Text 125, Leonhart Rauwolf: Beschreibung, Lauingen 1582

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Text 125

Leonhart Rauwolf: Leonharti Rauwolfen / der Artzney Doctorn / vnd bestelten Medici zuͦ Augspurg. Aigentliche Beschreibung der Raiß / so er (...) inn die Morgenlaͤnder (...) selbs volbracht

Lauingen, 1582, Leonhart Reinmichel, 487 S.
Schwaebisch, Lauingen.
Zeitraum: V, 1582.
aufgenommen: S. 1-45, 24.
Verfasser: Leonhart Rauwolf, 1565-1588 mit Unterbrechungen in Augsburg
Drucker: Leonhart Reinmichel, *1544 in Augsburg, 1578-†1600 Drucker in Lauingen
Textart: Rechts- und Geschaeftstext (Urkunde, Akte etc.)
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1 Der Erste Thail der
2 Rayß/ Doctor Leonhart Rauchwolffs
3 in die Morgenlaͤnder: Jn wellichem fürnemlich
4 wirt gehandlet/ wie Er in Syriam hinein kommen/
5 vnnd was Er sonderliches oder seltzams
6 vnd Namhaffts in derselbigen Prouintz
7 gesehen/ vnd obseruiert habe.
8 Wie Jch erstlich von Augspurg auß
9 nach Marsilien gezogen/ vnnd von dannen
10 ferrer auff dem Moͤhr biß gen Tripoli, in Syria
11 Phœniciæ ligendt/ kommen bin.
12 Das 1. Capitel.
13 ALs Jch gar nahe von jugendt auff
14 sondere begürde gehabt/ in ferre Landtschafften
15 zuͦ ziehen/ fürnemlich aber inn
16 die Morgenlaͤnder/ alß die für andere
17 mehr beruͤmbt vnd fruchtbar seind/ welliche
18 die aͤlteste Voͤlcker erbawet/ auch die mechtigisten
19 Potentaten vnd Monarchen der Welt/ vor Jaren jnnen gehabt/
20 vnnd bewohnet/ nicht allein derselbigen Jnnwoner
21 leben/ sitten vnd gebraͤuch/ war zunem̅en/ sonder auch
22 vnd vilmehr die schoͤne Gewaͤchs vn̅ Kreüter/ vom Theophrasto,
23 Dioscoride, Auicenna, Serapione @c. beschriben/
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1 an den enden vnnd orten/ da sie wachßen/ zuerkundigen/
2 vnnd zuerkennen/ damit mir jre beschreibungen inn
3 ansehung vnd betrachtung deren/ sonderlich aber der mehr
4 frembden vnd vnbekandten/ zum thail bekandtlicher vnd
5 verstendtlicher wurden/ zum thail auch den Apoteckern vrsach
6 gebe/ ferrner nach denen/ die jhnen zu haben von noͤten/
7 zu trachten/ Suͦchet ich diß mein fürnem̅en ins werck
8 zusetzen/ mittel vnd weg/ welche ich im Jar Christi 1573
9 allhie zu Augspurg bey dem Ehrnuesten Melchior Manlich
10 dem aͤltern/ meinem günstigen Herrn Schwager vnd
11 verwandten/ gar guͦt gefunden/ Der nam mich ( dieweil er
12 ohne das willens war/ etliche mehr in seinen geschaͤfften
13 hinein zuschicken ) bald auff vnd an/ Rüstet mich also auff
14 den weg/ damit ich mit ersten geferten/ so gen Marsilien
15 ziehen wurden/ auch dahin kommen moͤchte/ von dannen
16 auß ferrner auff jrer Schiff einem nach Tripoli in Syria
17 Phœniciæ ligendt/ zu faren.
18 Alß ich nun eines andern/ alß nemlich des Ehrnuesten
19 vnd fürnem̅en Herrn Friderich Rentzen / Mitburgers
20 allhie/ erwartet/ Ritten wir den 18 Maij deß 1573.
21 Jars von Augspurg auß nach Lindaw / mit dem fürhaben/
22 durch Piemont auff Mayland vnnd Nissa hinein zukommen:
23 vnd seind also denselben tag geritten biß gen Mündelheim /
24 ein lustiges Staͤttlein/ sampt einem Fürstlichen
25 Schloß/ an der Mindel gelegen/ dise zeit den Freyherren
26 von Frundsberg zugehoͤrig.
27 Den 19 kamen wir auff den Mittag gen Memmingen /
28 ein schoͤne Statt dem Reich zugehoͤrig/ wie auch
29 Leutkirch / dahin wir auff die Nacht kamen.
30 Den 20 Ritten wir durch Wangen / auch ein Reichsstatt
31 im Algaͤw gelegen/ wie vast die ob erzelte alle/ allda
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1 der Segessen vnd Leinwath halb ein groß gewerb/ kamen
2 auff dem Mittag gen Lindaw ein Reichsstatt im Bodensee
3 gelegen/ allda ein gar große niderlag/ daher es etliche das
4 Teutsch/ oder doch das Schwaͤbisch Venedig genennt haben/
5 dieweil es auch im Wasser gelegen/ vnd so ein stattliche
6 niderlag von allerhand Guͤttern da hat. Nach Essens
7 fuͦhren wir vber den See gen Fuszach, ein Flecken
8 nit weit von Bregentz gegen dem Rheinwarts gelegen.
9 den 21 erraichten wir zum Morgen essen Veldkirch /
10 ein lustiges Staͤttlein an der Yll gelegen/ welliches
11 jetziger zeit dem hauß Osterreich zugehoͤrig/ vor jaren aber
12 aigne Grauen/ deß Geschlechts von Montfort gehabt
13 hat. Auff demselbigen weg ersahe ich etliche schoͤne Kreüter/
14 alß Saxifragam auream, Cariophyllatam Alpinam,
15 ein schoͤn geschlecht der groͤssern Maßlieben/ Hanenfuͦß
16 mit weissen Bluͦmen/ Auriculam Vrsi mit Braunfarben
17 Bluͦmen rc. Den Abent kamen wir gen Mayenfeld / ein
18 Staͤttlein den Grawpündtern zugehoͤrig/ am Rhein gelegen/
19 welcher gleich gegen dem Staͤttlein vber ein Wasser/
20 die Camingen genennet/ empfahet/ das durch die hohe
21 Felsen herfür rauschet/ in welchem das kostlich warme
22 Bad Pfeffers / ( von der naͤchstgelegnen vralten Abtey ) genannt/
23 entspringt/ so wol vnder die Wasserwunden/ oder
24 Wunderwasser gezelt koͤndte werden/ demnach es so herrliche
25 würckung hat/ inn sterckung der schwachen/ Contracten
26 vnd erlambten glider/ vnd für anderen Baͤdern auch
27 dise art hat/ das es sich vom October an biß vast inn
28 Mayen verleurt/ vnnd dann im Maio mit gwalt wider
29 herzuͦ kompt.
30 Den 22 kamen wir auff die Nacht gen Chur / ein
31 gar alte Statt/ ( da auch ein niderlag der Guͤter/ so auß
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1 Teutschland von dannen mit Saumrossen vber das Gebürg
2 gefuͤrt werden ) ein Sitz desselben Bischoffs ligt ein
3 halbe stund vom Rhein / darumb auch diß Bistumb vnder
4 den Bistumben am Rhein / oder wie es etlich nennen/ in
5 der Pfaffengassen das oͤberst/ dieweil es nicht weit vom
6 vrsprung des Rheins gelegen/ wie dem alten Sprichwort
7 nach/ Costentz das groͤssest/ Basel das lustigst/ Straßburg
8 das edelst/ Speyr das andaͤchtigst/ Wormbs das aͤrmest/
9 Maͤntz das würdigst/ Trier das aͤltest/ vnd Coͤln das reichest
10 genennt wirt.
11 Samßtag den 23 Ritten wir biß gen Tusis, einen
12 vralten Flecken den Grawpündtern zugehoͤrig/ wellicher
13 von den Alten Tuscis, daher die Rhetier anfaͤngklich inn
14 dise Landsart kom̅en/ den Namen behalten hat/ wie dann
15 nicht weit daruon auff einem gar hohen Berg/ noch anzaigungen
16 seind des verwuͤsten Schloßes Realt, oder rechter
17 Rhetia alta genannt/ auch von den Rhetis.
18 Den 24 kamen wir auff Mittag an den Splewerberg /
19 in ein Flecken Splugi genannt/ alda wir vber den hindern
20 Rhein / gar nicht weit von seim vrsprung kommen.
21 Volgends vber den Berg hinüber/ vnnd auff den Abent
22 ins Gampolschiner thal/ in ein kleins Flecklein/ daruon
23 das thal den Namen hat/ alda wir auch bliben.
24 Vnnd zogen Montags den 25 auff Mittag gen
25 Claͦuen oder Clauenna, ein vralts Staͤttlin/ den Bündten
26 zugehoͤrig/ hat etwa ain vest Schloß gehabt/ ist aber von
27 den Grawpündtern selbs/ Anno 1524 zerstoͤrt worden/
28 alß es jhnen listiger weiß vom Castellan von Müß Ioan. Iacobo de Medicis
29 eingenommen worden/ inn wellichem
30 strudel auch das Staͤttlin vbel verwuͤstet worden an Mauren
31 vn̅ Thoren/ sintemal dise darnider geworffen worden/
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1 damit nicht künfftigklich wider ein Feind darein nüsten
2 koͤndte. Von Claͦuen kamen wir gen Riua am Comersee
3 gelegen ( da das Wasser Adua in den See rinnt/ welliches
4 gleichwol dem See kain Wasser gibt noch nimpt/ sonder
5 gleichsam auff dem See hindurch rin̅t/ wie auch der Rhein
6 durch den Bodensee ) volgends gen Gera, auch am See
7 gelegen/ da wir das Nachtlaͤger namen. Vnder wegen am
8 See/ ersahe ich der Purpurfarben Gilgen/ Jtem ain geschlecht
9 der weissen Goldwurtzel mit schmalen bletlein/
10 vnnd in den alten mauren die Cymbalariam.
