe̅
27 hat/ dise falsche Barbara nam den brieff/
28 sagt sy woͤlte jn der Jungkfrauwen Maria
29 bringen/ man wurde jn bald wunderbarlich
30 gezeichnet/ widerumb an einer heiligen statt
Blatt 26 verso
1 finden. Der bruͦder zeigt soͤmlichs sinen vaͤtteren
2 an/ begaͤrt zebychten/ sich der erschynung
3 Marie wirdig zemachen/ hieß den
4 brieff an einer heiligen statt suͦchen/ also fundend
5 sy jn nach langem im Sacramenthüßly/
6 dahin sy jn vorhin mit flyß gelegt hatte̅d/
7 truͦgend jn vff den Fronaltar/ gabend für/ er
8 waͤre mit dem bluͦt Christi besiglet/ vnnd die
9 liechter hettend sich selbs anzündt. Da es
10 mettenzyt was/ erschein die falsch Maria de̅
11 bruͦder/ sagt vil daß Jesus jr kind jren befolhen
12 jm anzezeigen. Wie Bapst Julius der
13 heilig mann waͤre/ der die zwen orden widerumb
14 vereinbaren/ vnd das faͤst der befleckten
15 empfengknuß Marie wurde vfrichten.
16 Dan̅ sy woͤlte disem Bapst ein crütz mit vier
17 bluͦtstropffen jres Suns bezeichnet/ zur anzeigung
18 daß sy in erbsünd empfangen/ zuͦschicken.
19 Noch ein crütz mit fünff bluͦtstropffen
20 bezeichnet/ wurde man im Sacramenthüßlin
21 finden/ das soͤlte man gen Rom fertigen/
22 so wurde es der Bapst mit grossem abloß
23 bestaͤten/ vnd widerumb gen Bern schicken:
24 anders der glychen mee/ daruon vil hin
25 vnd wider gesagt vnd geschriben ward. Dise
26 falsche Maria truckt zur zügnuß gemaͤlter
27 dingen dem bruͦder ein ysennagel durch sin
28 hand/ sagt die wunden wurde jm am karfrytag
29 vnd fronlychnams tag jres Sons/ ernüweret
30 werde̅. Darnach machtend sy ein wasser
Blatt 27 recto
1 durch zaubery/ das jm alle sine sinn hinnam/
2 vnd etztend jm die anderen vier wunden
3 vf/ gabend hernach ( do er wider zuͦ jm
4 selbs kam ) für/ wie etwas heiligs by jm gesehen
5 waͤre. Do das gloͤuff groß ward den nüwen
6 herrgott zuͦ saͤhe̅/ vnderrichtetend sy jn/
7 wie er sich vor den lüten soͤlte stelle̅. Gabend
8 jm ein tranck yn/ daruon er schumet zeigte̅d
9 an/ er runge grosser andacht/ wie Christus
10 am oͤlberg/ mit dem tod. Vber das alles
11 erschein jm der Laͤßmeister/ treib vil wort/
12 daß den bruͦder wolt anfahen beduncken/ es
13 gieng nit recht zuͦ/ gab jm die vßwysung.
14 Der volgende̅ nacht erschein der Prior/ sagt
15 er waͤre Maria / an deren er vor gezwyflet
16 hette/ vnd damit er kein argwon hette/ soͤlte
17 er den fronlychnam jres suns ( bot jm ein geferbte
18 hostia ) hinnem̅en/ daß er fürhin glaubte/
19 daß er kein Gspaͤnst waͤre. Bracht jm ouch
20 ein gleßlin voll bluͤts jres suns/ damit sy jn
21 vnnd das Closter begabete ( sy verhofftend
22 dadurch ein grosse wallfart vfzerichte̅. ) Der
23 bruͦder dem dise erschynung argwoͤnig wz/
24 antwortet/ Bist kein Gespaͤnst/ so baͤtt mit
25 mir das Vatter vnser/ vnd Aue Maria. Do
26 baͤttet der Prior das Vatter vnser/ darnach
27 sprach er an statt Marie / Gegruͤßt bin ich
28 Maria / voller gnade̅/ Der Herr ist mit mir/
29 rc. Der bruͦder kan̅t jn an der stimm/ er zuckt
30 ein maͤsser/ stach den Prior in ein schenckel/
Blatt 27 verso
1 und als sich der Prior zweer stalt/ wolt er wyter
2 an jn hin/ aber da er den ernst sach/ macht
3 er sich hinweg. Vff soͤmlichs verhofft der
4 Supprior/ er woͤlt alles dz widerumb zuͦ eeren
5 bringen so die zwen verhoͤnt hattend/ erschein
6 dem bruͦder als ob er S. Catharina vo̅ Senis
7 waͤre/ strieff den bruͦder daß er sich so
8 vnfründelich gegen Maria gehalten/ sagt/
9 ich sol dir verkünden daß du die rechte̅ wunden
10 Christi an dinen lyb hast/ die weder ich
11 noch Franciscus hab/ mit mer worten/ aber
12 der bruͦder stalt sich gegen jm in massen/ daß
13 er fro was daß er sich hinweg machen solt.
