Text 133, Handschrift Pillenreuth Mystik, Nürnberg 1463

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Text 133

Eine neue Quelle für die Kenntnis des mystischen Lebens im Kloster Pillenreuth. (Untersuchungen und Texte)

Elvira Langen (Hrsg.). Diss., Heidelberg, 1960, 227 S.
Ostfraenkisch (Nuernberg), Kloster Pillenreuth/Nürnberg.
Zeitraum: III, 1463.
aufgenommen: vollständig.
Vorlage: Abschriften von mystischen Texten versch. Meister aus zwei Jh.
Schreiber: 3 Schreiberinnen
Textart: Erbaulicher Text
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1 sneid ist an geseczt an dy wurczen, schaw, wy ym der heilig
2 lerer furcht vmb lug vnd vmb betrilichkait. Vil mer sol wir
3 vns furchten vmb hoffart, geytigkait, vnkeuß vnd vmb all
4 poßhait. Dar vmb so sol wir albeg sein in einem puswertigen
5 leben, wan dy zeit ist kurcz, als daz redt der czwelfpot.
6 Vil pesser ist, das der mensch hie ein wenig leid, wan darnach
7 ewigklichen in trubsal vnd liden, an alle parmherczikait,
8 wan der lerer Ambrosius spricht: Es ist vil pesser zw
9 leiden ein clayne pitterkait an den lipsen, dan ein ewige
10 pein inwendig an dem goderm, wan daz gancz leben des menschen
11 ist kurcz von der kinthait
12 piß in daz leczt alter. Wen Adam noch hewt lebet vnd heint
13 sterben wer, was hulffen in dy langen tag, so er dy nicht
14 nuczlich verczert het? Ganz nichtz Was ist nu, das der mensch
15 lebet hundert jar oder lenger, so dy leczte zeit chumpt, so
16 ist im nur dester wirser. Wan got nur dester mer hat zw
17 uerrayten, so doch tausent iar sein vor den augen des herren
18 als der tag, der gester vergangen ist, als daz red Dauid
19 in psalm vnd anderß wo mer spricht: Ir gedechtnuß zerget
20 als der glocken don. O wye gar hart stirbt der mensch, der
21 long in wollust gelebt hat. O wye hat er so gar ein herte
22 raytung, daz er sein tag so vnnuczlich
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1 verczert hat. Dar vmb so eyl ein yeczlicher zw puswertigkait
2 daz nicht vber in der her chom vnd find in vnberait. Wan als
3 der lerer Heinrich von Hessen spricht, daz ein andechtiger
4 man hat ainsten gehort von einer sel ein jemerlich clag
5 vnd geschray, vnd so er fragt, waz daz wer, wart im geantwurt:
6 Ich pin ein sel eins verdampten menschen vnd weclag
7 mein vnselig verdampnuß. Vnd do er fragt von der pein, antwort
8 dy sel, daz vnter allen pein der verdampten menschen
9 am aller maist peynigt dy verdampten, daz sy ir zeit, dy in
10 got verlihen hat, vnnuczlich verczert haben, so sy doch
11 in ayner claynen czeit hieten mugen pussen ir sund vnd
12 erledigt werden
13 von dem hellischen pein. Aus den allen ist offenbar, wy dy
14 wetrachtung des tods bringt den menschen zw puswertigkait.
15 Vnd das von dem ersten stuck vor gemelt, wy gut ist
16 zw wetrachten den tod von dreyer vrsach wegen, als vor gemelt
17 ist vns. Zw dem andern, was not ist ze wissen
18 ainem, der do chumpt an sein leczte zeit, vnd das er wol
19 sterben chun: Auff das antwort, daz pey den krancken, dy nu
20 zw dem tod arbaiten, vier ding not sein zw wissen, da mit
21 man sy vnterweist vnd in ret, wy sy sich halten sullen: Zw
22 dem ersten ist im not zw wissen, wy sie sich halten
23 sullen in mancher anfechtung, dy sye haben weren
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1 von den posen geisten. Zw dem andern mancherlay frag, dy man
2 in thun sol. Zw dem dritten mancherlay vnterweysung. Zw
3 dem vierden vil ermanung, daz sy sich keren zw got vnd zw
4 seinen heiligen. Von der anfechtung des posen geistes ist
5 zw mercken, daz funfferlay anfechtungen des posen geistes
6 sein, da mit er anficht dy krancken an dem leczten ende.
7 Zw dem ersten: wider den gelauben mit vil vngelauben.
8 Zw dem andern: wider dy hoffnung mit verczweifeln. Zw
9 dem dritten: mit vngedult wider dy lieb. Zw dem vierden: mit
10 gaistlicher hoffart. Zw dem funfften: mit weib, kinden,
11 frewnten vnd czeitlichen gut. Dy erst anfechtung des posen
12 geistes ist durch vil dinck, dy da sein wider den gelauben
13 wan der tewfel wol waiß, daz an den gelauben nymant hailwertig
14 werden mag, wan der gelaub ist ein gruntfest aller
15 tugent, als das schreibt sant Pauls in seiner epistel. Darvmb
16 so thut der tewfel fleiß aus all sein chrefften, daz er
17 den menschen abbend von dem gelauben zw sein leczten
18 zeiten mit mancherlay vngelauben, dy etwen der mensch
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1 pflegen oder gehort, vnd gibt ym ein: O het ich mir den
2 seng oder daz ding gethun, so wurd ich gesunt oder des
3 geleich. Nemlich ficht er in an in dem cristenlichen gelauben
4 in allen artikeln vnd strenglich mit dem hochwirdigen
5 sacrament des leichnam Jesu Christi vnd thuet das, so der
6 mensch nicht wol reden mag vnd rat vnd hilff pflegen. Mag
7 er den menschen nicht gewenten von dem gelauben gancz, so
8 thut er doch fleiß, daz er in pring in ein zweyfelung in
9 etlichen stucken des gelauben. Vnd so er ains erlangt, vnd der
10 mensch darynne erstirbt, so ist er ewiglich verdampt. Darvmb
11 so sol man wider dy anfechtung ein soͤlche ercznei haben,
12 daz man den krancken erman, daz er an allen czweiffel gelaub,
13 daz da gelaubt dy heilig cristenlich kirch, der gelaub
14 genugsam bewert ist durch
15 dy heiligen geschreifft vnd durch grosse wunderwerch, dy Christus
16 vnd al sein heiligen gethan haben, daz doch nicht moͤcht
17 sein, er wer dan vnser gelaub worhafftig vnd gerecht, wie
18 auch offt pey dem sacrament pluet auff der paten erschinen
19 sein, von der czweifelhafftigen wegen, etwan auch in gestalt
20 eines fingers mit fleisch vnd mit plut, als von Gregorio
21 von wegen einer czwyfelhaftigen frawen, vnd die toten
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1 erweckt sein von dem tod durch vnsern gelauben. Also sol
2 man den krancken chrefftigklich anschreyen, daz er mit nicht
3 gelaub dem posen geist, wan er ist ein lugner, vnd wolt den
4 menschen geren verfuren. In dem so hat ein yeczlicher mensch
5 ein trost, daz ym der teufel nichcz geschaden mag, er geb ym
6 den wedecktiglich sein willen darzw. Wan, so der mensch
7 sein vernunfft verleust, so mag ym der teufel nymer schaden,
8 wan er mag nymer mer sunden. Pey dem so raten dy lerer, daz
9 gut sey, pey den krancken zw iren leczten zeiten zw sprechen
10 den gelauben mit lauter stym, vnd offt widervmb anheben
11 vnd sprechen, daz da durch der kranck westet werd in dem
12 gelauben, vnd dy teufel, dy daz nicht gehoren mugen, hin getriben
13 werden. Auch gut ist zw sprechen der engelisch
14 gruß, daz Aue Maria,
15 da durch sich vnser hail angehebt hat, vnd daz auch ser misuelt
16 den posen geisten. Dy ander anfechtung ist verczweyfelung
17 wider dy hoffnung, dy ein yczlicher mensch sol haben zw
18 dem ewigen leben. Wan so der mensch wirt mit grossen smerczen
19 gepeynigt an seynen leczten zeiten, so ist da der pose
20 geist vnd mert ym sein smerczen an alle parmherczikait. Vnd
21 so er dan den menschen nicht hat mugen vberwinden in dem
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1 gelauben, als vor gemelt ist, so hebt er an mit fleiß, wy er
2 in mug pringen dar czw, daz er verczweifel an sein sunden.