11 Den 26 kamen wir auff Mittag gen Com, ein
12 herrliche lustige Statt/ von welcher der gantze See heütigs
13 tags den Namen hat/ das er der Comersee genennt
14 wirt. Von dannen Ritten wir noch denselben Abent gen
15 Mayland / die Hauptstatt des gantzen Hertzogthumbs/
16 welche nicht vnbillich im Welschen Sprichwort die Groß
17 genennt wirt. Was aber diser Statt vnd Hertzogthumbs
18 halb vor Jaren/ ehe Kayser Carolus der Fünfft / sie letstlich
19 nach absterben deß letsten Hertzogen daselbst Francisci Sfortiæ,
20 beharrlich inngehabt/ zugetragen/ ist auß
21 den Historien gnuͦgsam zuerkennen/ vnd zusehen.
22 Den 27 Ritten wir durch Binasco, ein lustigen
23 Flecken/ da der Hochgelehrt vnnd weitberuͤmbt Andreas
24 Alciatus, der Rechten Doctor/ vnd auff vilen Vniuersiteten/
25 in Welschland vnd Franckreich Professor, ein herrlichen
26 Palast hat lassen bawen: Vnnd kamen auff den
27 Abent neben dem grossen Thiergarten hin ( in wellichem
28 Anno 1525 die bluͦtig Schlacht zwischen Koͤnig Francisco
29 inn Franckreich / vnnd Kayser Caroli des Funfften
30 Obersten vnd Hauptleuten/ geschehen/ in wellicher der
31 Koͤnig selbs gefangen/ vnnd vil seins Volcks tod bliben )
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1 noch auff die Nacht gen Pauya, ain alte herrliche Statt/
2 an dem Wasser Tesin gelegen/ da etwa die Longobardische
3 Koͤnig jr ordinari Hoflaͤger gehalten/ vnd hernach
4 Carolus Magnus der erste Teutsche Kayser ain hohe
5 Schuͦl gestifft/ in wellicher vil treffenlicher gelehrter Leut
6 erzogen/ vnd herkommen sein.
7 Donnerstag den 28 kamen wir von Pauya auß/ vber
8 den Padum, oder Eridanum, welliches für das groͤsseste
9 Wasser Italiæ gehalten wirt/ gen Vogera, ein lustiges
10 Staͤttlin/ an eim kleinen Wasser Stafora genannt/ gelegen/
11 alda haben wir die halbe Posten angenommen/ deren
12 wir biß volends gen Nissza, bey 18 gehabt/ Seind also
13 auff Mittag gen Dortona kommen/ ein zimliche Statt/
14 gleichwol sie von wegen der vilfaltigen Krieg/ vnnd auch
15 der Burgerlichen zwytracht vnnd vneinigkeit/ nich vast
16 Volckreich/ gehoͤrt zum Hertzogthumb Mayland / in diser
17 gegend aber/ hat es gantze aͤcker mit Wayd besaͤhet/ da
18 haben wir auch die weisse Popelbaͤum/ oder Alberbaͤum/
19 Jtem das Garbkraut mit gelben Bluͤmlen/ vnnd besser
20 hinein auff dem Berge Brotho, die Cinerariam, welliche
21 für ein geschlecht der Buckelen gehalten wirt/ Jtem Stœchadem
22 citrinam, Cotynum Plinij, vnnd andere mehr
23 schoͤne Kreüter gefunden. Auff den Abent kamen wir gen
24 Alexandria della Paglia, das ist/ von den Sprewer. Dan̅
25 alß sich zwischen Kayser Friderichen dem Ersten / vnd den
26 Lombardischen Staͤtten vil vnnd lange Krieg/ fürnemlich
27 auß anstifftung Bapst Alexandri des dritten erhuͦben/
28 haben sich die verbundene̅ Lombardische Staͤtt zusamen gethon/
29 vnnd auß etlich Doͤrffern/ Anno 1168 dise
30 Statt zusamen getragen/ welliche sie im volgenden Jar
31 zuͦ Wehr beuestiget/ vnd sie nach Alexandro dem Bapst/
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1 Alexandriam genennet: Die Kayserischen aber/ haben
2 sie zum spott die Stroͤwin Alexandriam genennet/ wellicher
3 zunam jr auch gebliben/ Gleichwol seind wir nicht
4 da bliben/ sonder noch dieselbige Nacht gen Bellizona geritten/
5 ain vestes ort/ welches etwa aigne Herren gehabt/
6 welche es denen von Vri, vnd jren mituerwandten ( dieweil
7 sie es vor den Hertzogen von Mayland nicht getraut zuerhalten )
8 verkaufft haben/ vm̅ das Jar Christi 1422 wiewol
9 es vil bluͦts gekostet/ biß sie die Schweitzer endtlich
10 Anno 1500 in ruͤwige possession kommen.
11 Den 29 auff Mittag/ kamen wir gen Ast, ein herrliche
12 Statt/ zum Hertzogthumb Mayland gehoͤrig/ alda
13 der Koͤnig auß Hispania ain besatzung helt/ welliche eben
14 dazumal den newen Statthalter zu Mayland empfangen/
15 vnd hinein in die Statt belaitet hat. Nicht weit daruon
16 ligt Carmagnola, dem Koͤnig auß Franckreich zuͦ der
17 Margraffschafft Saluzo gehoͤrig/ da ligt ein Frantzoͤsische
18 besatzung/ wie zuͦ Mancalier, ( welchs aller naͤchst bey Carmagnola
19 gelegen ) der Hertzog von Sophoy auch ein besatzung
20 hat/ das also dreyer vnderschidlicher fürnemmer
21 Potentaten besatzungen/ gar nahend bey einander gelegen.
22 Die Nacht lagen wir in aim schlechten Weiler Boieron
23 genannt.
24 Den 30 May kame̅ wir durch Racomes vnd Sauigliano,
25 zway kleine Staͤttlein/ auff die Nacht gen Cuni.
26 Den letsten May/ alß wir zuͦ Limona in eim Dorff
27 zuͦ Morgen gessen/ erraichten wir das Gebürg/ so Mons Brothus
28 genannt/ in wellichem wir zun zeiten vil schoͤne
29 Weinberg gefunden: kamen für Tenda inn ein anders
30 Staͤttlein Sorgo genannt/ da wir vber Nacht bliben.
31 Morgens den 1. Junij/ erraichten wir Nizza die
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1 Statt mit eim vesten Bergschloß am Tirrhenische̅ Moͤhr
2 gelegen/ dem Hertzogen von Sauoyen zugehoͤrig/ welches
3 Anno 1543 der Türckische Ammiral, Barbarossa lange
4 zeit mit grossem gwalt belaͤgert/ vnnd doch vnuerrichter
5 sachen abziehen muͤssen/ ob er schon die Statt inngehabt/
6 da seind auch zuͦ Bapst Paulo dem dritten / Kayser Carolus
7 der Fünfft / vnd Franciscus der Koͤnig in Franckreich
8 kommen/ fridens halben zwischen ermeldten zwayen Potentaten
9 anzurichten. Da herumb hab ich etliche schoͤne
10 Kreüter gesehen/ sonderlich aber zwayerley gehoͤrnte oͤlmagen/
11 mit schoͤnen gelben/ auch braunfarben ansehenlichen
12 Bluͦmen/ deßgleichen das Ladanum mit braiten blaͤtern/
13 vnd gleich in der hoͤhin darbey/ wie man hinüber will
14 nach Villa Franca / ein weisse winde Glocken/ mit purpurfarben
15 stroͤmlein/ vnd langlechten zerthailten blaͤtlen.
16 Am 2 tag zohen wir von dan̅en mit mehr geferten
17 auff die Staͤttlein/ Antibo, Canabo, Luc, Brignola @c.
18 zuͦ/ ( daselbsten ein sondere sort kraͤfftiger wolgeschmacher
19 Pfloͤmlein/ in Laden eingemacht/ so in Fieberen für den
20 durst sehr dienstlich seind/ in grosser vile zufinden ) nach
21 Marsilien, dahin 30 Frantzoͤsische Meiln gezelt werden/
22 vnnd ritten also fort/ das wirs noch am 19 tag nach vnserem
23 verrucken ( welcher war der 5 Junij ) erraichet. Jm
24 raysen ersahe ich die scharpffe Winden/ Ferberroͤte/ Stoͤchaskraut/
25 ein gar schoͤnes Seseli, Peloponnesiacum, Thymelæam,
26 Cistum mit weiß vnnd Purpurfarben Bluͦmen:
27 mehr ein geschlecht Ladani, des Hochgelehrten Herrens
28 Caroli Clusij, mit schmalen Rosmarin bletlein vnd gelben
29 Bluͦmen/ Terebinthum, Ilicem Cocciferam, Aspalatum,
30 vnd das Polemonium Monspeliensium, vom Hochgelerten
31 Herrn Remberto Dodonæo, Trifolium fruticans genennet/
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1 Ruscum, Lentiscum, Calamintam montanam,
2 die gemaine Vehendistel/ vnd andere mehr.