14 Wie nun der bruͦder sich nit mee wolt aͤffen
15 lassen vnd jr narr syn warend die Münch in
16 grossen aͤngsten/ stiessend die koͤpff zuͦsamen/
17 vnd nach gehebtem radt bekanntend sy dem
18 bruͦder/ es waͤre nit on/ sy hettind etliche falsche
19 erschynungen gemachet/ keiner andere̅
20 meinung/ dann daß sy jn in sinem andacht
21 behieltind/ doch waͤr die hauptsach an jr selber
22 grecht/ soͤlte nit zwyflen/ dann daß er die
23 wunden von Gott hette. Vn̅ diewyl die sach
24 so wyt under die waͤlt erschollen/ soͤlte er nit
25 erst hinder sich traͤtte̅/ sunst wurde er nit nun
26 den Orden schenden/ sonder sich selbs vnd sy
27 all in groß lyden vnd not bringen/ blybe er
28 aber bestendig/ so wurde das jm vnd jnen zuͦ
29 sonderem nutz erschiessen. Brachtend mit guͦten
30 worten so vil zewaͤgen/ daß er sich wyter
Blatt 28 recto
1 zuͦ jrem boͤsen fürnemmen bruchen ließ.
2 Vff soͤmlichs satztend sy jn knüwend/ nach
3 langer vnderrichtung/ vff vnser Frauwe̅ Altar/
4 in einer Capell für ein Marien bild. Do
5 stuͦnd der Laͤßmeister hinder einem fürha̅g/
6 redt durch ein ror/ als ob er Christus waͤre
7 zuͦ Maria: Muͦter warumb weinest/ hab ich
8 dir nit versproche̅/ was du woͤllest das muͤsse
9 geschaͤhen: Antwortet das bild: Jch weinen
10 darumb/ daß diser sach nit ein vßtrag
11 wirt gemachet. Do sprach das bild Christi:
12 Gloub muͦter sy wirt geoffenbaret. Jn dem
13 verstal sich der Laͤßmeister der Capell/
14 vnd beschloß sy zuͦ. Dise ding wurdend von
15 etlichen alten muͤterlinen allenthalben in der
16 statt vßgespreitet/ daß von stundan ein grosser
17 zuͦlauff ward. Die vier Münch lüffend
18 ouch ylentz dahaͤr/ thaͤtend derglychen ob sy
19 niener von nichts wüßtind/ hiessend die Capell
20 vfthuͦn/ fragtend den bruͦder wie er dahin
21 kommen waͤre. Er sagt/ er waͤre in sinem
22 andacht vo̅ geist dahin verzuckt. Wyter zeiget
23 er an/ wie das bild geredt hette/ vnd wie
24 er nit ab der statt kommen moͤchte/ es kemind
25 dan̅ die vier obersten deß Radts/ mit denen
26 er zereden hette/ vnd man gaͤbe jm dann zuͦuor
27 das heilig Sacrament. Die selbe̅ Radtsherren
28 wurdend beschickt/ der bruͦder zeigt
29 jnen an/ vnser Frauw beweinete der statt vndergang/
30 darum̅ daß sy pensionen naͤmind/
Blatt 28 verso
1 vnd die Barfuͦsser/ die jren ein erdichte eer
2 von der vnbefleckten empfengknuß zuͦlegtend/
3 nit der statt verwisind. Die Radtsherren
4 sagtend nit vil darzuͦ. Jn soͤlchem brachtend
5 die München dem bruͦder ein geferwte
6 oder vergiffte hostia/ die wolt er nit empfahen/
7 do brachtend sy jm ein andere/ die empfieng
8 er/ vnd ward mithin mit der proceß in
9 Chor gefuͤrt. Der bruͦder vnd die vier München
10 wurdend für ein Eersamen Radt beschickt/
11 da sy die ding alle bestaͤtigetend. Die
12 vier aber besorgtend übel der bruͦder/ diewyl
13 er jnen nit vertruwte/ wurde der schuͦl
14 schwaͤtzen/ vnderstuͦndend jn deßhalb vmbzebringe̅/
15 vergifftend jm etliche mal die spyß/
16 stiessend jm mit gwalt ein vergiffte hostia in̅
17 halß/ die wid` von jm schoß/ plagtend jn auch
18 in ander waͤg dermassen/ daß er dem Closter
19 entlüff/ vnd mengklichem die sachen offenbaret.