3 Dan so helt er ym fur vil sund, dy er than hat vnd vil
4 guter werck, dy er versaumpt hat vnd getan solt
5 haben, nemlich so helt er ym fur dy sund, dy er all sein tag
6 nye gepeicht hat: In solcher maß dich hilfft dein gelaub
7 nicht, wan du hast der sund nye gepeicht, darvmb so must
8 du verdampt werden. Dan so ist dy ercznei, das der kranck ermant
9 werd durch yemant, der pey ym sey oder durch sich selbs,
10 daz er in chain weg verczweifel vnd ob er all morderey, dyberey,
11 vnkewschrey vnd wucher verpracht het, dy all menschen
12 von annefanck der welt gethan haben, vnd dy selbigen
13 nye gepeicht noch gepust het, dennoch so sol der mensch
14 nicht verczweifeln, wan got ist parmherczig und wil
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1 nicht mer haben von dem menschen, als lang sein vernunfft
2 wert, dan daz der mensch wol thun mag. Also wil er zw der
3 selbigen zeit nicht mer haben, dan ein rechte rew. Daz ist so
4 vil, daz dem menschen laid sein al sein sund, dy ym furchoͤmen
5 vnd ander sund, darvmb daz sy wider got sein, der so gutig
6 vnd so parmherczig ist vnd dapey hab ein ganczen willen, ob
7 ym got wolt fristen sein leben, daz er chain todsund
8 nymmer mer tuen wolt vnd on als verczihen, nach allem seinen
9 vermugen, allen menschen genug thun, dy er gelaidigt hat mit
10 worten oder mit wercken. So dan der mensch also in einem
11 solchen
12 willen vnd wesen stirbt, so ist gut hoffnung in der worhait,
13 daz er sey ein kint des ewigen leben. Wan als der lerer
14 schreibt: Chain sund ist, da mit got mer gelaidigt wirt, dan
15 mit der verczweifflung. Vnd solt eyn mensch schon verdampt
16 werden vnd west daz, noch sol er nicht verzweiffeln, dy
17 weil er lebt hye auff erden vnd sein vernunfft hat. Gedenck
18 ein mensch an vil groß sunder, dye got der her parmherczigklich
19 hat auffgenumen: Petrum, der vnsern herren verlauget,
20 Paulum, der dy cristenheit hat verecht, Matheum, den zolner,
21 Mariam Magdalenam, den offenwaren sunder in dem tempel,
22 Maria von egipten, dy offenbarn sunderin,
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1 den grossen, sweren sunder, den kunig Manasses, der do was ein
2 aptgottreyer vnd dy propheten todten ließ zw Jerusalem, also
3 das das plut zw den toͤren außfloß, vnd doch al kumen sein
4 zw dem ewigen leben, vnd vil ander groß, swer sunder, dy zw genaden
5 kumen sein. Aus dem ein ytlicher mensch wesunder
6 trost vnd hoffnung nemen mag, das er in kainer sund verczweiffeln
7 sol, wan got ist mensch worden vnd hat geliden
8 den tod fur dy sunder, vnd Maria ist worden ein muter gotes,
9 des suns, von der sunder wegen, dorvmb sy kain sunder versmecht,
10 sunder sy in allen hilfft, dy sy mit andacht anruffen.
11 Dy dritt anfechtung des posen geistes ist vngedult wider dy
12 gotlich lieb, da durch wir got lieb haben sullen vber alle
13 ding in geluckselikait vnd in widerwertigkait. Wan so der
14 poß geist den menschen nit vberwinden mag durch irsal vnd
15 czweifel in dem glauben vnd durch czweiffel in den sunden,
16 so hebt er den menschen an zw fechten mit vngeduld in
17 der kranckheit, daraus offt der mensch murmelt wider got
18 in seinem herczen, so sich zw den leczten zeiten dy
19 smerczen vnd wetag so fast meren, wan sich dy sel sol abschaiden
20 von dem leib, vnd durch solche muͤrmelum vnd vngedult
21 der mensch verleust dy gotlich lieb, ob er sy gehabt
22 hat. Wider dy vngedult ist ein
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1 solche ercznei, daz er gedenck, daz er daz als rechtlich leid
2 vmb sein sund. Darvmb der lerer Hugo spricht: der do rechtlich
3 gepeynigt wirt vnd ist vngeduldig, der ist ein gesel des
4 schachers, der dem herren an der lincken seyten hyeng. Der aber
5 rechtlich gepeynigt wirt vnd ist gedultig, der ist ein gesel
6 des schachers, der dem herren an der rechten seyten
7 hieng. Der aber vnpillich leidt vnd ist geduldig, der hat geselschafft
8 mit Christo dem herren. Der aber seinen aygen
9 willen nochvolgt in geluckselikait vnd in widerwertigkait,
10 der ist aynig mit dem teufel, der in dem himel nicht
11 mocht sein vnter got, sunder seines
12 aygen willen. Darvmb so ist er gestossen in den grunt der
13 hell. Aus dem so ist offenbar, daz dy vngedult gar schedlich
14 ist den krancken, wan sy ym kain nucz nicht pringt vnd nur
15 schaden an leib vnd an sel, wan sy dy kranckhait nur mert
16 vnd auch dy sund, herwiderum dy gedult mindert den smerczen
17 vnd mert daz verdinen zw got. Daz hat wol angesehen
18 der heilig lerer sand Augustin, der do sprach: Her, hy haw
19 mich, hye verwunt mich vnd hie peynig mich, daz du dort
20 mein ewigklich schonest. Da pey ist zw mercken, daz nicht albeg
21 daz haist vngedult, so der mensch schreit we, oder
22 clagt sein wetagen, wan daz selbig ist menschlich, sunder dan
23 so ist vngedult, wen der mensch ein vnwillen
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1 hat in der kranckhait vnd maint, er leid vnpillich vnd strebt
2 also wider den willen gocz. So aber der mensch redt oder
3 clagt: O almechtiger got, ist es dein will, so erloß mich von
4 der kranckhait, wildu aber, daz ich damit sol pussen mein
5 sund, so geschech dein gotlicher will, das ist dem menschen
6 verdienlich zw got vnd schat ym nicht, ob er do pey schreyet:
7 we, we, we. Dye vierd anfechtung ist ein geistlich hoffart, wan
8 so der teufel den menschen nit vberwinden mag, weder mit
9 verczweiflung an dem glauben, noch an den sunden, noch mit vngedult,
10 so hebt er an mit ayner geistlichen hoffart, daz
11 der mensch von ym selber
12 gedenckt: du pist vest im gelauben, in der hoffnung vnd in der
13 lieb, du pist geduldig vnd hast vil gucz getan vnd vil verdinet,
14 du pist nu sicher des ewigen leben, du hast es wol verdint.
15 Wider dy hoffart ist ein solche ercznei, so der mensch
16 wirt angefochten mit solicher hoffart, daz er gedenckt an sein
17 aigne plodigkait vnd wye vil sund er gethan hab wider
18 got vnd darvmb so ist er nicht gewiß, waz got mit ym wurcken
19 wil, wy wol er vestigklich hoffnung haben sol, daz got in
20 nicht verlaß durch sein parmherczigkait, vnd gedenck alzo: hab
21 ich nu etwas gucz gethan, daz hab ich allain durch dy
22 hilff gocz tan, an der ich
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1 nichcz gucz volpringen han mugen. Dar vmb waz mir got mit genaden
2 mittaildt, daz hab ich als auß seiner genaden vnd
3 parmherczikait, dy da wil kain sunder nicht verlassen, so er
4 tut, waz an ym ist. Also, ye mer der mensch erhebt wirt in
5 hoffart, ye mer sol er sich ernidern in dyemutigkeit, albeg
6 mit fester hoffnung. Dye funfft anfechtung ist von auswendigen
7 creaturen, wan so der tewfel den menschen mit den
8 vorgenanten anfechtung nicht vberwinden mag, so hebt er an zw fechten
9 werntlichen menschen mit weib vnd auch frewnten, mit
10 dem czeitlichen gut, also daz der kranck gedenck: wye wirt
11 dein weib,
12 dein kinden, dein gut geschehen, du hast sy nicht recht versehen
13 ,als du schuldig pist. Sye weren kumen vmb ir gut. Du solt
14 sye also versorgt haben, oder daz solltest du dahin geschafft
15 haben, wan dein vater oder freunt, von dem du daz gut
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1 hast, haben es vnrechtlich gewunen vnd vil ander selczam
2 weg. So nu der kranck nymmer reden mag, daz er gancz vergist
3 seiner sel hail, wider dy anfechtung ist dy ercznei, daz der
4 mensch, der do wol sicher sterben wil, gancz auslaß zw
5 seinen leczten czeiten als czeitlich gut, weib, kinder vnd
6 freunt, vnd allain got den herren beuelch. Als der her
7 spricht in dem ewangely: der mer lib hat vater oder kinder,
8 bruder, swester dan
9 mich, der ist mein nicht wirdig vnd mag nicht sein mein junger.
10 Vnd spricht auch mer, der da nicht hast sein vater, sein
11 mutter, weib, kinder, bruder, swester vnd nicht widersagt
12 allem czeitlichem gut, der mag nicht sein meyn junger. Wa
13 aber sol einer hassen vater vnd muter, weib, kinder?