3 Zuͦ Marsilia, alß ich auff mein ankunfft in obgedachten
4 meines günstigen Herrn Schwagers behausung hatte
5 eingekert/ alda jrer Schiffen eines zuerwarten/ fande ich
6 meiner geferten einen/ nemlich Johann Vlrich Krafften /
7 deß Edlen/ Ehrnuesten/ vn̅ Weisen Johann Krafften deß
8 eltern/ vnd gehaimen Raths zuͦ Vlm / Sun/ wellicher vor
9 wenigen tagen da ankom̅en/ vnd auch willens war/ in jren
10 geschefften hinein zufaren/ mit dem erwartet ich der zeit
11 vnserer abfart/ vnd dieweil sich dieselbige noch etwas verlengert/
12 machet ich darzwischen kundtschafft mit den Herren
13 Doctoribus vnd Apoteckern/ innsonderheit aber mit
14 Iacobo Renaudo, einem Hocherfarnen Mann/ vnd liebhaber
15 der Kreütter/ welcher mir in seinem Garten vil schoͤne
16 vnnd frembde Simplicia gewisen/ alß das rechte Scammonium,
17 Ambrosiam, Moly, Ammi, Aloen@. mehr
18 ausser disen noch vil andere die dür/ vnnd mehrthails inns
19 Bapir waren eingelegt. Auch fande ich aussen vmb Marsilia
20 herumb das Trifolium Asphaltite, Lactucam marinam,
21 die Dentillariam, deß Hochgelehrten vnnd weitberuͤmbten
22 Doct. Guilhelmi Rondeletij meines getrewen
23 Preceptoris Tragacantam, ein grosses Apostemkraut mit
24 weissen bluͦmen/ Gratiolam, Gnaphalion marinum, Medicam
25 marinam, Polygonum marinum, Eryngium marinum,
26 Corin Monspeliensium, ein anders geschlecht der
27 Tamarisken vnd der Rittersporen/ mit gelben wolriechenden
28 bluͦmen/ welches ich auch in drey meil von Nimes zuͦ
29 Pontegard auff dem alten herrlichen starcken gebaͤuw
30 hab gefunden/ wilde Rautten/ ein geschlecht deß Wullkrauts
31 mit zerthailten blettern deß gehoͤrneten gelben Oelmagen/
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1 welcher auch da zuͦfinden. Mehr fand ich daherumb
2 wachßen die Chondrillam Vimincam, sonderlich in
3 den Weingaͤrten/ Conijzam maiore̅, Vermicularem fruticantem,
4 Carduum tomentosum, der Leucacanthæ nit
5 vngleich/ Nepam, deren sonderlich der fürtrefflich Matthias Lobel /
6 in seinen Aduersarijs nouis gedencket: Neben
7 denen fande ich da die Tartenrayre, Asterem atticum luteum,
8 Psylium, Seseli æthiopicum fruticans, rote Brustberlenbaͤum:
9 Jtem den roten Baldrian Remberti Dod.
10 Corrudam, das erste geschlecht Catanances Diosc. welliches
11 ich erstlich bey seinen verdorrtten bletlein gantz den
12 klawen eines Weyhen gleichend/ hab erkennet/ vnd andere
13 vil mehr/ welche hie alle zuerzelen vnuonnetten.
14 Nachdem nun endtlich die Naue santa Croce geladen/
15 vnd mit Prouiandt/ Geschütz/ vnd anderem zur abfart
16 auff drey Monat lang/ nach notturfft gnuͦgsam ward
17 versehen/ fuͦhren wir bayde mit vnserem Patrono Antonio Reinardt,
18 sampt etlichen der seinigen/ am 1 Septembris
19 deß 73. Jars/ auff einer Fregata gar spat hinauß zuͦ
20 dem Schiff/ die aussen bey etlichen zu nechst gelegnen Jnsulen
21 vnder andern geladnen Schiffen an Anckeren lag/
22 inn die zuͦ gehn/ darauff gleich den andern tag abzufahren.
23 Alß vns nun ferner nichts mangelt/ noch hindert/
24 liessen wir am Nachmittag vmb 2 Vhren ( weil sich guͦte
25 Wind von den gnaden Gottes für vns erhebeten ) vnsere
26 Segel fallen/ vnd fuͦhren daruon: auch fieng gleich vnsen
27 Patron an die seinigen ernstlich zuermanen/ daß sie trewlich
28 beyeinander halten/ jme gehorsamen/ vnd seine̅ befelch
29 fleißig nachkommen solten/ deß sie sich zuthuͦn gantz gehorsamlich
30 erbotte̅: haben auch hierauff vnser Gebett gethon/
31 vnd vns in den schutz vn̅ schürm deß allerhoͤchste̅ beuolhen.
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1 Jnn der Abfart/ ehe wir hinauß auff die hoͤhin kommen/
2 kam vnser Schiff einem andern so nahe/ das es daß
3 ander mit dem forderen thail gleich erraichet/ vnd wir also
4 eines Schiffbruchs hetten zugewarten gehabt/ da sie nit
5 von Schiffleüte̅ bald weren von einander gewandt worde̅.
6 Alß solches verricht/ vnd nun kein gefahr mehr verhanden
7 war/ segelten wir froͤlich mit vollen Seglen/ deren
8 biß in 6 waren/ vnnd fuͦhren daruon/ kamen auch bald so
9 ferr/ daß wir noch am Abent das land verloren/ vnd nichts
10 dann Himmel vnd Wasser sahen.
11 Jnn dem wir fort fahren/ kam vnser vilen ein solcher
12 widerwill/ das wir gleich darauff mit gewalt muͦsten von
13 vns geben/ mit reuerentz zumelden/ was wir in langer zeit
14 gesamlet/ vnd ich vnd mein gefert der Krafft / purgierten
15 vns den Abent also/ das wir am Morgen widerumb gantz
16 frisch vnnd mundter worden: etliche andere aber wurden
17 dauon so schwach/ daß sie sich vorm sibenden tag nicht wol
18 mochten erholen/ auch ward vnder vns ( deren wir biß inn
19 48 waren ) nit ainer/ der nicht ein enderung in der abfart
20 befunden.
21 Da wir nun 2 tag mit guͦtem Wind/ den die Latini
22 Caurum, die Frantzosen aber vnd Welsche Maistrale nennent/
23 gefahren ( welcher von seyten Mitternachts vnd Nidergangs
24 her wehet ) vnd auff 100 Leucas oder Frantzoͤsische
25 Meilen kommen/ da entstuͦnd gleich am Freytag vmb
26 die Mittenacht ain anderer/ Græco, den Latinis Cæcias
27 genennet/ welcher/ jhe mehr er sich von seytten des Auffgangs
28 Osthalben wider vns erreget/ jhe mehr er vns zuwider
29 ward/ das wir also/ weil wir an vnserer fart gegen
30 Auffgang verhindert/ darfür auff die seytten hin vnd wider lauieren
31 muͦsten/ kamen also in dem trauersieren gegen
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1 Mittag so ferrne/ das wir am Sontag zu Abents/ vnnd
2 Montag am Morgen/ das Vfer Barbariæ mochten ersehen.
3 Da sich nun der Wind ein wenig geleget/ vnnd die
4 Delphin mit hauffen sich sehen liessen/ verhoffte̅ wir/ nach
5 disem widerwertigen Wetter/ bessers zubekommem. Dieweil
6 es aber nit erfolget/ vnnd wir gleichwol auff Africam
7 mehr zuͦnaheten/ seind wir getrungen worden vmbzukeren/
8 vnd wider den weg nach Marsilien für vns zunemmen.
9 Da wir nun wider vnsern willen zuͦ ruck fuͦhren/ vnd
10 besorgten/ der Wind wurde noch ein zeitlang wehren/ hat
11 er sich doch bald hernacher gegen der Nacht/ vber vnser
12 verhoffen/ dermassen geleget/ das wir jhn kaum spüren
13 mochten. Da waren wir erst eines anderen gewertig/ wie
14 dann auch geschach/ vnd bekamen gleich am Morgen vor
15 tags widerumb den Maistral, welchen wir gern vnnd mit
16 frewden angenommen/ Alß wir nun demnach die Segel
17 gewendt/ verliessen wir den widerwertigen weg/ vnd kerten
18 wider nach vnserem fürgenomnen gegen Auffgang/ fuͦhren
19 auch in dem am Afftermontag so starck fort/ das wir in
20 einer stund wol 10 Welsche meiln machten/ vnd also auch
21 den 9 Septembris inn die engin Sardiniæ vnnd Africæ
22 kamen/ ersahen auch daselbsten zur rechten/ ein Jnsel Galitam
23 genannt/ welche ob sie schon klein/ jedoch von wegen
24 der hohen berg/ bald von ferrem zuersehen/ die liessen wir
25 vber 30 meiln ferrn neben vns ligen/ Dise ist keinem Herren
26 vnderworffen/ halten sich derhalben in dero zimlich vil
27 Moͤhrrauber/ das also nichts sonders inn der Jnsel/ dieweil
28 sie nit bewohnet wirt/ zufinden/ dann allein die wilde
29 Capparen, welche darinnen inn grosser anzal wachssen.
30 Alß wir nun befanden/ das wir an gefaͤhrlichen orten weren/
31 feyrten wir ( ob schon das Schiff mit Büchsen/ Spiesen
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1 vnnd anderen Woͤhren gnuͦgsam gerüstet ) gleichwol
2 nicht/ richteten vnsere grosse Stuck/ machten noch mehr
3 ladungen/ rüsteten auch vnser Kam̅er/ darinn wir bayde
4 waren/ mit Büchsen/ Woͤhren/ Tartschen rc. also zuͦ/ das
5 sie mehr für ein Rüst_ dann Schlaffkammer/ des gantzen
6 Schiffs hette moͤgen gehalten werden. Darneben/ dieweil
7 wir vns auch noch vor etlichen grossen Felsen im Moͤhr
8 ligent/ zuͦgefahren hetten/ sonderlich aber denen/ die von
9 Schiffleuten Leuci genannt werden/ sahen sie fleißig darnach/
10 nit allein in jhren Schifftaflen/ wie sie die moͤchten
11 vmbfahren/ sonder hielten auch die gantze Nacht gar guͦte
12 wacht/ deren warzunem̅en/ jnen bey guͦter zeit zuͦweichen/
13 kamen also Gott lob glücklich vnd wol darfür hinauß.