20 Hiezwüschend schickt der Orden
21 zwen botten gen Rom / bestaͤtigung verloffner
22 sachen vom Bapst zuͦerlange̅/ damit niemand
23 darwider reden doͤrffte. Als die selben
24 wider kamend vnnd ein guͦte hoffnung hattend/
25 die sach waͤre behauptet/ ließ ein Eersamer
26 Radt die vier München gefengklich
27 annemmen vnd verwaren. Dann sy vorhin
28 den bruͦder in gfengknuß aller dingen erkundiget
29 hattend. Ein Eersamer Radt ließ sich
30 kein kosten muͤy noch arbeit beduren/ schickt
Blatt 29 recto
1 auch ein botschafft gen Rom / damit man ab
2 der sach keme. Nach lange̅ wurdend/ die vier
3 Münch vnd der bruͦder aller stucke̅ halb pynlich
4 gfraget/ vnd als sy der selben bekan̅tlich/
5 wurde̅ds erlaubnuß deß Bapsts degradiert/
6 vnd volgends verbren̅t. Gmeinlich achtet
7 man/ wo ein Eersamer wyser Radt der
8 statt Bern nit so dapffer vnnd ernstlich hette
9 angehalten/ were von den geistlichen/ disen
10 München etlicher gstalt gescheiden worden/
11 vnd jr grosse buͤbery vertüscht. Dann München
12 vnnd Pfaffen übel bsorgen muͦßtend/ sy
13 wurdind nach soͤlchen sachen/ wie dan̅ beschehen
14 ist/ vil glaubens verlieren/ vnnd nit mer
15 jn soͤlchem ansaͤhen syn wie bißhar.
16 Es ist auch gwüß/ daß noch dem vn̅ diser
17 falsch der Prediger münchen vßbrochen/ vn̅
18 man jnen in die kunstkammer kom̅en ist/ der
19 geistlichen sachen überal habend anfahen hincken/
20 vnd sind by vilen from̅en gottsfoͤrchtigen
21 lüten ye laͤnger ye verdaͤchtiger worden/
22 als daß sy fürgebe̅d wie diser od` yener geist
23 by jnen hilff vnnd trost gesuͦcht/ daß sich die
24 kertzen selbs anzündt/ daß dises oder jenes
25 bild geredt/ geweinet/ ab eine̅ ort an das ander
26 gangen/ daß diser oder yener helig die
27 Gottshüser mit kostliche̅ helthum̅ vereeret/
28 daß die krütz oder anders mit dem bluͦt Christi
29 besprengt/ ob man glych darüber Baͤpstische
30 fryheit vn̅ bestaͤtigung vßgebracht hatt/
Blatt 29 verso
1 hat man es nit mer styff woͤllen glauben. Jte̅
2 daß diser oder yener andaͤchtiger vatter im
3 geist verzuckt/ vil wunderbarer sachen gesaͤhen/
4 daß Fra̅ciscus oder Catharina von Senis
5 die wunde̅ Christi an jre̅ lyb gehebt. Wyter
6 hat ma̅ nit vnbillich anfahen zwyflen an
7 dem das von verwandlu̅g deß brots in lychnam
8 Christi ist disputiert worden/ diewyl sy
9 die hostien offt vergifftet. Deßglychen an de̅
10 daß vom abloß/ von der bycht/ vo̅ vigilie̅/ oͤrden/
11 faͤgfhür/ wychwasser/ wallferten/ buͦssen
12 ist fürgaͤben worden/ diewyl diser historia
13 offenbar ist/ daß sy dem gemeinen mann vil
14 von denen dingen fürgaͤben/ das aber im
15 grund nit gsyn ist.