14 Spricht die gloß: Wir sollen sy lieb haben nach der person,
15 oder wir sullen sy hassen in dem, daz sy vns irren an vnser
16 sel hail. Aus dem ist offenbar, wie gar schedlich
17 daz ist, so der mensch sein geschefft auff dy leczten czeit
18 vnd etwen daz vnrecht vnd vbrig gut ynne wehelt auff daz
19 leczt, gleicher weiß, als scholt er wider auff sten von
20 der kranckhait vnd wolt
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1 es lenger wehalten. Als dan daz schreibt der Gerson, daz es
2 schedlich sey, wan zw seinen leczten czeiten, so nu der kranck
3 solt vnd wolt peichten vnd pussen sein sund, so gibt ym
4 daz czeitlich gut, weib vnd kinder, so vil zw schaffen, wy er
5 daz ornet vnd schaffet, daz er gancz vergist seiner seel
6 hayl vnd kain rechte rew vmb sein sund nicht hat, noch rechte
7 peicht. Pey dem ist zw mercken, daz got der her dem menschen
8 trew ist, als daz redt der zwelfpot Pauls, wan er
9 kain menschen lest mer angefochten werden, dan er vermag,
10 sunder tut ym hilff vnd peystand, daz er wol tuen mag,
11 wan der tewfel den
12 menschen an der seel nicht schaden mag, dan er verheng ym
13 sein willen. Er mag auch den menschen nicht noten zw sunden,
14 er geb dan sein willen wedachtigklich darzw. Aus dem allen
15 mag der mensch erchennen, wy sich der mensch halten sol
16 zw sein leczten zeiten, in mancherlay anfechtung des posen
17 geistes, daz er nicht vberwunden werd. Vnd daz ist ein
18 yeczlichem nucz vnd zw wissen, wan der poß feint ist listig
19 vnd thut grossen fleiß, so der mensch sterben sol. Dar vmb
20 dyen der mensch got fleissigklich, so hilfft er ym an czweiffel
21 trewlich vnd auch sein heiligen
22 Von dem andern stuck, als wegen mancherlay frag, dy man sol
23 tuen den krancken zw iren leczten zeiten. Wye man fragen sol
24 dy krancken lernt kurczlich der lerer Anshelmus, auch Augustinus
25 vnd trefflich der lerer Gerson in etlichen stucken,
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1 hernach geschriben. Zw dem ersten sol man fragen den
2 krancken, ob er wolt leben vnd sterben in aynem rechten cristenlichen
3 gelauben, als ein gehorsamer cristenlicher vnd romischen
4 kirchen zwgehort, vnd dan so sol der kranck antworten:
5 Ja, ich wil also ersterben. Anders er nympt dy sacrament zw
6 seiner seel verdampnuß. Also sprech man dornach
7 zw dem krancken: Gelaubstu Jhesum Cristum, gotes sun vnd Marie
8 der junckfrawen, von dein wegen gestorben ist vnd grosse swere
9 marter von dein wegen geliden hat? Gelaubstu auch, daz du
10 anders nicht dan nur durch seinen tod hailwertig werden
11 magst? Sagstu ym auch danck darvmb auß ganczem deinem
12 herczen? So sprech er: Ja. Furpas sprech man zw dem krancken:
13 Secz al dein trost in den tod Christi vnd weuilch dich ym
14 gancz, vnd ob dir fur gehalten wurd dein verdampnuß, so weschirm
15 dich allain durch den tod Cristi deines herren vnd
16 hab ein ganczen willen, dich
17 zw veraynen mit seinem willen vnd ganczer hoffnung, so wirt
18 er dich tailhafftig machen seiner pitter marter, vnd du allain
19 durch sein verdien selig wirst, wan an daz verdinen
20 Cristi wer dein verdinen gancz nichcz. Man sol auch fragen:
21 Gelaubstu aber alle artikel des cristenlichen glauben vnd
22 widersagst allem irsal vnd aller keczerey vnd allem vngelauben,
23 der do ausgeschlagen ist von der heiligen cristenlichen
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1 kirchen vnd irer ler? Vnd frewest dich, daz du sterben
2 solt in aynem cristenlichen gelauben vnd in der gehorsam
3 der heiligen romischen kirchen? So sprech er: Ja. Zw dem
4 andern mal
5 frag man den krancken: Bekenstu, daz du got den herren vil
6 vnd mancherlay weiß gelaydigt hast mit deinen sunden vnd
7 wegerst von ym genad vnd parmherczikait, daz er dir all dein
8 sund vergeb, wan sy dir laid sein, darvmb, daz du wider got getan
9 hast, der so gutig ist vnd dir groß genad vnd parmherczikait
10 hat mittailt? Hastu auch ein ganczen willen vnd
11 fursacz, furpas dein leben zw pessern vnd nymer got leydigen
12 mit dein sunden? So antwort der kranck: Ja, mir ist layd,
13 daz ich ye all mein tag got gelaidigt mit mein sunden vnd daz
14 ich mein zeit so vbel verczert hab vnd pit genad vnd parmherczigkait
15
16 von got, daz er mir genedig sey durch sein heilig marter
17 vnd mein sund vergeb, vnd wil mich mit der gocz hilff hin
18 fur huten vor allem vbel, daz wider got sey. Zw dem dritten
19 mal frag man den krancken: Hastu nicht nach deiner gewissen
20 ein todsund, der du nicht gepeicht hast, so sag sy, wan
21 got will dir all dein sund vergeben parmherczigklich. Wegerstu
22 auch von got, daz er dir dein hercz erleucht, daz du erkenst
23 all dein vergessne sund vnd dy du aus vnwissenhait verpracht
24 hast vnd woͤllest sy geren peichten, so du sie erkennest? Dan
25 so sprecht der kranck aus ganczem herczen: Ja.
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1 Zw dem vierden mal so frag man den krancken alzo: Wegerstu,
2 daz dir all dy sund vergeben, dy du gelaidigt hast? Vnd vergibstu
3 auch aus ganczem deinem herczen den, dy dich gelaidigt
4 haben mit worten oder wercken? So sprech er dan
5 "ja " aus ganczem seinem herczen. Zw dem funfften frag man den
6 krancken, ob er berait sey, mit ganczem willen allen den
7 genung zw thun, dy er ye all sein tag gelaidigt hat, mit
8 worten oder mit wercken, an leib oder an gut odir eren
9 vnrechtlich, als ver du daz thun magst. Es sol auch der
10 krancke also geschickt sein, vnd moͤcht es anders nicht
11 gesein, daz er genug teͤt, so wolt er ee als seins gutes
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10 noch durch gocz willen, daz sy etwan vil vnrechtlich eingenummen
11 haben, daraus in kumpt dy ewig verdampnuß. Darvmb
12 ist zw mercken, daz dy krancken sein zw erman in vier stucken.
13 Das erst, daz sy fleissigklich erforschen ir leben, wye sy wider
14 got gesunt haben vnd durch rew vnd peicht sich mit got
15 versunen. Daz ander, daz sy sich webaren mit dem hochwirdigen
16 sacrament, mit dem heiligen gotes leichnam Jesu cristi
17 vnd der heiligen olum. Daz dritt, daz sich der kranck gancz
18 got weuelch vnd nicht wider got murmel, sunder gedenck, wy
19 ein yeczlicher mensch sterben muß. Daz vierd, daz er got
20 dancke
21 sag vmb alle sein genade, dy er ym webeist hat. Zw dem ersten
22 so sullen dy krancken fleissigklichen erforschen ir leben,
23 wo vnd wy sy got iren herren mit iren sunden gelaydigt haben
24 vnd widrum mit rew vnd peicht sich mit got veraynen vnd versunen,
25 also daz sy nicht verczihen von tag zw tag, dy sy
26 nicht vrbering ybereylt werden vnd sturben an alle rew vnd
27 peicht. Wan villeicht eylend vnd pald wil von in got begeren,
28 sye sullen sich nichcz irren lassen, weder weib noch kind,
29 bruder, freunt oder gut. Darvmb so sullen sy nicht verczihen
Seite 171
1 mit der peicht, als etwan laider vil thuen. So man sy ermant
2 mit der peicht, so sprechen sy: Ich wil
3 noch wol peichten, mir gewirt noch nicht geleicher weiß, als
4 bedorfften sy gottes des herren nicht, dan nur allain, so sy
5 sterben wolten, daz gancz schedlich vnd verdamplich ist.