14 Bald hernacher haben wir die gegne deß Koͤnigreichs
15 Thunis in Africa wol sehen moͤgen/ sampt etlicher
16 vmbligenden Jnsulen/ vnder welchen eine genan̅t Simles,
17 die wol klein/ aber zimlich fruchtbar vnnd schoͤn ist/ in dero
18 die aller schoͤneste runde Osterluceien reichlich zufinden.
19 Alß wir die am Morgen verloren/ ließ sich noch gegen
20 dem abendt ain andere zur rechten hand auff 40 meiln
21 ferrn Panthalarea genannt/ sehen/ welche dem Koͤnig in
22 Hispania vnderworffen/ darinn bey 300 Personen sollen
23 wohnen: Siciliam aber zur lincken/ dieweil vns die Nacht
24 vberfallen/ ersahen wir nicht/ kamen aber in der Nacht so
25 nahe hinzuͦ/ das wir am Morgen fruͤ darinn/ nit allein die
26 gegne vnd Berge/ fürnemlich aber Mongibellam / welcher
27 sehr hoch jhenseyt bey der schoͤnen vnd namhafften Statt
28 Syracusa ligt/ sonder auch noch vnderschidlich die gebaͤw
29 vnnd Thürn ersahen/ fuͦhren also den gantzen tag/ an der
30 seyten/ welche gegen der Jnsel Malta vber sihet/ so lang/
31 biß wir endtlich zum end vnd eüssersten spitzen derselbigen
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1 kamen: vnd ob wir schon daselbsten nit kleine gefahr zugewarten
2 hetten/ von wegen der wehrenden Krieg/ ersahen
3 wir doch nit mehr dann eine Nauen am Morgen fruͤ gegen
4 Malta vber farend/ welche wir für ein Marsilische gehalten.
5 Also seind wir Gott lob ohne anspruch vnnd hindernuß/
6 gantz wol vnd glücklich den 11 Septembris gegen
7 dem Abent an die eüsserste spitzen Siciliæ kommen/ dahin
8 werden inn 900 Welscher meiln von Marsilien außgerechnet:
9 verhofften auch mit der hilff Gottes deß Allmechtigen/
10 den vberigen thail vnserer fart biß inn Cypern, ( dahin
11 noch in 1300 seind/ deren 3 ein Frantzoͤsische leucam
12 oder meiln machen ) dieweil wir die weitte des Adriatische̅
13 vn̅ Tyrrhenischen Moͤrs erraichet/ so glücklich vn̅ wol bey
14 werendem wetter zufaren/ alß durch die enge den andern.
15 Vnd ob wir schon zimlich bald fortgefaren/ waren doch die
16 Wind einander vngleich/ dann sich ainer bald vmb den
17 andern erreget/ also auch/ daß wir in Tag vnd Nacht fast
18 dreyerlay wind hetten/ alß erstlich den Maistral nach mitternacht/
19 welcher biß gegen dem tag wehet/ bald kam darauff
20 der Betsch, der sich von seyten Mittags vnd Nidergangs
21 mit grosser vngestuͤme erhebet/ Africus von Latinis
22 genennet/ vnd wehret biß auff den Abent: dem volget
23 endtlich der Ponente, vom Nidergang wehent/ gegen der
24 Nacht/ welcher sich gemainklich/ sonderlich an den Grentzen
25 Africe erreget/ vnd hinder vns vmb die zeit her gieng/
26 wie solches die alte erfarne Schiffleüt selb bekennen/ vnnd
27 wir es auch an heilig Creutz tag/ nicht ohne muͤh vnnd gefahr
28 haben erfaren: Dann nach dem vnsere Schiffleüt
29 den Jarstag/ jrem alten gebrauch nach gehalten/ vnd bald
30 hernacher 3 stuck haben lassen abgehn/ fieng gleich darauff
31 der Betsch noch staͤrcker mit groͤsserer vngestuͤme deß
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1 Moͤhrs an zuwehen/ inn welcher vngestuͤme die Wellen/
2 das Schiff auff aine vnd andere seyten/ dermassen geworffen/
3 vnd vns also gewieget haben/ das/ da wir vns nit mit
4 fleiß angehalten/ wir schwerlich an vnsern staͤtten hetten
5 bleiben mögen/ wie es dann etlichen begegnet/ da sie sich
6 vbersehen/ vnd zuͦ frey gelassen/ das sie alßbald auff allen
7 vieren/ auff die andere seyten faren muͤssen. Diser Wind
8 hat hernach zum thail gegen der Nacht nachgelassen/ vnd
9 sich endtlich/ da der Maistral zu wehen angefangen/ gantz
10 geleget. Mit dem Maistral fuͦhren wir wider fort/ vnd kamen
11 bald so ferrne/ das wir am Afftermontag den 15
12 Septembris zeitlich die Jnsel Cretam mochten ersehen/
13 vnnd bald hernacher noch ein andere Cerigo, vor Jaren
14 Cythera genennet/ nahe bey Morea ligent/ Den tag hetten
15 wir schoͤn haiter wetter/ vnd so ein stille zeit/ das wir nit
16 ferrner dann biß neben die spitzen Cretæ kommen mochten.
17 Jnn dem wir also allgemach fortfaren/ erhebt sich ein anderer
18 Wind/ von den orten Morgens vnnd Mittags wehend/
19 Sirocco, den Latinis aber Vulturnus genan̅t/ welcher
20 vns nicht wenig zuwider/ das wir also abermals an
21 vnserer fart verhindert/ vnnd getrungen wurden/ auff die
22 seyten hin vnd wider zuschwaiffen/ Alß wir nun in der seyten
23 nach auff Cretam zu naheten/ vnd vnser Patron weder
24 darinnen/ noch in einer kleinen Jnsel Legosia genan̅t anlenden
25 wolte/ kerten wir vns am Mitwochen vm̅ den Mittag/
26 nach Africa. Jn dem wir aber also fortfuͦhren/ kam
27 ein sollichs vngewitter mit wehen/ plitzen vnd donnern an
28 vns/ das wir gnuͦg zuschaffen hetten/ mit den Seglen vnd
29 anderem rc. das Schiff also zu regieren vnnd zuuerwaren/
30 das es keinen schaden neme: Vnd dieweil wir vns gegen
31 dem widerwind richteten/ damit er vns nit wider zuͦ ruck werffe/
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1 gab vns dises mehr alß das ander zuschaffen/ dann
2 die Wellen mit solchem gewalt wider vns giengen/ das
3 vns nit anderst geduncket/ wann wir auff in die hoͤhin kamen/
4 alß sehen wir in ein tieff finster thal hinab/ dann fuͦren
5 wir widerumb mit solchem gewalt hinunder/ das einer
6 wol het gedencken moͤgen/ es wurde alles zu grund gehn/
7 welches also gar nahe biß gegen dem Morgen gewehret:
8 vnnd ob vns wol das Wetter zimlich weit verworffen/ kamen
9 wir doch nach dem bald so ferrne zu ruck/ das wir nun
10 nit allein Cretam, sondern auch die obgemelte kleine Jnsel
11 Ligosin wider mochten ersehen. Gleich dazumals ersahen
12 wir auch zway Schiff/ erstlich eine Barcken/ auff 10 meiln
13 zur lincken/ vnd bald darauff ein grosse Naue nach Africa
14 farend.
15 Alß wir nun ferrner neben Creta hinein gefahren/
16 also/ das wir vns am Freytag gleich jhenseyt neben der
17 Statt Candia befunden/ ward es denselbige̅ tag so warm/
18 vnnd die zeit so still/ das wir nicht spüren mochten/ das wir
19 vber 3 inn 4 meiln weitter kommen weren. Jn dem wir
20 also hielten/ sprangen etliche der vnserigen ins Moͤhr hinauß
21 vnd badeten: vnser Schiffman aber ( welcher in befelch
22 het/ die Segel nach den Winden zurichten ) stach mit
23 einer eysnin zincketen gabel einen Visch/ Lischa genannt/
24 welchen er daran herauß gezogen/ der war schoͤn von farben/
25 vnnd sehr lustig anzusehen/ oben vber den ruckgrad
26 blaw/ vnd vnden am bauch gantz weiß vnd glantzend/ einer
27 guͦten Eln lang/ zart am fleisch vnd guͦt zuͦessen.
28 Gleich gegen derselben gegne vber/ ist ein Kloster
29 S. Francisci, in dem ein wolzugerichte Apotecka/ auch darbey
30 ain schoͤner Garte̅/ vol frembder vn̅ nutzlicher Kreüter.