16 Falscher geist zuͦ Orliens in Franckrych.
17 Das 7. Capitel.
18 HJehar dienet gar wol die history die
19 Joan. Sleidanus bschrybt im 9. buͦch
20 siner Chronica am 3. cap. von einem
21 geist den die Barfuͦsser angerichtet/ daß niemand
22 meine die Prediger münch syend allein
23 so verruͦcht gsyn. Als man zalt von vnsers
24 Herren Christi geburt 1534. jar/ habend die
25 Barfuͦsser zuͦ Orliens in Franckrych ein wunderbar
26 spil angefangen. Deß Stattuogts
27 oder Schultheissen frauw in der selben statt/
28 hat in jrem Testament befolhen/ daß man sy
Blatt 30 recto
1 on allen pomp vnd pracht zuͦ grab tragen soͤlte:
2 ( Wie auch Wilhelmus Budeus ein überuß
3 geleerter vnd fürnemmer mann zuͦ Pariß
4 Anno 1540. im Augusto/ als er sterben
5 wolt/ den sinen befolhen hat. ) Jr Eemann/
6 diewyl jm die frauw lieb was/ wolt jren letsten
7 willen nit braͤchen/ gab den Barfuͦssere̅/
8 in welcher kilchen sy zuͦ jrem vatter vnd großvatter
9 begraben ward/ zuͦ einer vereeru̅g 6.
10 guldin/ wiewol sy sich einer besseren büt versaͤhen
11 hettend. Als er darnach ein wald vßhüw
12 vnd das holtz verkaufft/ batend sy jn/ dz
13 er so wol taͤtte vn̅ jnen holtz daruß schanckte/
14 das schluͦg er jne̅ ab/ welches sy gar übel verdroß.
15 Vn̅ diewyl sy jm vorhin nit günstig warend/
16 suͦchtend sy staͤg vnd waͤg wie sy sich an
17 jm raͤchen moͤchtind/ gabend deßhalb für/ sin
18 wyb were in ewigkeit verlore̅ vn̅ verdampt.
19 Die raͤchten redlifuͤrer oder hauptsaͤcher dises
20 spils warend Colimannus vnd Stephanus von Arres
21 /beid doctores der heiligen
22 gschrifft. Vnder welchen Colimannus ein tüfelbschweerer
23 was/ vnd alle rüstung die man
24 darzuͦ brucht/ by handen hat. Den handel
25 aber griffend sy also an. Sy verstiessend ein
26 jungen münch der erst nüwlich angestanden
27 was/ vff das gewelb der kilchen. Diser richtet
28 zuͦ mitternacht als die andere̅ in die mette
29 kom̅en ware̅d ein groß getüm̅el an. Also fiengend
30 sy jn glych an zuͦ beschweeren/ er aber
Blatt 30 verso
1 redt nichts. Sy hiessend jn ein zeichen gebe̅/
2 darby ma̅ spüre̅ moͤchte/ ob er ein stum̅ender
3 geist were oder nit. Do hat er widerum̅ angefangen
4 rumplen/ welches an statt eines zeichens
5 was. Wie nun diser grund gelegt wz/
6 sind sy zuͦ etlichen fürnem̅en burgere̅/ die jne̅
7 nit vngünstig warend gangen/ habend jnen
8 anzeigt/ es sye jnen etwas schwaͤrs vnd grosses
9 in jrem Gottshuß begegnet/ sagte̅d aber
10 nit was es were/ sonder batend sy allein/ daß
11 sy nachts in die mette kom̅en woͤltind
12 Als sy nun kamend/ vn̅ das gebaͤtt angfangen/
13 hat der jüngling vff dem gwelb anfahe̅
14 rumplen. Wie man jn fragt/ was er begaͤrte/
15 vnd wer er were/ zeigt er an/ er doͤrffte nit reden.