6 Darvmb gedenck der kranck, daz got yn von seiner sund wegen
7 pflagt hat, als dan offt geschehen ist vnd der her daz
8 offt zw erkennen gibt in dem ewangeli. Des wir wol haben ein
9 exempel pey dem krancken zw Iherusalem, der acht vnd dreissig
10 iar kranck gelegen waß pey dem wasser, da dy krancken gesunt
11 woren, vnd den Iesus gesunt machet vnd dornach sprach
12 zw ym in dem tempel: Du pist nu gesunt worden,
13 du solt furpas nymer sunden, als daz schreibt Johannes. Aus
14 der vrsach hat dy cristenlich kirch auffgesetzt, das kain
15 arczt dem krancken raichen sol erczney, ee dan er enpfangen
16 hab daz sacrament vnd den ablas vber sein sund, nemlich so man
17 furcht an den krancken den tod auß etlichen zaichen, Vnd
18 daz ist den ercztten pey dem pan verpoten, als daz geschriben
19 stat in gaistlichen rechten. Auch daselbs ist gepoten pey dem
20 pan, daz kain arczt rat dem krancken etwas zw tuen fur dy
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1 kranckhait, daz wider seiner sel hayl sey. Daz geleich ist
2 auch aynem yczlichen menschen gepoten. Daz solten mercken,
3 dy etwan
4 raten vnlauterhait zw thun, nemlich aus der ee, des geleich
5 all ansprecher oder zaubrer. Zw dem andern sullen sich dy krancken
6 beraiten mit dem sacrament des leichnams Jesu Cristi
7 vnd mit dem sacrament der heiligen olum, daz aber wol gepoten
8 ist in dem vorgemelten capitel, wan der mensch kain
9 nuczern arczt nicht erfinden mag dan den, der alle ercznei
10 beschaffen hat, der auch den menschen gesunt mag machen oder
11 toten, wy er wil. Also ist auch das sacrament der heiligen
12 olum auffgeseczt zw vergebung der leslichen sund vnd vergessung
13 der todsund. Auch zw geringern dem menschen sein
14 kranckhait, als daz wol außweist Jacobus in seiner
15 canonice. Aus dem offenbar ist, wye swer daz ist, daz etliche
16 menschen verzihen zw enpfahen gotes leichnam Jesu Cristi
17 oder daz sacrament der heiligen olum, wan dadurch sich ir
18 sund meren vnd auch ir kranckhait. Aus dem ist aber offenbar,
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1 wy swerlich dy sunden, dy do maynen, sy weren krencker von
2 der anpfahung der gemelten sacrament, dy doch got vns geraicht
3 vnd gegeben hat zw hail vnser seel vnd auch leichnams.
4 Vnd sunderlich schedlich daz ist, daz etwan dy krancken
5 verczihen so lang zw enphahen dy sacrament, daz sy kaum reden
6 mugen oder etwan kain vernunfft haben. Von den zw furchten
7 ist, daz sy hart sterben ein guten tod. Wan sy nu peichten,
8 so ist es doch ein kurcze, vnbedachte peicht vnd villeicht mer
9 aus forcht des todes, dan aus aygner lieb zw got. Zw dem dritten
10 sullen dy krancken sich gancz got weuelhen vnd nicht aus
11 vngedult murmeln wider got sunder gedencken, daz ein yczlicher
12 mensch sterben muß, er sey alt oder junck, reich oder arm,
13 wan der her selbs fur vns tod ist, vnd auch Maria, sein libe
14 muter, durch den tod gen himel faren ist. Darvmb so sol pillich
15 der kranck geduldig sein, wan dy geduld ringert im sein
16 kranckhait vnd auch mindert oder etwan gancz abnympt dye
17 pein des fegfewrs. Darvmb so erman man den krancken vnd
18 sprech: Gedenck, daz du got den herren offt gelaydigt hast,
19 darvmb du pillich leyden sold vnd got piten, daz er dein
20 smerczen von dir vmb dein sund auffnam, wan dir vil nuczer
21 ist, hye zeleiden ein claine zeit, dan lange zeit, mit vnleidlicher
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1 pein zw pussen in dem fegfewr. Aus dem ist offenbar,
2 wy nucz dem menschen ist dy gedult in seiner kranckhait, also
3 daz der mensch gedenck: Almechtiger got, ist es dein wil, so
4 laß mich hye pussen mein sund vnd wen es dein gotlicher
5 wil ist, so nym mich von diser welt, du waist dy allerpest
6 czeit, dy mir am allernuczten ist. Verleich mir nur
7 dein genad vnd parmherczikait. Also huet sich ein yczlicher
8 krancker, daz er nicht wider got murmel, sunder gancz sein willen
9 mit ym verain, wan dy vngedult ist nemlich wider got,
10 wan vechten oder murmeln wider got dy pringt layder vil menschen
11 zw der ewigen verdampnuß. Zw dem vierden vnd zw dem
12 leczten des stucks so sol man den krancken ermanen, daz er got
13 danck sag vmb all dy gnad vnd gab, dy er ym hie mittailt
14 hat, sunderlich, daz er ym zw sein leczten zeiten
15 hat geben erkantnuß seiner sund, wy wol ir vil mer seind,
16 vnd daz er yn offt auffgehalten hat mit seiner parmherczikait
17 in grossen, sweren sunden vnd nicht hat lassen sterben ains
18 vrberingen, iehen todcz, darvmb den entlich der kranck von got
19 nur genad vnd parmherczikait beger. Daz leczt, wye sich der
20 kranck zw got sol keren vnd Marie. Es ist zu mercken, daz man
21 dy krancken, dy da swerlich kranck seind vnd arbaiten in
22 iren tod, sol ermanen, daz sy sich keren zw got vnd zw allen
23 seinen heiligen. Zw dem ersten so sullen sy sich zu forderst
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1 keren zw got, dem herren Iesu Cristo vnd anruffen in irem herczen
2
3 den namen Iesus, wan kain ander namen vnder dem himel ist,
4 dadurch wir hailwertig mugen weren dan durch den namen Iesus.
5 Vnd mit besundern vertrawn mag der kranck Iesum anruffen,
6 wan er auch hye kranck gewesen vnd gestorben ist, darumb so
7 hat er geren mit vns ein mitleyden. Da pey merck, wye yn
8 der heilig lerer Augustinus anruefft in dem puch, daz er gemacht
9 hat in der wesuchung der krancken vnd spricht also:
10 Mein got, meyn her, mein parmherczikait, mein zwflucht, ich peger
11 dich, ich fleuch zw dir, ich eyl zw kumen zw dir, versmech
12 mich nicht, wesunder kum mir zw hilff, yeczund in mein
13 leczten
14 noten, piß mir genedig in mein grossen angsten, ich mag mich
15 nicht erledigen mit meinem verdinen sunder ich hab hoffnung
16 vnd getraw auff dein parmherczikait, wan ich furcht al mein
17 werck, dy do poess sein. Du pist mein hoffnung, mein erlediger,
18 mein hailland, durch daz verdinen deiner heiligen marter
19 erparm dich vber mich armen, sundigen menschen. Nw moͤcht ein
20 mensch sprechen: Solche dinck ze gedencken ist swer.
21 Darauff ist ein antwort, daz ein yeczlicher mensch sich
22 schickt nach seinem vermugen. Mag er nicht, so sprech er dy
23 wort, dy der her an dem crewcz hat geredt: Vater, in dein
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1 hent wefilch ich mein geist.
2 Oder also: Her, verleich mir, daz ich rue mit dir in dem
3 frid. Oder sprich ein vater vnser vnd ein aue Maria vnd ein gelauben
4 nach dem, als der kranck gereden oder gedencken mag.
5 Dapey ist zw mercken, als meldum tut dy gloß vber den psalm
6 des verß: Her du hast zwstoͤrt mein pand, ich wird dir
7 opfern ein opfer des lobs zw dreyen malen mit andacht, in aynem
8 rechten gelauben, dem werden vergeben sein sund, da sol man
9 vergessen dy tod sund. Aus dem gedenck ein yczlicher mensch,
10 daz der heilig lerer Augustinus nicht hat getrawt auff sein
11 verdinen, was sol dan ich armer thun mit vil grossen vnd
12 sweren sunden vmb geben pin. Zw dem andern mal sol man den
13 krancken ermanen, daz er anrueff Maria, dy himel kunigin, dy
14 muter der parmherczikait vnd sprech: Maria, du muter der parmherczikait,
15 ein zwflucht der armen sunder, ste mir pey in meinen
16 leczten noten vnd versune mich deinem allerlibsten sun Iesu
17 cristo, daz er mir vergeb, was ich armer sunder wider in gethan
18 hab, oder sprech andre wort nach seiner vernunfft, als er mag.
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1 Dan an zweiffel so verlest Maria den armen sunder nicht, der
2 sy in rechter andacht anruffet. Als daz wol außweist der lerer
3 Bernhardus von aynem
4 krancken, dem sye derschein zw sein leczten zeiten vnd
5 sprach zw ym: Sun, erkenst du mich nicht? Vnd so er sprach:
6 Nayn fraw, ich erken dein nicht, antwort ym Maria: Ich pin dye
7 muter der parmherczikait. Zw dem dritten so sol der kranck
8 anrueffen dy liben heiligen engel, daz sy ym peystandt
9 thuen wider dy posen geist in seinen leczten streit, als am
10 anfang gemelt ist von mancherlay anfechtung des posen
11 geistes vnd sunderlich so sol man troͤsten dy krancken, so sy
12 nu arbaiten in irem leczten zeitten zu dem tod, daz sy sich
13 nicht furchten vor dem angesicht der posen geist, dye ym
14 grausamlich erscheynen
15 zw sein leczten zeiten, vnd daz der kranck sich mit nicht
16 laß abweisen noch erschrecken, wan sy ym nicht schaden mugen,
17 es wold dan der kranck selber sein willen darzw geben vnd
18 verzweiffel. Zw dem vierden so sol man dy krancken ermanen, daz
19 sy anruffen dy liben heiligen zwelfpoten, martrer, peichtiger,
20 junckfrawn vnd sunderlich dy, den er hye geren gedynet hat,
21 daz sy ym zw hilff kumen in sein leczten noten vnd got fur
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1 yn piten, daz er ersterb in aynem vesten cristenlichen gelauben,
2 mit rechter andacht vnd rew vber sein sund, wan als schreibt
3 Gregorius: Dy liben heiligen offt erscheynen den krancken
4 zw iren leczten zeiten, dar
5 vmb daz sy yn geren gedynet haben. Zw dem funfften mal: So
6 nu dy krancken nymer gereden mugen vnd doch ir vernunfft
7 haben, so sol man yn furhaben das crucifix vnd sy ermanen, daz
8 sye sich wefelhen dem leyden Iesu Cristi vnd starck sein in
9 dem gelauben vnd all anfechtum, dy in pegegen, gancz außschlahen.