31 Es ist auch vnferr daruon ein guͦter sicherer Port
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1 Calismene genannt/ inn den wir gern frisch Wasser zufassen
2 weren eingelauffen/ dieweil er aber auff 30 meiln
3 für vns lag/ vnd der Wind Sirocco, vns zuwider/ widerumb
4 anfieng zu wehen/ vnd vns an vnserem fürnemmen
5 verhinderet/ fuͦhren wir am Samßtag gegen Mittag/ damit
6 wir im widerkeren darein kemen. Alß wir vns nun vm̅
7 Mittags zeiten zuͦ ruck nach dem Portu wider gewendet/
8 ersahen wir zur lincken von ferrne ain Schiff/ vnd dieweil
9 wir nit wusten/ was wir vns zuͦ jn zuuersehen hetten/ theten
10 wir abermals guͦte fürsehung/ sahen zun grossen stucken/
11 deren inn 13 waren/ auch Doppelhacken vnnd andern
12 Büchsen/ deßgleichen zun Spiesen rc. jhe lenger wir aber
13 dem Schiff zuͦsahen/ jhe weitter es von vns hinweck kam.
14 Alß wir nun auff 12 meiln zum Portu kom̅en waren ( vermainend
15 darein anzufahren ) verendert sich bald das Wetter/
16 vnnd bekamen endtlich den Wind Tramontana von
17 Mitternacht wehend/ wellicher gar starck gieng/ darmit
18 fuͦhren wir vnserem rechten weg nach für die Jnseln Calderon
19 vnd Christianam, das wir am Montag für die eüsserste
20 spitzen Cretæ, caput Salomonis genannt/ hinauß kamen/
21 ersahen auch bald aussen auff der hoͤhin noch ein andere
22 Jnsel Scarpanthos, etwan auch Carpathos genennet/
23 60 Welscher meiln von Rhodis ligend/ wie vns die Nacht
24 wolt vberfallen. Da wir nun vermainten mit disem wind
25 weitter zufahren/ verloren wir jn/ vnd bekamen darfür wider
26 den Græco, der vns zuwider/ kundten also nicht weitter/
27 sondern wurden getrungen hin vnd wider zuͦ lauieren:
28 da ersahen wir abermals/ inn dem wir also fuͦhren/ am Afftermontag
29 ein Schiff/ welches/ alß es auff vns zuͦ zukommen
30 begeret/ richteten wir vns auch jm zubegegnen/ vnnd
31 steckten zuͦ oͤberst auff den Mastbaum vnser Panier/ alß ein
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1 kennzaichen. Jnn dem wir aber naher zusamen kamen/ erkannten
2 wir/ das es ein Marsilianisch Schiff ward/ Santa
3 Maria de lacura bursa genannt/ die schickten endtlich auff
4 jrer Fregaten einer/ etliche jhrer Schiffleüt zu vns/ vnnd
5 zaigten vns an/ das sie nun mehr in die sibende wochen von
6 Tripoli auß vnder wegen weren/ vnd deßhalben nicht kleinen
7 mangel an Biscotte hetten/ beten vns derhalben/ etwas
8 von den vnsern jhnen mitzuthailen/ deß wir vns zuthuͦn
9 geren verwilligten/ vnd gaben jhnen auch souil/ das
10 sie wol vergnuͤget waren. Darzwischen/ weil wir beysamen hielten/
11 erreget sich widerumb ein guͦter Wind für vns/ die
12 Tramontana, der bayden/ vns hinein/ vnd jhnen herauß zufahren/
13 gantz dienstlich/ kerten also wider von einander
14 vnd fuͦhren daruon. Alß wir nun also von einander wider
15 vrlaub namen/ ließ vnser Patron jnen zugefallen 3 grosse
16 Stuck/ vnd sie hergegen 2 abgehn/ kamen auch mit dem
17 also bald fort/ das wir gern inn einer halben stund einander
18 verloren.
19 Darbey wol abzunem̅en/ das wir vnder 4 haupt_ vnd
20 4 seyten Winden/ fünff fort zufahren/ zum besten haten/
21 ( dieweil wir mit der Tramontana vnd dem Midi, Nort vnd
22 Sud genennet/ so wol/ alß mit den andern dreyen vom Nidergang
23 wehend/ mochten fort kommen ) wie hergegen widerumb
24 3 widerwertige/ alß den Syrocco, Leuantino vnd
25 Græco, die vns am hinein fahren hinderlich waren. Fuͦhre̅
26 also ferrner bey dem wehrnden Wetter so schnell fort/ das
27 wir am dritten tag/ auff den 24 Septembris gegen dem
28 Abent/ die grosse Jnsel Cypern, welche in 500 meiln ferrne
29 von Candia, ersahen. Dieweil wir aber zuͦ weit auff
30 die rechte gefahren/ muͦsten wir biß inn Cypern zukom̅en/
31 die Nacht vnd volgenden Tag zuͦbringen. Am Morgen
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1 desselbigen ersahen wir auff 200 meiln ferrne in Syria das
2 hohe Gebürge Libani, wie auch gegen dem Abent/ da wir
3 bey Salamine in Hafen eingelauffen/ an welchem ort das
4 beste Moͤhrsaltz/ so jrgend zuͦfinden/ gemacht wirt: Da
5 theten wir abermals auff vnser glückliche ankunfft ( wie
6 man zuͦthun pfleget ) 3 frewdenschüß/ vnd fuͦhren vnser etliche
7 sampt dem Patrono hinauß ans land/ da Wasser zufassen/
8 vnd nach den vnserigen zufragen. Gleich im lenden
9 traffen wir drey raysige Türcken an/ sampt einem
10 Welschen jrer Sprach kündig/ die liessen vns durch jren
11 Dolmetschen ansprechen/ vnnd fuͤren zuͦ jhrem Obersten/
12 welcher bey dem Marck Salamine zuͦ Feld lag auff einer
13 hoͤhin/ von dannen man weit hinauß auff das hohe Moͤhr
14 sehen mocht. Alß wir bey einer stund gegangen/ vnd nun
15 mehr hinzuͦ naheten/ ersahen wir inn 30 auffgerichte Zelten/
16 vnd endtlich vnder anderen auch jhres Obersten Gezelt/
17 darunder etliche schoͤne Teppich waren auffgebrait/
18 vnd den Herren ( welcher ein grossen weissen Bundt auff hat/
19 vnd angethon war/ mit einem schoͤnen lang roten wullin
20 gefuͤterten Caban ) auff dem mitlern sitzend: haltend in
21 seiner hand ein langes Eysen/ welches in seiner forma einem
22 Ribeysen/ damit man pflegt die Layb brots an boͤden
23 zu saͤubern/ fast gleichet/ allein daß des vmb ain zimlichs
24 schmaͤler ward: solche ersihet man gemainklich zuͦ Sommers zeite̅
25 bey grossen Türckischen Herrn/ damit sie pflege̅
26 hinde̅ zwischen den klaidern hinein zuͦ lange̅/ vm̅ den beiß/
27 so sie/ sonderlich im rucken befinden/ zuuertreibe̅: neben jme
28 hocktent etliche mehr Herrn herumb/ auch hielt ausserhalb
29 sein Guardia mit Büchsen vn̅ Sebeln versehen/ vnder andern
30 war sonderlich ein ansehenlicher mit einer Tigerhaut
31 bedecket/ der hielt ain grossen eysin Kolben in seiner hand.
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1 Auff sein deß Herren begeren traten wir hinzuͦ/ theten
2 jhm sein gebürliche Reuerentz/ nach jrer gewohnheit/
3 vns mit dem haupt vnd gantzen leib für sich naigende/ vnd
4 die rechte hand auff der brust haltendt: auch thet vnser Patron
5 seine Schuͦch auß/ tratt ferrner hinein/ vnnd hocket
6 wie andere vor jhme nider/ wir zwen aber setzten vns gleich
7 ausserhalb inn die herbey gebrachte Sessel. Da fieng der
8 Herr an vnsern Patron durch seinen Dolmetschen zufragen/
9 waher wir kemen/ wie lang wir vnder wegen gewesen
10 weren/ was für Wahren wir mit brechten/ vnd ob wir willens
11 die alhie zuuerkauffen/ darauff jme vnser Patron gebürliche
12 antwort gegeben. Hernacher fieng er an nach
13 newen zeytungen weitter zufragen. Nemlich/ wo sich die
14 Spanische Armada jetziger zeit hielte/ wie starck auch die
15 were/ vnd ob sich der Koͤnig auß Spania nit mit andern
16 mehr Potentaten verbunden hette: wie auch der Koͤnig in
17 Franckreich sich mit seine̅ Huganoten vergleiche/ wie vest
18 die Statt Roschella were/ ob sie der Koͤnig mit gewalt eingenom̅en/
19 oder sie behuldigt hette. Da nu solches gespraͤch
20 bey einer halben stund gewehret/ hat er vns endtlich gantz
21 freundtlich erlaubet/ vnseren geschefften weitter nachzugehn.