16 Da hieß man jn/ er soͤlte durch zeichen
17 vff die fragstuck die man jm fürhalten wurde/
18 antwortem. Sy hattend aber ein loch gemachet/
19 dardurch er/ wenn er loset/ die stim̅
20 deß tüfelbschweerers hoͤren vnnd verston
21 mocht. Demnach so hat er ein tafel oder braͤtlin
22 in der hand/ daran er schluͦg vnd klopffet
23 wenn er gefraget ward/ das man es danide̅
24 hoͤren mocht. Also fraget man in zu̅ erste̅/ ob
25 er deren einer were die hie begraben legend.
26 Vnd noch dem man vil noch einanderen genennet/
27 die daselbst begraben warend/ ward
28 zuͦletst deß Stattuogts oder Schultheissen
29 frauw auch benamset. Do gab er ein zeiche̅/
30 er were der selben geist. Do fragtend sy wyter/
Blatt 31 recto
1 ob er verdampt wer/ vn̅ was er verschuldet
2 hette/ ob er vmb gyts/ üppigkeit/ hoffart
3 willen/ oder von deß waͤgen daß er die Christenlich
4 liebe nit erzeigt/ oder von der nüwen
5 kaͤtzery oder deß Lutherthum̅s willen bschaͤhen
6 were/ vnd was er mit diser vnruͦw vnd
7 rumplen meinte: Ob man den lyb so in das
8 gwycht gelegt/ wider vßgraben vnnd an ein
9 and` ort legen soͤllte: Vff soͤlches alles hat er/
10 wie er vndericht gsyn/ durch zeichen geantwortet/
11 mit welchen er ja oder nein anzeiget/
12 noch dem er zwey oder drü mal an der tafele̅
13 klopffet. Als er aber zuͦ verston gab das die
14 vrsach siner verda̅nuß die Luterisch kaͤtzery
15 were/ vnd man jren lyb widerum̅ vßgraben
16 soͤlte/ habend die münch an die burger/ so sy
17 zuͦ jnen gnom̅en/ begaͤrt/ sy woͤltend disen sachen
18 die sy selbs gesaͤhen vnd gehoͤrt zügnuß
19 gaͤben/ vnd dise handlu̅g so sich vergangner
20 tagen erloffen hat bestaͤtigen. Als sy sich aber
21 mit einandere̅ desse vnd`redt vnd beradtschlaget/
22 damit sy den Stattuogt nit erzürnen/
23 oder jnen selbs vnruͦw machen muͤßtend/ habend
24 sy es nit thuͦn woͤllen. Die münch aber
25 habend nütdesterminder das Sacrament
26 sampt allem heiligthuͦm̅ an ein ander ort getragen/
27 vnd daselbs Maͤß gehalten. Als nun
28 deß Bischoffs Official desse ist in̅en worde̅/
29 damit er allen handel dester eigentlicher verston
30 moͤcht/ ist er selbs mit etlichen eerlichen
Blatt 31 verso
1 lüten dahin kom̅en/ hatt befolhe̅ man soͤlle in
2 siner gegenwirtigkeit den geist beschweere̅.
3 Deßglychen soͤlle man etlich ordnen die vff
4 das gwelb gangind vnd bsaͤhind ob auch ein
5 gespaͤnst erschyne. Aber Stephanus von Arres
6 ist haͤfftig darwider gsyn/ sagt man soͤlte
7 den geist nit betruͤben oder verwilden. Vnd
8 obglych der Official ernstlich anhielt/ daß
9 man den geist soͤlte beschweere̅/ hat ers doch
10 nienen hin moͤgen bringen. Hierzwüschend
11 ist der Stattuogt/ noch dem er den übrigen
12 Radtsherre̅ anzeigt hat was zethuͦn seye/ zuͦ
13 dem künig gezogen/ vnnd hat jm allen handel
14 erzelt. Diewyl sich aber die münchen jrer
15 fryheiten vnnd alten haͤrkommens trostend/
16 vnd nit über die sach gericht vnd raͤcht woltend
17 gon lassen/ hatt der künig etlich dem
18 Parlament von Paryß verordnet/ die in
19 der sach ein vrteil sprechen vnnd vollen gewalt
20 darinnen zuͦ handlen haben soltend. Dises
21 hat jm auch Anthonius Pratensis der
22 Cantzler Cardinal vnnd Baͤpstlich legat in
23 Franckrych gefallen lassen. Als nun die münchen
24 kein vßzug mer in der sach hattend/ sind
25 sy gen Paryß gefuͤrt worden/ vnd daselbst gezwungen
26 antwort zegaͤbe̅. Man mocht aber
27 nichts jnen bringen. Sy wurdend all besonders
28 verwaret. Den jüngling bhielt man
29 in eines Radtsherren huß Fumeus genan̅t/
30 vnd fragt jn offt/ aber er wolt nichts bekennen/
Blatt 32 recto
1 dan̅ er bsorgt er wurd hernach von münchen
2 getoͤdt werden/ als der den Orden geschendt
3 hette. Do jm aber die Richter verhiessend/
4 es soͤlte jm kein leid von münche̅ beschaͤhen/
5 vnd muͦßte nit mer in jren gewalt kommen/
6 hatt er den gantzen handel wie er sich
7 verloffen ordenlich noch einanderen erzelt.