10 Dan so ist auch gut zw lesen den krancken daz leyden
11 Iesu Cristi oder ander gute dinck, dy sie geren gehort
12 haben oder gelesen in irem gesunt. Dan so sol der kranck gute
13 hoffnung haben, daz yn got nicht verlaß in sein noten, als er
14 nicht hat verlassen dy liben heiligen in iren grossen
15 martern, sunder auch grosse wunderwerck
16 hie auff erden durch sy gethan hat. Pey dem allen ist zw
17 mercken, daz dy allerpest ercznei, dy der mensch haben mag zw
18 sein leczten zeiten, ist dy, daz er hab ein gedechtnuß des leyden
19 Iesu Cristi, wan dadurch dem menschen grosse nucz kumen, als man
20 von aynem heiligen pabst list: So er kam zw sein leczten zeiten,
21 fragt er sein capellan, ein andechtigen menschen, den er lieb het,
22 mit wy er ym helffen wolt nach seynem tod. Do antwort der
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1 caplan, er wolt ym helffen mit wy er moͤcht vnd waz er ym
2 schafft zw thuen von seyner seel hayl wegen. Do sprach der
3 pabst: Ich peger von dir nicht mer, dan daz
4 du mir sprechest drey pater noster, so du mich sichst in den
5 zugen oder in den angsten des todes. Den ersten pater noster
6 sprich in den eren vnsers herren Iesu cristi, vmb all sein
7 angst, dy er gehabt, so er ging zw seiner marter vnd petet an
8 den himelischen vater an dem olperg vnd aus großem trauren vnd
9 forchten der marter, do er swiczet plutigen swaiß vnd pit yn,
10 daz er diesen plutigen swaiß vnd all sein angst opfer fuer
11 all angst, dy ich mit mein sunden verdint hab zw leyden. Den
12 andern pater noster sprich in den eren aller marter vnd
13 smerczen vnd
14 pitterhait, dy der herr Iesus geliden hat vnd sunderlich in
15 den eren der pitter marter, dy er geliden hat an dem crewcz,
16 do er so iemerlich nackat vnd ploß ist lebentiger gehangen
17 drey gancz stund, mit dreyen nageln durchstochen vnd do er sein
18 heilig seel got dem vater wefalch vnd pit yn, daz er dy selbig
19 pitterhait vnd den jemerlichen tod opfer vnd furhalt got
20 dem vater fur all dy pein vnd leyden, daz ich verdint hab
21 mit mein sunden vnd daz er mich durch sein heilige marter erledig
22 von der ewigen pitterhait vnd pein. Den dritten pater
23 noster sprich in den eren der vnausprechlichen lieb Iesu
24 Cristi,
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1 dy in von himel herab auff dy erd pracht hat, fur vns zw
2 leyden sein grosse marter vnd den jemerlichen tod vnd pit
3 in, daz er durch dy selbigen lieb mir auff thue dy himel vnd
4 mich zw seinen genaden parmhercziklich auffnem. Auff das
5 sprach der caplan zw dem pabst, er wolt das alles fleissigklich
6 verpringen, als er dan tet mit grosser andacht. Darnach,
7 nach dem tod, erschain der pabst dem caplan in aynem lichten
8 schein vnd sagt danck dem caplan, wan er aus allen pein
9 erledigt wer vnd sprach also: Nach dem ersten pater noster
10 opfert der her Iesus Cristus fur mich got dem vater sein
11 angst vnd sein plutigen swaiß vnd traib
12 dadurch von mir all mein angst. Nach dem andern pater noster
13 durch pitterhait alles seines leidens hat er all mein sund
14 vertilgt vnd weggetriben als dy wolcken. Nach dem dritten
15 pater noster hat er mir durch sein lieb dy himel auffgespirt
16 vnd mit frewden mich hineingefurt vnd also pin ich sicher
17 kumen gen himel. Von der offenbarung wegen, dy der caplan vil
18 menschen gesagt hat, ist an vil enden gewonhait, daz man dy
19 pater noster mit andacht spricht pey den krancken, so nu kumpt
20 ir leczte zeit, daz sy arbaiten aus diser welt. Dadurch dan sunderlich
21 vertrawn vnd hoffnung haben dy krancken zw dem
22 ewigen leben. Es ist
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1 auch ze wissen, daz nicht allain zw der zeit des tods sunder
2 all tag aynem yczlichen menschen nucz ist ein solche wetrachtung
3 des leidens Iesu Cristi mit den dreyen pater noster,
4 daz dadurch der mensch erledigt werd von vil anfechtungen
5 der welt, des fleischß vnd der posen geist vnd dadurch
6 der mensch erwerb von got ein gut end zw sein leczten zeiten,
7 vnd daz in got erledig auß allen sein noten vnd angsten
8 vnd leyden, daz er vmb sein sund leyden solt vnd ym auff thue
9 daz ewig reich. Seynt dem mal daz allain ein yeczlicher mensch
10 gericht wirt nach dem, als er wirt erfunden zw sein leczten
11 zeiten, so ist einem yeczlichen menschen
12 not zw gedencken, daz er sich versorg mit aynem guten frewnt,
13 der ym peystand thue zw sein leczten zeiten, der in erman
14 zw andacht vnd zw rew vnd in westet in dem glauben, in maß als
15 oben geschriben ist von anfang dicz puchleinß auff das end,
16 als er vnterweist den krancken, wy er sich halten sol in
17 anfechtung, waz er yn fragen sol, zw got vnd zw sein heiligen
18 keren sol. Also mag ayner dem krancken an sein leczten zeiten
19 in solcher maß sprechen dy drey pater noster, daz er anheb:
20 Kyrie eleyson, Criste eleyson, kyrie eley etc. Vater vnser
21 vnd aue Maria vnd sprech dan: Her Iesu Criste, durch dein
22 heilige angst vnd
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1 gepet, daz du thon hast auff dem olperg, daz dein swaiß ist
2 worden als plutes tropfen, herablauffend auff dy erd, erman
3 vnd pit dich, daz du dy selbigen manigualtigen plucztropffen
4 vnd angst fuerhalts vnd opferst got dem vater fur mein sund
5 vnd deines gegenwurtigen krancken dienerß vnd erledig in
6 zw der czeit des todes aus allen sein angsten vnd noten, dy
7 er verdint hat zw leyden mit sein sunden. Zw dem andern pater
8 noster heb aber an: k x k, vater, vnser, aue Maria vnd sprich:
9 Herre Iesu Criste, ein sun gotes, der fur vns gestorben
10 pist an dem heiligen creucz, Ich erman vnd pit dich, daz
11 du all dein pitter leyden, daz du fur vns arm sunder geliden
12 hast, sunderlich an dem heiligen crewcz, doran du nackat vnd
13 ploß angenagelt drey gancz stund lebentiger gehangen pist vnd
14 dein heilige seel got dem vater weuolhen hast, fuerhalcz vnd
15 opfers got dem vater fur vns vnd sunderlich fur dy seel
16 deß gegenwurtigen armen krancken menschen vnd erledig yn zw
17 diser zeit seins todes von all sein smerczen vnd leyden,
18 daz er solt leyden vmb sein sund, vnd behut yn vor dem ewigen
19 tod. Zw dem dritten pater noster heb an: k x k, vater vnser,
20 aue Maria vnd sprich: Her Iesu Criste, ich man vnd pit
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1 dich, daz du lieb, dy dich von himel herab auff dy erd pracht
2 hat fuer vns zeleyden den tod, furhalczt vnd opferst got dem
3 almechtigen vater fur vns all vnd sunderlich fur dy seel
4 des krancken menschen vnd mach in dadurch frey nach disem leben
5 vor aller pitterhait, von allen leyden vnd smerczen
6 vnd thu ym auff dy thur der ewigen selikait vnd laß in mit
7 dir vnd allen heiligen frewen vnd dich loben ewigklich.