22 Also seind wir widerumb mit gebürlicher Reuerentz
23 abgezogen/ vnnd giengen noch den Abent hinein in den
24 Marck Salamine / nach den vnserigen zufragen/ da befanden
25 wir/ das jetzgemelter Marck/ wie auch die gantze gegend
26 herumb/ so hart verderbet/ das wenig gantze heüser
27 hierumb zufinden waren. Da wir nun der vnserigen kainen
28 funden/ noch etwas sonders darinn zuuerrichten hetten/
29 kerten wir gleich wider nach vnserem Schiff/ vnd vnderwegen
30 fande ich nichts sonders von Kreütern/ dann etlich
31 Capparen stauden/ Paliurum vnd Cali.
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1 Alß nun die vnserige Wasser auß dem Brunnen nehe
2 beym Portu gefasset/ stigen wir wider inn das Schiff/
3 liessen vnsere Segel fallen/ vnd fuͦhren bey der Nacht daruon.
4 Weil wir nun von dannen auff Tripolim zuͦsegelten/
5 hetten wir mehrthails widerwind/ die vns dermassen gehindert/
6 das wir erst den letsten Septembris inn den Portum
7 eingelauffen. Dem Allmechtigen ewigen Gott/ seye
8 ewigs lob/ ehr vnd danck gesaget/ der vns alle gnedigklich
9 vnder seinem schutz vnd schürm erhalten/ vn̅ vns wider mit
10 guͦter gesundtheit in den Portum ans land hat verholffen.
11 Von der Namhafften Statt Tripoli,
12 jrer Fruchtbaren gegne/ vnd den grossen Gewerben
13 derselbigen: darneben auch etwas von kostlichen
14 Baͤdern vnd andern herrlichen gebaͤwen/
15 so darinnen zufinden.
16 Das 2. Capitel.
17 AVsen vor Tripoli an den gestatten
18 des Moͤhres herumb/ ersahen wir im
19 Land 5 Castella stehn/ welche sich grossen
20 vnnd hohen starcken Thürn vergleichen/
21 deren je einer vom andern eines Büchsenschuß
22 weit ist/ die seind mit etlichen wenigen Janitscharen
23 besetzet/ damit sie die Schiff im Hafen ( welcher mit etlichen
24 Felsen vnnd schrofen vbel beschlossen ) vnnd das Zolhauß
25 die Dogana genannt/ an der lende/ sampt den grossen
26 Gewelbern so darbey ( in denen allerlay Wahren von mehr
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1 orten herbey gebracht/ zufinden/ ) vor vberfall vnd einlauff
2 zuuerhuͤten vnd bewaren: Nach dem aber die Sonn schon
3 vndergangen/ vnd vns nun mehr die Nacht wolte vberfallen/
4 eyleten wir inn die Statt zukommen/ dahin wir noch
5 wol ein stund wegs zugehn hetten. Mit vns giengen etliche
6 Türcken / die hetten keine andere Wehren bey sich/ dan̅
7 lange vnnd starcke bengel/ welche sie/ wie mir ward angezaigt/
8 maistthails tragen/ vmb die Wolff Cygalli genennet/
9 ( deren gar vil in denen Landen/ die mit hauffen auff
10 dem raub bey der Nacht herumb lauffen ) abzutreiben. Deren
11 kamen etliche/ inn dem weil wir dauon redeten/ zuͦ vns
12 gelauffen/ seind in der groͤsse vnd forma den Hunden zimlich
13 gleich. Alß bald sie aber vnser ansichtig werden/ wendeten
14 sie sich/ vnd strichen daruon. Da wir nun zur Statt porten
15 kamen/ funden wir sie schon beschlossen/ also ruͤffet
16 vnserer bekanten einer/ ( welcher vns zuempfahen entgegen gangen
17 ) etlichen Frantzosen in jrer herberg auff jr
18 Sprach Fundique genennet/ die beym Thor biß auff die
19 Stattmauren hinauß raichet/ vnd bate sie/ das jren einer
20 vnbeschweret were/ den Sangiacho anzusprechen/ vnd zubitten/
21 das man das Thor eroͤffnen/ vnnd vns einlassen
22 wolte/ dessen sie sich zuthuͦn guͦtwillig erboten. Darzwischen
23 aber weil wir vor dem Thor warteten/ lieff bald ain
24 anderer/ mit dem vnser bekannter vnd gefert feindtschafft
25 hette/ hin/ zubestellen etliche Türcken vnd Moren/ das sie
26 vns vberfielen/ die eylten bald seinem begere̅ gnuͦg zuthuͦn/
27 vnd kamen durch ein andere Porten/ so nim̅er beschlossen
28 wirt/ aussen an der Stattmauren hinumb zuͦ vns/ vberfielen
29 vns vnuersehens/ schluͦgen vnnd griffen nach vns/ insonderheit
30 aber nach vnserem guͦten freund/ vber welchen
31 dises spil angericht war: etliche andere aber zuckten jhre
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1 Sebel vber vns/ das wir anderst nicht gedachten/ es wurde
2 stuck vnd trim̅er geben. Jn dem weil der streyt also weret/
3 ward das Thor endtlich geoͤffnet/ vnnd lieffen etliche
4 der Frantzosen herauß/ hernacher auch jr Herr der Consul
5 selb/ vns zuͦ helffen/ der sprach jhnen dapffer vnd ernstlich
6 zuͦ/ sie solten innhalten/ biß die sach dem Sangiacho vnnd
7 Cadi zuerkennen wurde fürgehalten/ das sie zuͦ letst nach
8 langem/ anhalten vnd ernstlichen ermanen gethon. Also
9 seind wir nach solchem vnfreundtlichen gruͦß vnd willkom̅/
10 im getüm̅el hinein inn jre̅ Fondaco gezuckt worden/ vnnd
11 darinnen vber Nacht gebliben. Der Consul war hierüber
12 vbel zufriden/ dieweil er sahe/ das solche vberlauff den seinigen
13 beschwerlich sein wurden/ hat derhalben sich dessen
14 hart beschweret/ vnd dem anfenger so lang nach gefraget/
15 biß er vernommen wer er were.
16 Alß nun der Tag anbrach/ kerten wir bey den vnserigen
17 ein/ alda ein zeitlang zuͦbleiben: darzwischen giengen
18 wir etliche mal herumb in vnsern gewohnlichen klaydern/
19 was zuersehen/ innsonderheit aber die Statt/ welche liget
20 in der Landschafft Syria Phœniciæ, die sich an den gestatten
21 deß Moͤhrs für Berithum, Sidon, Tyrum vnnd Acon
22 hinumb/ biß an den Berg Carmelum erstrecket. Es ist aber
23 dise Statt Tripolis zimlich groß/ Volckreich vnnd Namhafft/
24 von wegen der grosse niderlag der Wahren/ die dahin
25 taͤglich zuͦ Wasser vnd Land gebracht werden/ vnd ligt
26 inn ainer lustigen gegne/ an den vorbergen des hohen Gebürges
27 Libani, die gegen dem Moͤhr gar eben/ in welcher
28 ebne herumb vil Wein vnnd wolgepflantzte Krautgaͤrten
29 zusehen/ die mehrthails mit thoren vnd heggen vmbzaͤunnet/
30 inn welchen sonderlich Ramni, Paliuri, Oxyacanthæ,
31 Phyllireæ, Lycium, wilde Granatenbaͤumlen/ Rubi, Palmenbaͤumlen/
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1 vorab deren/ die noch nider/ vnnd erst anfangen
2 herfür zuͦschiessen/ gefunden werden. Jnn disen
3 Gaͤrten/ so man hinein kompt/ werden gefunden/ mehrerlay
4 sorten von Salat vnd Kuchenkreüter/ alß Endiuien,
5 Lattich, Ruckelen, Aspargen, Eppich, welches obere koͤpflein
6 an wurtzlen gar guͦt mit saltz vnnd pfeffer zuͦessen/ sonderlich
7 aber deren/ so auß Cypern gebracht werden/ Tragon,
8 von jnnwohnern Tarchon genennet/ Cappiskraut/
9 Caulifiori, Ruͦben/ Rettich/ Kren/ Fenchel des groͤssern/
10 Zwibel/ Knobloch rc. Auch werden nit minder der Frücht
11 gefunden/ alß Anguriæ, Melones, Kürbsen/ Citrulli, Melongena,
12 Sesamum, ( Samsaim von jn̅wohnern genennet )
13 deß Somen sie auff das Brot zuͦstrewen sehr im gebrauch
14 haben/ vnd andere mehr: insonderheit aber die Colocassia,
15 welche bey jhnen gar gemain/ vnnd das gantze Jar durch
16 zukauffen gefunden wirdt: solche hab ich auch wol für sich
17 selb wachsend/ in klainen baͤchlein gefunden/ aber niemals
18 weder bluͦmen noch somen daran moͤgen ersehen. Es stehn
19 auch inn vnd ausserhalb der Gaͤrten vil Datteln vnd weisse
20 Maulberbaͤum/ die in jrer hoͤhe vnsere aͤspen vnd Nußbaͤum
21 weit vbertreffen. Jtem Granatenbaͤum/ vnd die/
22 daran das S. Johanns brot/ so von Griechen Xylocerata,
23 den Arabern aber Charnubi genennet wirt/ wachsset:
24 deßgleichen oͤl_ vnd Mandelbaͤum/ Sebesten, deren frücht
25 in vnsern Apotecken/ auch vnder disem Namen zufinden/
26 Poma Adami Math: Am allermaisten aber seind darinnen
27 Citron, Lemon, Pomerantzenbaͤum/ welliche so gemain/
28 das sie jren/ sonderlich der Pomerantzen/ wol so wenig/
29 alß wir der Birn vnd Holtzoͤpfel achtend. Durch die
30 Gaͤrten gehn etliche mehr weg/ das also gar lustig dardurch
31 zuͦ spacieren/ sonderlich aber zuͦ Sommers zeiten/ alß darinnen
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1 gruͤne vnd schattechte schoͤne bletz zufinden/ in denen
2 man sich vor der grellen hitz der Sonnen kan auffhalten:
3 vnd da einer oder mehr im hindurch gehn/ lust zuͦ den früchten
4 hetten/ moͤgen die von den abgefallnen sicher etliche
5 auffheben/ oder von den naͤchsten Baͤumen/ so am weg
6 stehn/ abbrechen/ vnd mit sich nemmen.