8 Darnach als man jn zuͦ den anderen fuͦrt/ ist
9 er aller dingen bekanntlich gesyn/ yene aber/
10 wiewol sy überwunden/ vnnd als vil als an der
11 that ergriffen/ verwarffend sy doch den
12 Richter/ vn̅ beruͦfftend sich vff jre priuilegien
13 vnd fryheiten. Aber es was vergaͤbens/ dan̅
14 es ward mit einhaͤlliger vrteil erken̅t/ dz man
15 sy widerumb gen Orliens soͤlte fuͤre̅/ daselbst
16 in gefengknuß legen/ vnd darnach offentlich
17 in die fürnemst kilchen/ deßglychen vff den
18 platz der statt stellen/ da man pflaͤgt die übel thaͤter
19 zestraaffen/ damit sy jr mißthaat selbs
20 offe̅tlich bekan̅tind. Ebe̅ zuͦ diser zyt sind die
21 Luterischen/ wie man sy nen̅t/ verfolget worden/
22 welches ein vrsach was/ daß diser vrteil
23 nie statt beschach. Dan̅ diewyl der Luterisch
24 nam̅ gar verhaßt/ besorgtend sy wen̅ man etwas
25 schwaͤrs wider die Ordenslüt fürneme/
26 hettend sy es glych verdient/ so wurde doch
27 der gantz Orden dardurch geschmaͤcht/ vnd
28 was man jnen für ein straff anthaͤtte/ so wurde
29 man den Luterischen ein froͤud angwünnen.
30 Der Barfuͦsser Orden aber wirt bym gemeinen
Blatt 32 verso
1 mann gar für ein heiligen stand gehalten.
2 Wie man sy also zuͦ Paryß verurteilt
3 hat/ vnnd wider gen Orliens fuͦrt / habend
4 etliche wyber grossem mitlyden/ mit weinen
5 vnd klagen sy biß zum thor beleitet. Vnd
6 wie man sy gen Orliens bracht/ hat man widerumb
7 ein yetlichen in ein bsundere gfengknuß
8 gelegt/ do habend sy widerumb vff jre
9 fryheiten getrungen/ vnnd zuͦ letst noch langer
10 gfencknuß ist jnen kein wyter leid beschaͤhen/
11 sonder sind fry ledig vßgangen. Die zyt
12 als sy gefangen gelaͤgen/ habend sy keinen
13 mangel gehebt/ weder an spyß noch tranck/
14 fürbitt/ noch anderen dingen/ da fürnemlich
15 die wyber jr best gethon habend. Es was
16 die gemein sag/ wo nit die verfolgung vnnd
17 das verbraͤnnen der Euangelischen soͤlchs
18 verhindert/ seye deß künigs endtliche meinu̅g
19 gsyn/ daß er jr Kloster vff den bode̅ hab
20 woͤlle̅ abschlysse̅ lassen. Dz ist aber ein history
21 die da anzeigt/ daß nit allwaͤgen geister gehoͤrt
22 werdind/ da man es glych also für gibt.
23 Von einem Pfarrer zuͦ Claͤuen der sich
24 für die heilig Jungkfrauw Mariam / vnd
25 einem anderen/ der sich für ein seel vßgaͤbe̅.
26 Das 8. Cap.
Blatt 33 recto
1 DEsse zuͦ vollkomnere̅ bericht/ muͦß
2 ich auch ein andere history ynfuͤren
3 vo̅ eine̅ pfaffen die ein jar on gefaar
4 vor obgemaͤlter beschaͤhen ist/ vnnd von Johansen Stumpffen
5 in siner Chronica am 10.