8 Vnd ob ein mensch nicht lesen kan oder nicht gancz mercken
9 dy drey pater noster, zw sprechen in solcher maynung, als oben
10 geschriben ist, so ist ym genung außzesprechen dy maynung
11 mit worten, dy er kan oder im bekant
12 sein, also daz er den ersten pater noster sprech in den
13 eren der angsten Iesu Cristi fur all angst des krancken menschen,
14 den andern in den eren seiner pitter marter vnd des
15 jemerlichen tods Cristi vmb dy pein vnd leyden, dy der kranck
16 vmb sein sund solt leyden in dem fegfewr. Wan ist, daz er
17 nicht hat ein rechte rew als oben gemelt ist, so hilfft kain
18 gepet nicht. Den dritten pater noster sprich in der lieb Ihesu
19 Cristi, dy er zw vnß gehabt hat vnd noch hat, daz er dadurch
20 dem krancken auff thue dy hymel vnd ym verleich dy ewige
21 selikait. Amen.
22 Daz puchel mag wol gehaissen weren ein spigel der krancken,
23 daynne sy sich schawen sullen vnd lernen, wy sy sich weraiten
24 sullen, nach disem leben anzwheben den spigel der heiligen
25 driualtigkait in ewigkait. Vnd nicht allain dy krancken sunder
26 dy gesunten, wy sy sich zw dem tod weraiten sullen, dez
27 zeit sy nicht wissen noch erkennen mugen on offenbarung gotes
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1 dez herren. Wer ym aber daz puchlein nucz wil machen, der sol
2 es offt lesen oder horen lesen, wan dardurch er lernet sich erkennen
3 vnd kumpt zw ayner rechten forcht gotes des almechtigen
4 vnd zw ayner dyemutigkait vnd hat nicht mer lieb zw werltlichem
5 gut
6 oder eren dan zw got vnd seiner seel hail, als daz ein yczlicher
7 mensch an ym selber vinden mag, so er daz offt hort
8 oder list. Der aber daz puchel gemacht hat vnd geschriben auß
9 den lerern der heiligen geschrift, der wegert auch von einem
10 yczlichen menschen, der daz hort oder list, ein aue Maria,
11 damit er auch tail hab in dem ewigen leben mit allen den, dy
12 sich wirdigclich beraiten, abzeschaiden aus diesem ellend
13 in das ewig leben. Daz verleich vns got der her durch sein
14 heiliges leyden. Amen.
15 Es geschahe zw einer zeit, das der maister wart gen zw einer
16 clausen, do waren funff clausnerin jnnen vnd worden mit im
17 reden vnd worden auch peichten vnd piten, das er in ein predig
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1 tet vnd jn auch saget von dem aller nechsten, warsten,
2 clersten clausen leben. Do sprach der meister: So hab ich
3 willen, fugt es got, so will ich es thun am samcztag schirst
4 kumende. Nu do der tag kom, do kumen vil menschen auch dar.
5 Der maister fing dise predig also an vnd sprach: liben kint,
6 sant Pauls der hat vns heut gar nucze, notdurfftige dinck
7 gesagt
8 in seiner epistel, vnd die epistel, ist gar lanck, vnd do von
9 so wil ich euch ein tail sagen. Liben kint, der lieb sant Paulus
10 sprach von jm selbs dise wort: Vor vierczehen jaren
11 enczucket in den dritten himel. Aber ab es in dem leybe wer
12 oder on den leip, daz waiß ich nicht, got der weiß es, so daz
13 der lieb sant Pauls wor vierczehen iar verswigen het vnd es
14 on vrlaub gotes nicht sagen wolt. Nu der lieb sant Pauls der
15 thet nicht, als nu etlich thun in disen zeitten. Nu thun etlich
16 menschen das, so in newert ein claine genad einkumpt von
17 got vnd gesendet wirt
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1 zw stund, so brechent sy aus vnd sagent es an vrlaub gotes
2 vnd sagen es vil leicht dar zw ainem, der villeicht als wenig
3 waiß, was es ist, als sie vnd do von geschicht es in disen
4 zeitten gar offt das, das dy selbe klain genad einem solchen
5 claffenden menschen benumen wirt vnd enczogen wirt vnd
6 wirt em gegeben, der vielleicht hat liecht der gnaden vnd
7 do von so hutet euch dor vor, an vrlaub außsprechen, wen
8 wisset, man findet jn disen zeiten nicht gar vil menschen, dy
9 erleuchten vnterschaidet haben, vnd do von sol man dy gab
10 gotes nicht sagen, vnd dar vmb diß, das got
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1 sant Pauls erlaubet vns zw sagen, daz thet vns got zwhilffe
2 vnd zw einer warnung vnd warnenden lere. Also wen es geschicht,
3 das got vnser einem die volkumenden gnade vnverdinet
4 gebe, das den der dar nach nicht erschrecken solte, sant
5 im got darnach leiden zw schicken, also er dem lieben
6 sant Pauls thet. wisset, lieben kint, dy gabe gotz müssen durch
7 leyden, kumen, kumen sy aber vor dem leyden, so mussen sy
8 doch mit leyden gewert werden. Ach, lieben kint, seyt daz leiden
9 als edel ist vnd also gar fruchtper der selen, dar
10 vmb gab got allen seinen heiligen
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1 also groß leyden. Vnd do von leyden. durch got also fruchtpar
2 ist, dar vmb hat got dem lieben sant Pauls erlaubet, vns
3 zw sagen geben von seinen leyden vnd spricht heut in seiner
4 epistel, das er in vil arbait sey gewesen vnd in vil kerchern
5 vnd in den slegen stetigclichen vnd in den totten vber
6 menschlichen, von den Juden funff fert gegeisselt vnd drey fert
7 mit gerten oder mit ruten geslagen, vnd zw einem mal pin
8 ich gestaint worden vnd tag vnd nacht so was ich in der tieffe
9 des merß vnd offt so was ich in noten vor den morderen, in noten
10 vor den heyden vnd in noten vnd in engsten vnter meinen
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1 falschen brudern vnd in arbeiten, in vil fasten, in vil
2 froste leiden. Diser ding ist gar vil, die alle sant Pauls
3 heut in seiner epistel geschriben hat. Nu daz ich es kurcze, so
4 sprach er auch, das ich mich der großheit der offenwarung
5 nicht vberhebe vnd vberneme, dor vmb so ist mir geben sathanas
6 ,das er mein fleiß peinige. Vnd do ich dor vmb pat, daz
7 mir got daz weneme mit seinen genaden, wan die tugent
8 wirt bewert mit leyden, dar vmb sprach sant Pauls: So frew ich
9 mich geren in meinen leyden, daz dy tugent cristi in mir
10 wone. Nu seint vns sant
11 Pauls in seiner epistel webeiset hat, daz leiden also
12 gar fruchtpar vnd also gar gut ist, so sullen wir nu wol
13 glauben vnd sullen wir ymer zw einem guten fruchtparen leben
14 kumen, so mag es anders nicht gesein, wir mussen eygens
15 willen abgen der naturen. Daz ist, daz der mensch abgee allen
16 lusten der natur an allein redlicher notdorfft, vnd dy selben
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1 notdurfft sol also sein, daz sy im sey ein furdrung zw got
2 vnd was das vbrigen sey, daz er des alles ledig vnd ploß stee.
3 Wan wisset fur war, daz nymant mag begreiffen noch wesinen
4 die sussen dick in der hohe, er lasse den susse
5 vergenckliche dingk hie in der nyderen zeit. Do von sprach
6 der lieb sant Pauls: Bruder, ist es, daz ir lebet nach der begir
7 dez fleisch, so wert ir sterben, tott ir es aber mit dem
8 geist dy wegird des fleisch, so werdet ir leben. Liben kint, wir
9 sullen vns schicken vnd pilden nach dem leiplichen pild
10 vnsers herren Jesu Christi. Do sprach sant Pauls: Zihent ab den
11 alten menschen vnd cleydet euch mit vnserm herren Jhesu
12 Cristo. Liben kint, noch ist ein vil edler, grosser abganck, vnd
13 der abganck der also groß ist, daz ist ein williger abganck
14 des geistes, vnd das ist, wen der geist daz fleisch vberwindet
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1 vnd diese vergenckliche dinck alle vbersprungen hat, so springet
2 er auff dy ewigen dinck, vnd den die selbigen werck werden
3 vil lustiger smeckende vnd messende vnd aus der massen mer
4 den die ersten nach der natur, vnd wen auch daz geschicht, daz
5 des menschen geist geruchet smecken vnd nyessende der vbrigen
6 hohen dinge, als den der mensch vormals hat einen abganck
7 gegangen von der sussikeit der natur, also muß er auch einen
8 willigen abganck thun von aller wollust der vber sussikeit des
9 geistes, vnd must got seine werck lassen, als er es haben wil.