7 Aussen am gestadt deß Moͤhres herumb/ bey der alten
8 Statt Tripoli ( welche sampt anderen mehr/ alß Antiochia,
9 Laodicæa @c. im Jar Christ 1183 durch ein
10 grossen Erdbide̅ ist dermassen verfallen/ das weitter nichts/
11 dann etliche wenige Merckmal zusehen ) waren mehr schoͤne
12 Lust_ vnd Krautgaͤrten/ deren etliche Kauffleüt noch gedencken.
13 Dise seind aber in wenig Jaren von vngestuͤminen
14 deß Moͤhrs so gar verwuͤstet/ vnd mit dem sand/ so das
15 Wasser darüber außgeworffen/ dermassen bedeckt worden/
16 das heütigs tags an denen orten sonderlichs nichts/ dann
17 ain sandechter boden ( wie im wuͤsten Arabien ) zuͦfinden.
18 Gleichwol haben sie vmb Tripoli an Wassern keine̅ mangel/
19 dann etliche flüß vom hohen gebürge herab fallen/ die
20 thails jren lauff durch die Statt nemmen/ thails auch ausserhalb
21 durch das Feld/ das sie also inn der Statt an Roͤrbrunnen/
22 vnnd ausserhalb jhre Krautgaͤrten zuͦ waͤsseren
23 reich gnuͦg seind.
24 Die newe Statt an jr selb ist nit vest/ darzuͦ auch mit
25 mauren vnd graͤben so vbel verwaret/ das man bey naͤchtlicher
26 weil an etlichen orten kan auß vnd ein kommen: Allein
27 hat sie innerhalb ein altes Schloß auff einer hoͤhin am
28 Wasser ligendt/ mit etlichen wenigen Janitscharen besetzet.
29 Es haben auch die jnnwohner nidere behausungen/
30 die vbel erbawet/ vnd oben gantz flach/ wie sie in Morgenlaͤndern
31 gemainklich seind/ welche für die Taͤcher mit einem
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1 oͤsterich bedecket/ das man darauff ( so weit die behausung )
2 kan vmbgehn: also begibt sichs taͤglich/ das die
3 Nachbauren auff jhren heüsern von einem auff das ander
4 gehn/ vnd einander haimsuchen/ auch die Naͤcht/ sonderlich
5 zuͦ Sommers zeiten in der kuͦle darauff schlaffen. Weil
6 dem also/ kan demnach wol sein/ das die 4 ( wie Marci
7 am 2 vnd Luce am 5 zulesen ) so den Gichtbrüchigen getragen/
8 vnd den für dem Volck nicht zum Herren Christo
9 bringen mochten/ solchen oben auff einer deren behausungen/
10 im Beth ligend/ durch das Tach hinab gelassen haben.
11 Gegen den strassen habens nit/ wie in vnseren Landen/
12 so hohe grosse Thoͤrer vnd weite einfarten/ ( außgenommen
13 etliche wenige Kauffheüser ) dieweil bey jnen kain
14 gebrauch weder der Wagen noch Karren/ haben mehrthails
15 nur kleine nidere Thürlein/ die zuͦ zeiten kaum eines
16 halben Manns hoch/ das sich also einer wol/ der anderst
17 ohn gestossen hinein will/ bucken muͦß. Auch seind in vilen
18 heüsern die eingaͤng so finster vnd tieff/ das einer solte vermainen/
19 er gieng inn eine Hüle oder Keller hinab. Wann
20 man aber dardurch hinein kommet/ da werden erst inn etlichen
21 ersehen/ weite hoͤf/ in denen schoͤne Roͤrkaͤsten/ darauß
22 sie sich taͤglich waschen: inn etlichen andern aber gepflesterte
23 Saͤl/ deren thails von Marmelstainen künstliche
24 eingelegte Pfletz haben/ auff eine 2 etwa 3 stapflen erhoͤhet/
25 welche sie gar rain vnnd sauber halten/ mit schoͤnen
26 Teppichen gezieret vnd vmbleget/ darauff sie sitzen/ vnnd
27 oben mit einem hohen vnd weitten gewelbten bogen bedecket/
28 der an der ainen seyten gar offen/ das also die Türcken /
29 sonderlich zuͦ Sommers zeiten/ fein lüfftig darunder
30 sitzen moͤgen.
31 Jre Thurn vnd Haͤuser seind mehrthails mit Hültzin
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1 Rigeln beschlossen/ welliche innen hol/ darzuͦ sie/ die
2 auffzuschliessen/ hültzine Schlüssel haben/ die inn der lenge
3 ainer guͦten spannen/ vnd eines daumen dück seind: in
4 welchen zuͦ forderst an der einen seyten inn 5. 6. 7. 8. 9. rc.
5 kurtze Naͤgelein oder starcke Traͤtlein stecken/ in der ordnung
6 vnd weite von einander/ das sie auff die andere verborgne
7 auß der hültzinen klam̅en inn beschlossnen rigel herab fallende/
8 gleich zuͦ gehn/ die darmit auß dem rigel wider
9 vbersich zuͦ heben/ vnd hindersich zuͦ ziehen.
10 Die Gassen seind zimlich eng/ mit grossen stainen
11 vnd blatten gepflestert/ vnnd haben ( sonderlich die/ dardurch
12 die strassen gehn ) inn der mitte ein tieffe einer stapfel/
13 welche so brait/ das in deren ain geladner Camel wol eingehn/
14 oder einer darüber schreiten mag/ welche tieffe in den
15 strassen darzuͦ gemachet sein sollen/ damit inn grossen Carouanen
16 die geladne Camel, Esel rc. so da taͤglich ankommen/
17 nach einander inn jrer ordnung fein eingehn/ das
18 man vor jnen in den gassen ohne hindernuß koͤndte wandlen
19 vnd handlen. Damit aber dise geng sauber vnnd trucken
20 bleiben/ haben sie an etlichen orten/ vnder der tieffe
21 verborgne rin̅en/ mit langen brayten stainen bedecket dardurch
22 das Regenwasser so wol/ alß das von den Roͤrbrunnen/
23 seinen ablauff nimmet.
24 Sonst habens von ansehenlichen schoͤnen gebaͤwen
25 nicht sonders zuweysen/ ohne allein etliche Kürchen/ in die
26 kein Christ gehn darff/ er woͤll sich dann beschneiden/ vnnd
27 zum Mamalucken machen lassen: vnnd etliche grosse behausungen
28 von jnnwohnern Champ vnnd Caruatscharas
29 genennet/ darinnen vil Magazsin oder Gewelber vnnd
30 Kam̅ern neben einander/ wie in ansehenlichen Kloͤstern
31 zuͦfinden/ in deren mitte ain grosser weiter Hof/ darein
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1 fürnemlich die frembden vnd Kauffleüt ( so da taͤglich mit
2 jren Wahren inn grossen Carouanen an kommen ) alß in
3 offne Herbergen einziehen/ dieweil sonst durch die Türckey
4 auß keine Wirtsheüser zuͦfinden.
5 Dise Herbergen rc. gehoͤren mehrthails dem grossen
6 Türcken vnd seinen Baschis zuͦ/ alß den fürnembsten/ welche
7 sie fürnemlich darumb hin vnnd wider in den Staͤtten
8 erbawend/ damit sie jnen ein Jaͤrlich guͦt einkom̅en ( wie die
9 Venediger auß dem Teutschen hauß zuͦ Venedig ) machen.
10 Letztlich seind ausser disen gebaͤwen noch jhre Badstuben/
11 welche so herrlich vnd wol erbauwet vnd zuͦgericht/
12 das sie bald alle andere gebaͤw in jrer schoͤne vnnd kostlichkait
13 vbertreffen/ deßhalben solche sehens wol werd seind.