6 buͦch am 8. cap. kurtz/ aber warhafftig beschriben
7 wirt/ wie vil eerenlüt noch in laͤben desse
8 koͤn̅end guͦte kundtschafft gaͤbe̅. Ein pfarrer
9 zuͦ Claͤuen ( ist ein statt oder flaͤcke̅ nit wyt ob
10 dem Chumer see gelaͤge̅/ den dryen Pündten
11 zuͦghoͤrig ) der ist in liebe eines schoͤne̅ züchtigen
12 toͤchterlins eines burgers daselbst/ entzündt
13 worden/ ist jm offt wen̅ es für die statt
14 zuͦ sines vatters milchtrog gangen/ nachgefolget/
15 vnnd hat jm zuͦgemütet daß es jm zuͦ
16 willen wurde. Welches jm das toͤchterlin abgeschlage̅.
17 Zuͦ letst hat diser pfarrer ein blaw
18 tuͦch mit guldinen sternen der kilchen genom̅en/
19 sich damit bedeckt/ die arm vn̅ schenckel
20 bloß besprengt/ vnd sich vor der statt verborge̅/
21 ist dem toͤchterlin abermals vnerkan̅t
22 begegnet/ mit einem wyssen dünnen tuͦch sin
23 angesicht verhenckt/ vnd sich gege̅ dem toͤchterlin
24 für Maria die muͦter Gotts vßgebe̅/
25 vil gesagt was grossen jamers über die statt
26 Claͤuen in kurtzem gon werde von waͤgen
27 deß Luterische̅ glaubens: ( dan̅ er sunst auch
28 ernstlich wider die Luterischen geprediget )
29 hat dem maͤgetli vil befolhen der statt zuͦ verkünden
30 von fyren/ fasten/ baͤten/ rc. Auch vnder
Blatt 33 verso
1 anderem erinneret/ wie es villicht offtermals
2 hieuor an disem ort von einer heiligen
3 person vmb etwas gebaͤten/ welches es bißhar
4 abgeschlagen hab/ das soͤlle es aber fürhin
5 nit mer abschlahen/ sonder der selbigen
6 person zuͦ willen werde̅/ so werde es ein kind
7 der eewigen saͤligkeit. Doch soͤlle es zuͦ disem
8 letsten stuck still schwyge̅. Bald hatt das guͦt
9 toͤchterlin die gantz statt erfüllet/ wie jm vnsere
10 liebe frauw erschine̅/ vn̅ was sy der statt
11 verkündt habe/ vff das die ynwoner sich erken̅t
12 habend/ forcht deß künfftigen übels
13 dry tag zefyre̅. Darzwüschend ist das toraͤchtig
14 maͤgetlin dem verruͦchten mann zuͦ wille̅
15 worden/ hat vermeint Gott damit zuͦ diene̅.
16 Diser falsch vnd betrug ist vnlang darnach
17 Gottes schickung offenbar/ vnd der elle̅d
18 mensch zum ersten raͤchtlich enthauptet/ darnach
19 zuͦ aͤschen verbrennt worden.
20 Der hochgeleert Erasmus von Roteroda̅
21 schrybt im 22. buͦch siner epistlen am 854. blat/
22 ein brieff an einen Bischoff/ darin̅en er sich etlicher
23 stucken halbe̅ die er in warnungs wyß
24 fürgehalten/ entschuldiget/ vnd vnder anderem/
25 als er auch der wandlenden geister oder
26 seele̅ gedenckt/ schrybt er volge̅de history. Es
27 sye ein pfarren gsyn/ by de̅ habe sin ( deß pfarrens )
28 nahe baß ein rych wyb gewonet/ vmb
29 mitte nacht habe er/ der pfarrer/ ein lylachen
30 oder sunst ein wyß tuͦch vmb sich geschlagen/
Blatt 34 recto
1 sye in jr kam̅er geschlichen/ vnd habe sich nit
2 anderst gstelt dan̅ als ob er ein geist oder seel
3 were/ habe sich etlicher dingen lassen merke̅/
4 in hoffnung das wyb wurde ein Exorcista̅/
5 das ist/ ein bschweerer beschicken/ od` jn selbs
6 frage̅ vnd mit jm rede̅. Sy aber