10 Vnd der abganck tut auch aller erst
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1 recht wee den, die got noch lustlicher enpfindung haben. Vnd
2 dieser abganck heisset auch armut des geistes, von dem vnser
3 her sprach: Selig sein die armen dez geistes, wen daz reich der
4 himel, daz ist ir. Nu ir sullet wissen, daz es gar offt geschicht,
5 daz etlich menschen dar zw kumen, daz sy in irem aygen
6 willen vnd gar behebelich eri in sich sehent vnd zihent vnd
7 nement, was in leuchtende vnd smeckende ist. Vnd lat sich got
8 nicht in einer sterbender weise. Nu wisset, welich menschen
9 daz thun, dy nyssen dy gabe der gnaden gotz
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1 vnfruchtperlichen, vnd ist daz sache, wen in got nicht ein
2 leuchtende vnd smeckende wer, so weiß er wol, daz im soliche
3 menschen abgingen vnd do von so behebt er soliche menschen
4 mit etwas susses, daz sie leicht nicht alzw mal von jm
5 lauffen. Aber soliche menschen dy sind gar kranck vnd klein,
6 noch wan dy sind in irem eygen willen vnd liebent vnd meinent
7 den schein fur daz wesen, vnd daz sein dar zw noch
8 alzwmal verserlich menschen. Vnd sie meinent doch zw sein werlich
9 menschen, aber sye sein gar sere betrogen. Aber ander
10 menschen, die sich got zw grunde lassen vnd auch geben, die
11 doch auch susser vnd sawer von got geleich nement vnd entphahen
12 sind, wen auch den menschen ein leuchtende vnd ym
13 smeckende abe get. Dor vmb gen sye got nicht abe. Soliche
14 menschen die sind gerecht innere menschen vnd inwendig bekant.
15 Nu sullet ir wissen, lieben kint, welich menschen diesen
16 willigen abganck durch den geist vnd naturen geliebet
17 hat vnd ausgefangen, daz wisset, das ein solicher mensch ein
18 fruchtparn durchpruch hat gethan ader im thut dar nach
19 not einer guten
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1 hut vnd solte alczeit behuten vnd westen, daz er zw allen
2 zeitten in grosser demütigkeit pleib, wan die hellischen
3 feint lassen den nicht abe, sie suchen alle zeit, wie sie
4 wider vmb zihent. Lieben kint, ein zw grunde gelassenheit
5 durch alle vnser natur, das ist ein guter anfanck, der
6 liecht in guter demutigkeit vnd in gerechter demut geschit,
7 vnd do von so sprach sant Peter: Aller liebsten bruder, demutiget
8 euch vnter die gewaltigen hant gotes dar auff,
9 daz er euch erhohen mag in der zeit der wesuchung. Lieben
10 kint, moͤcht ir euch geleren, daz ir auch zw einem waren
11 abgange
Seite 195
1 des geistes ankoment, vnd sie vns den got wider vmb enczucket,
2 daz wir sie den vnser wegirde truckent, also daz wir
3 mit willen kein wegirde dar nach hetten; vnd hie von so spricht
4 der lieb sant Dionysius also: Wen es geschicht, daz got befintlichen,
5 daz ich daz befinde, in meiner sele wonent wesenlich,
6 so ist mir also frewdenreich recht wol, daz mir nicht en ist, vnd
7 gebe mir got, daz mir auff die selbe stunde vnd zeit alle
8 creaturen also vntertenig wurdent, als sie jm selber sind, noch
9 den so were mir nicht also wol, als mit im. Aber wen es geschicht,
10 daz es mir mit seiner gegenwertigkeit
Seite 196
1 befintlichen ein get, so hab ich begirde nach im trewen,
2 spricht sant Dionisius, wen ich daz thu, daz ist mein geprechen.
3 Wenn Salomon spricht, wir sullen in allen gotlichen
4 wercken ruen vnd fride haben. Nu diese jemrlich begirde zalt
5 sant Dyonisius fur einen geprechen, wan er verstund sich
6 wol, das er do noch nicht stund in jamer vnd in wegirde vnd
7 zw grund gelassen, wan die grost gelassenheit gelassen gewest
8 in gelassenheit. Aber das ist newert den menschen, die gotz
9 nach lustes enpfinden vnd enpfunden haben. Ach, der mensche sol
10 also sere gestriten haben, also
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1 das er als gar vnuernunftig in got worden wer, das kunde
2 mit der hilff gotes alle creaturen durch wrechen vnd durchfaren,
3 piß er in got kome. Do wart er den in dem heiligen geist
4 geleret, daz er mit seiner vernunfft alle naturliche dinck
5 vnter sich kunde trucken, das er den mit dem lieben sant Augustin
6 moͤcht gesprechen: Alle creatur sein vns ein weck zw
7 got. Er sehe oder hore, es sey waz es sey oder wolle, das er daz
8 alle zw dem pesten mug gekeren vnd solt sich mit seiner vernunft
9 als gar offt vnd als demutiglich vben vnd
10 dringen durch alle creaturen vnd daz solt er also gar
11 offt vnd als vil thun, piß das er alle creatur verlore vnd
12 solt sich als gar offt vnd als vil selber einigen vnd fleissen,
13 piß an die zeit, piß er seiner sele frewden vnd sein herczen
14 lieb allein findet, vnd do von spricht sant Pauls: Wer
15 an got. hafftet, der wirt ein geist mit got. Vnd in disem werende
16 so ist der geist enwortten vnd ist ein einiges ein in
17 dem worden der mensche in got, wo sich der mensch hie durch
18 waget vnd durchlassen wolt, der vberkeme allen dinck mit
19 got, vnd des hab wir ein gezeugniß mit sant Pauls, der sprach:
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1 ich vermag alle dinck, in der er mich stercket, got. Ach, nu
2 eylet vnd iaget hie in der zeit vnd fahet an vnd lernt
3 recht leben, wan wisset, der mensch wol hie in ler dar zw, daz
4 er solche vbermessige vnd vbernaturliche freude mer befindet,
5 den alle creatur piß an den jungsten tag ymer gegeben
6 mochten vnd wir solten, daz wirt geleret, wurden daz den waren
7 anpeter wurden, die den vater im geist an peten. Ich furcht,
8 es wurd zw lanck, wan die clausnerin hab mich gepeten, daz ich
9 in sage, waz einer clausnerin zwgehort. Ich wil euch
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1 sagen, welche ein rechte clausnerin sey sol: Der gehort zw,
2 daz sy einfeltig vnd eingeschlossen von jnnen vnd aussen sey,
3 nicht so sy faren vmb vnd zw den fenstern außsehen vnd nach fragen,
4 wie es hie oder dort stee, oder geschickt oder geschehen.
5 Sie sol also gar leuterlich vnd abgescheydenlich leben vnd
6 sich halten, vnd wer es, daz sy fur alle die selen, die in dem
7 fegfewr sein, pete, daz sie dar zw genung gut were, daz sy sie
8 alle möchte erlosen. Clausenleben daz ist ein kleins dinck. Ein
9 clausnerin sol als gar leutterlichen leben, also daz sy
10 alles daz von got
11 enphahen mocht, daz dy heilige cristenhait mit ein ander
12 durch dy heiligen siben heilikeit enphahen mag. Vnd wisset
13 sie des nicht, so ist sie nicht ein rechte clausnerin. Ein
14 clausnerin die sol also leben, ab es geschehe, das ir alle christen
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1 recht vnter zogen wurden, daz es ir den nach gen got
2 nicht schaden were. Nu ist es dar zw kumen, daz dy clausnerin
3 abencz geste enphahen vnd des morgens sie besorgen, vnd daz
4 selbe gehort einem wirt zw. Einer clausnerin gehort zw, daz sy
5 ir geswigen sey vnd stille sey an alle redliche
6 notdurfft. vnd grosse notdurfft. Sie sol auch andechtiglichen
7 vnd leuterlichen peten. Ein clausnerin sol nicht wirtschafft
8 pflegen, noch ergetzung mit den leuten haben. Sie sol in
9 gewarer gotlichen gelassenheit also gar festiglichen stende
10 sein alle zeit, daz sie sich muge gotes nach befintlicher,
11 lustlicher, frolicher weysen alle zeit verbegen vnd sich dar
12 zw aller creaturen mag verbegen durch gottes willen. Etlich
13 clausnerin sprechent, sie mussen sich durch got an irem ebenmenschen
14 an tugenten vben. Solich menschen, dy solten nicht
15 in clausen zihen oder dor ein gen, sie solten
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1 in ein spital gegangen sein vnd solten sich an in als an
2 den gelidern gotes geubet haben demutigelich, daz ist an den
3 sichen vnd krancken vnd daz het in auch eygentlichen zw gehort.
4 Wan was eynem ytlichen menschen zw gehort, des sol er
5 auch war nemen vnd sol wesehen, daz er es auch thu. Etlich
6 sprechen: Ich muß durch got meinem ebenmenschen beholffen sein,
7 daz gehort einer guten clausnerin nicht zw. Wan sehen sie
8 es recht an, sie solten wol wefinden, daz es gar verporgenlichen
9 ir natur were. Ein clausnerin dy solt alles ir leben
10 also gar
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1 leuterlichen vnd also gar abschidenlich vnd also gar ledig
2 aller creaturen sich halten, also daz ir leben allen den
3 zw hilffe komen mocht, die cristennamen haben. Etlich clausnerin
4 sprechen: Ach, ich pin also gar kranck in der natur, ich
5 muß mir recht selber zw hilffe kumen vnd muß mit den
6 leuten reden. Ach du arme natur, wie du dich findest in des
7 teufels rat Wissent, wer ichz anders in einer clausen suchet,
8 den williges leyden durch got, der get vnsicherlich in dy
9 clausen. Etlich gen in clausen vnd essen daz almusen gar
10 fridlichen vnd gar lustlichen nach irem luste
11 vnd willen. Aber dy selben weren gar vngern in einer versmehenden
12 weiß elentigclichen vnd offenlichen in der strassen
13 dar nach gen, wen wissent, welich die sint, die sint nicht
14 leuterlichen durch got in der clausen. Durch irer sele willen
15 es were vil weger, daz sie legen an der offen strassen ellendigclich,
16 allen leuten zw erparmen. Ein clausnerin, so sy ein get,
17 so sol sie sich leuterlich vnd ledig vnd ploß willigklichen
18 Christo an daz crewz geben vnd opfern fur alle menschen,
19 wan Christus sprach: Mein got, wie hastu mich verlassen.
20 Lieben kint, dy lieb sancta Maria Magdalena
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1 die was ein rechte clausnerin, wan
2 sy stund willigclich vnd ploß an aller creaturen hilffe. Lieben
3 kint, der himelisch vater sant sein aingeporen sun in
4 menschlicher natur zw leyden. So wolle wir alle daz leyden
5 flihen. Wisset, wir thun, was wir wollen vnd thun, wy wir wollen.
6 Wolle wir den sichersten vnd den nechsten vnd den wehendesten
7 durchpruch gen vnd fur vns nemen, so mag es nicht
8 anders gesein, wir mussen den waren pilden ymer etwas nach geen
9 durch leyden. Aber ich muß vns etwas trosten, wen wisset,
10 der himelisch vater der ist vns nicht also gar hertte, als
11 er seynem eingeporen sun was,
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1 wisset lieben kint, were es, das wir vns mit allen vnsern
2 krefften got geben in leyden, daz wir ewigclichen vnd geren
3 wolten leyden alles, daz er von vns geliden wil haben, vnd wir
4 auch nicht abgingen do von, daz er vns leyden sendet, das wir
5 den do von nicht fluhen. Wisset, wen der himelisch vater erkennet,
6 daz es zeit ist, so nympt er vns alles leyden abe vnd
7 vbergeust vns vnd vberschut vns mit seiner naturlichen, befintlichen,
8 freudenreichen trost. Wisset, wen daz einem menschen
9 geschicht, daz er die frolich hochzeit gewar wirt, so weiß
10 er den von keiner irdischen
11 hochzeit zw sagen, er, frewet sich weder weichnachten
12 noch ostern noch pfingsten noch keynerley hochzit. Er frewet sich
13 allein der grossen wirtschaft vnd der grossen hochzeit. Also
14 wen got mit seiner vber naturlichen, frewden reichen, befintlichen
15 gnaden zw ym kumpt, vnd welche zeit in dem iar daz geschicht,
16 so werden alle hochzeit an jm volbracht. Vnd hiervmb so
17 solten wir gern leyden, was vns zw leyden keme, wen wisset, lieben
18 kint, welcher mensch durch leyden zw diser grossen, ubernaturlichen,
19 freudenreicher hochzeit kumen were, der wer gar ein weiser,
20 wol geordenter mensche vnd wurde den also gar weise von
21 dem ein fluß dez heiligen
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1 geistes, daz er den wol erkenen wirt, was zw thun oder zw lassen
2 ist, vnd auch den so werden in jm alle werck fruchper. Aber
3 er heltet mit al nicht von jm selber, er beleybet alczeit in
4 grosser demütigkeit vnd heltet sich selber fur einen gar vnnuczen
5 knecht vnd beleybet auch alczeit in eyner mynigclichen
6 kintlichen furcht, also daz er nicht anders furchtet, wen daz er
7 sein herczenliebe in allen dingen nicht volkummenlichen genug
8 sey. Vnd wen der mensche hie zw kumet, so sind im den alle seyne
9 eygene angenumen fodern weysen abgefallen vnd hat den gar ein
10 schlechte auffgerichte cristenliche weyse, also daz er allen
11 menschen vnbekant ist.
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1 Wie man schol lernen sterbenn.
2 Der junger: Ich beger an dein mynne, seint das fegfewr als bitter
3 ist vnd der sele so palde vergessen wirt, das du mir sagest,
4 wie ein mensch, der siech ist, sich halten schol, das er sicherlichen
5 sterben muge vnd nicht vil fegfewrs zw leiden haben vnd
6 wes er sich trosten schulle. Der maister: Du fragest ein
7 nücze frage, wann es ist nucz vnd ein edele frage vnd kunst, der
8 wol sterben kan. Darvmb so spricht auch der weise Seneca, das
9 der mensch alle sein lebttag nicht anders scholt thun, denn lernen
10 leben vnd noch mer scholl er alle sein lebttag nicht anders
11 thun, dann lernen sterben. Vnd das du diese kunst
12 wissest. Wenn nu got vber dich gepewtet, so scholt du wissen,
13 das sechs dingk seint, die darzu gehorent. Das erst ist, das
14 der siech, sterbent mensch sich vmb wenden schol von allen
15 zceitlichn dingen vnd mit aller seiner begirde sich kerent in
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1 das gelobt lant der ewigkait, vnd schol do anruffen das ingesinde
2 des hymmelischen hofes, das sie sein behaiter vnd fürer
3 wollent sein von diesem ellend in ir lustige oder lustliche geselleschaft.
4 Vnd das bedewtet auch hie vor: Da Moyses sterben
5 solt, do sach er gegen dem vatherlichen, gelobten lant. Das
6 ander ist, das er kein zcuuersicht schol seczen auff kein
7 sein guttet, die er ye getat,
8 mer allein sich sencken vnd naygen in das wirdige verdinen
9 vnsers herren Ihesu Christi vnd in die tieffen wunden seiner
10 gruntlosen parmherczikait, in den selben tieffen wunden
11 alle sünde an mittel geleschet vnd vertilget werden. Wann die
12 mynsten wunden, die er ye geleyd, die verzcert in irer tieff
13 vnd verswendet tausent stunt tausent todtsünde. Vnd dieß stücklein
14 lernt sunderleich sant Bernhart. Das dritte ist, das sich
15 der siech, sterbendt mensch sich selber schol ein lebendig
16 opffer machen dem ewigen menschen got. Also das er sich zcu
17 mal schol lassen in gotes willen vnd von mynnen sterben,
18 got zcu lobe
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1 vnd liebe vnd hett er doch wunsches gewalt tausent jar
2 zcu leben in allem lust vnd eren, noch er wolt willickleichn got
3 zcu lobe vnd zcu liebe sterben vnd zcu eren. Vnd wisse, kann er
4 wol hie innen gerasten, das er also von lawtter mynne stürbe in
5 gote, er köm nymer in das fegfewr vnd hette er auch aller
6 werlt sünde gethan. Vnd also starb der gerecht schacher an dem
7 crewcz: Wie das was, das er sterben must, so gab er sich doch willigleichen
8 in den tod von mynne, möcht er sich wol haben von
9 dem tode erledigt, er hette es nicht gethan vnd wolt got zcu lobe
10 vnd zcu eren sterben. Vnd darvmb so ist im wordenn
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1 der martrer krone, als sanctus Augustinus spricht. Das vierde
2 ist, das der siech sterbent mensch nicht schol von forchten
3 der pein vnd der helle rewe haben, mer von lauter myne schol
4 er rewe haben, das er den süssen, milten got ye hat erzairnet mit
5 seiner missetat. Vnd schol im laider sein, das er wider den
6 süssen got ye getett, denn im leyt wer alle pein zcu leiden. Vnd
7 solcher ganczer rewe, die von lauter mynne kumet, die geschicht
8 gar selten in den siechen menschen, alls sanctus Augustinus
9 spricht. Das fünffte ist, das er schol vor ordiniren sein begrebnusse
10 in got, sein verliessen der synne, sein verschaiden
11 sein grab tragen vnd was das ist vnd des gleich, in gotes
12 lob vnde eren, sein verscheiden in das mynreich verscheiden
13 vnsers herren Jesu Christi an dem crewcz in des vaters
14 hant vnd schol dieß alles der gruntlosen parmherczikait gots
15 bevelhen. Das sechste ist, das er sich scholl vestickleichn heften
16 vnd hencken an den heiligen gelauben, seint der pose gaist
17 auff der stunde des todes den menschen gern beruret oder im
18 sein sunde, die gerechtickeit gotes, zcu groblichen fur wirffet.
19 Denn scholl er sich halten an den heiligen glaubn, den vns
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1 das wirdig sterben vnd das verdienen Jesu Christi so genedigklichn
2 vnd so parmherczicklichn leret vnd erkleret. Mit diesen
3 sechs
4 stucken fert der