14 Vnd dieweil die Türcken / Moren/ Arabes @c. nach jrem
15 Machometischen gesetz offt baden/ sich von jhren vilfaltigen
16 vbertrettungen vnd sünden/ so sie taͤglich begehn/ abzuwaschen
17 vnd zuͦ rainigen/ sonderlich aber zur zeit/ wanns
18 in die Kirchen gehn woͤllen: habens jhre beraite Badstuben/
19 die sie mit ainem steten feurlein/ in gleicher hitz/ die
20 gantze Wochen durch/ vnderhalten/ das man zuͦ jeder zeit/
21 es sey bey Tag oder Nacht/ darinn baden koͤnde: vnd haitzen
22 die mit geringem vnkosten/ dieweil si ( von wegen des
23 artlichen vn̅ nutzlichen gebaͤws ) bey weitem nit souil holtz/
24 alß man gedencken moͤcht/ verbrennen. Dann sie haben
25 erstlich vnder der erden ain grosses vnd tieffes gewelb/ gleichend
26 einem zimlich weiten Keller/ welches allenthalben
27 gar wol verwaret/ vnd dermassen beschlossen/ das es oben
28 nit mehr dann zway kleine lufftloͤchlein hat/ deren das ober
29 inn der groͤsse ainer zimlichen glaßscheiben/ vnnd das ander/
30 so ein wenig besser vnderhalb/ vmb ein zimlichs groͤsser
31 ist/ dardurch sie brügelholtz/ oder in mangel dessen/ stuck
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1 von zelten ( auß dem kott der Camelen, Gayßen rc. auch
2 auß den trestern vnd trappen der gekelterten trauben gemachet )
3 die sie darfür brennen/ Solche seind so dür/ das
4 sie vnden gleich von der grossen hitz vberlauffen/ vnnd anfangen
5 zuͦ glosten/ wie die stainkolen oder dorffen/ welche
6 in Niderlanden vnd andern mehr orten/ da wenig holtz/ gebraͤuchig:
7 die geben bald von sich ein so grelle hitz/ vnd erwaͤrmendt
8 das gantze gewelb dermassen/ das solliche auch
9 durch die Badstuben auß/ so gleich darauff/ ain zimliche
10 hitz gibt. Vnd ist doch das gewelb so wol verhaimet/ das
11 kein rauch noch dampff im bad gespüret wirt/ ob schon zun
12 zeiten die hitz eben groß wirt. Damit aber das fewr nit abgang/
13 ist sonderlich einer darzuͦ verordnet/ der dem steths
14 außwarte/ vnd souil von jren dorffen darauff ( alß von noͤten
15 das zuͦ vnderhalten ) hinab werffe. Dise jre Baͤder
16 ( welche nach der alten Griechen vnd Roͤmer gebrauch gar
17 herrlich erbawet ) haben nahe beym eingang ain schoͤnen
18 Sal/ der ( wie auch das gantze Bad durch auß ) mit Marmelstainen
19 von mancherlay farben künstlich eingelegt/ vnd
20 gepflestert/ auch in die hoͤhe wie ein grosse Capeln erbawet/
21 die oben mit einem runden kuglechten gewelb beschlossen
22 ist. An seyten herumb seind braite prucken/ darauff sich die
23 Badleüt abziehen/ wie dann daher diser erste thail deß bades
24 ( deren in 5 bey den alten waren ) Apodyterium ist genennet
25 worden. Jn der mitte der Baͤder/ ist ein schoͤner
26 Roͤrbrunn lustig zusehen/ auß dem sie allen vnnd jeden so
27 auß dem bad gehn/ fuͦßwasser anmachen/ vnd darbey auch
28 die Badtuͤcher/ so gebrauchet seind worden/ widerumb außlichen/
29 die sie hernacher gleich an die strick hoch oben vber
30 2 in 3 gaden hoch/ im gewelb herumb auffgezogen/ so gewiß
31 hinauff werffen/ vnnd mit einer langen stangen/ in einem
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1 zug/ so gleich außbraiten/ die zuͦ trücknen/ alß hetten
2 sie es gleich für sich mit fleiß auffgehencket/ das sich also einer
3 darüber wol hat zuuerwundern. Wann sie solche badtuͤcher
4 wider haben woͤllen/ langend sie es mit den stangen/
5 welche zur hand gleich bey den Roͤrbrunnen stecken/ widerumb
6 herab. Sie seind aber gar schoͤn von mancherlay
7 farben gewürcket/ daruon geben sie einem jeden/ der in das
8 Bad will/ zway/ wie auch im außgehn noch zway andere/
9 das eine vber den Kopff/ vnd das ander vmb sich zuschlagen/
10 wie die Becken vnd Müller bey vns zuͦthon pflegen.
11 So man hinein in die Badstuben will/ hat einer durch zwo/
12 etwan in 3 Kam̅ern zuͦ gehn/ deren je eine waͤrmer alß die
13 ander/ biß man endtlich kommet inn die groͤssest vnd waͤrmeste/
14 welche ( wie der andern jede ) oben jr rundes kuglechtes
15 gewelb hat/ darinnen herumb vil loͤcher zuͦsehen/ die
16 fein in ein ordnung gericht/ vnd mit scheiben so maisterlich
17 versetzt seind/ das sie dem gantzen Bad ain guͦte liechte vnd
18 schoͤne zierd geben. Jn der grossen Badstuben/ stehn etliche
19 grosse gantz Marmelstainine geschirr/ darein das wasser
20 gelassen wirt/ auch seind an derselben Badstuben herumb
21 noch wol 3 inn 4 klaine Kaͤm̅erlein/ die fürnemlich
22 grossen Herren werden auffgehalten/ in denen sie abgesoͤndert
23 moͤgen rhuͤwig vnd von andern vnuerhindert außbaden.
24 Ausser disen allen/ ist noch ein andere stuben/ inn
25 dero ein zimlich grosser vnd tieffer Marmelstaininer Wasserkasten
26 oder trog/ in welchen sich ain jeder nach gethonem
27 schwaiß mag begeben/ darein seind Roͤren gericht/ das
28 Wasser nach allem wolgefallen zuͦ temperieren. Dise stuben
29 alle wie gemelt/ werden vnden von dem einigen fewr
30 erwaͤrmet/ vnd gehn die Türcken vnd Moren ( welche baide
31 Nationes fast gleiche Religion vn̅ Ceremonias haben )
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1 gar offt darein/ innsonderheit aber die Weiber kom̅en mit
2 hauffen/ welche schier nimmer dann darinn vnnd bey den
3 graͤbern jrer verwandten zuͦsamen kommen/ werden derhalben
4 dise herrliche vnd kostliche gebaͤw ( dergleichen nit bald
5 weit vnd brait zuͦ finden ) wesentlich von jnen vnderhalten.
6 Wann einer hinein kommen/ vnd ein wenig erwarmet/ ist
7 bald jhrer Badknecht einer da ( die mehrthails schwartze
8 Moren ) der jn rücklingen auff das pfletz niderleget/ jm alle
9 glider deß gantzen leibes hin vnnd wider dermassen rencket
10 vnd außstrecket/ das sie ainem krachen moͤchten: hernacher
11 kniet er jme auch auff seine Arm/ die er jm auff seiner brust
12 vber einander mit den kniee̅ ein guͦte weil geschrencket halt/
13 naiget sich fürsich vnd hebet jme mit baiden haͤnden ( weil
14 er jn alß einen gefangnen vnder sich halt ) den kopff vbersich.
15 ( Also hat sichs auff ein zeit begeben/ da vnser etlich
16 mit einander darein giengen/ vnnd vns von den Moren
17 dermassen liessen/ wie gemelt/ tractieren, verrencket deren
18 einer meinem Gesellen den halß so sehr/ das er den kopff in
19 etlichen tagen nit kundt vmbwenden ) wann das geschehen/
20 so leget der Mor erst einen für sich herumb auff das angesicht/
21 greiffet vnd rencket jhm abermals alle glider dermassen/
22 alß wann er ain pflaster malaxieret, stehet jm auch endlich
23 mit bayden fuͤssen zuͦ oberst auff die schulterblat/ vnnd
24 ( inn dem er sich buckende an seine bayde Arm helt ) fert er
25 jm mit denselben vber den rucken auß/ vnnd richtet jn hernacher
26 widerumb auff/ vnnd geht daruon. Weil dann einer
27 ruͦhet vnnd wider schwitzet/ machet jhm der Badknecht
28 ain Salben an/ die haar zuuertreiben/ dann sie keine haar
29 am leib/ alß vnder den Achßlen/ noch an andern orten
30 wachßen lassen/ Darzuͦ nimpt er vngeleschten Kalch ( von
31 Arabern Kils genannt ) vnnd ein wenig vom Sarnick, das
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1 ist/ Auripigment, die mischet Er gepulfert vnder einander
2 mit wasser/ bestreichet damit den Badleüten die haarechtige
3 oͤrter/ vnd sihet so offt darzuͦ/ biß das er befindet/ daß
4 sie anfangen außgehn/ alßdann weschet ers jhnen bald/
5 ( ehe sie ein mit jrer schoͤrpffe versehret ) widerumb ab/ wann
6 das geschehen/ so nimpt der Mor ain schoͤn weises werck/
7 duncket das in ein Sayffenwasser/ vnd vberfehrt jme darmit
8 den gantzen leib/ das werck/ wie gemeldt/ ist schoͤn
9 weiß/ gar nahe wie die Bonwollen/ von groͤberen haaren/
10 welches mit sich bringend die Pilgram/ so zuͦ Mecha gewesen:
11 das kommet her von Rinden der Baͤumen/ die das
12 Bdellium geben/ vnd werden darauß Sayler gemachet/
13 wie auch auß den stilen der spatten von Palmenbaͤumen:
14 auch werden die schalen der früchten von denselben Baͤumen
15 ( welche inn der groͤsse ainer welschen Nuß ) genom̅en/
16 vnd oben an jhre Neper gestecket/ die sie darbey zuͦhalten
17 pflegen/ wann sie es mit dem riemen darumb geschlagen/
18 ziehen. Zuͦ letst zwagens auch den leüten/ vnd vermischen
19 zu zeiten mit jrer Laugen/ sonderlich aber den Weibern ein
20 Eschenfarbe Erden/ so sie Malun nennent/ den kopff zuͦ
21 saͤubern/ vnd lange haar zumachen. Sie haben auch sonst
22 ein Erden/ die sie Iusabor nennent/ welche jre Weiber offt
23 vnd dick essen/ wie bey vns etwa die schwangere Kolen vnd
24 andere ding. Jetztuermeldte jre Baͤder/ stehn den außlaͤndischen/
25 alß Teutschen / Frantzosen / Jtalianern rc. auch
26 darein zuͦgehn/ so wol offen/ alß den Türcken vnd Moren/
27 allein das sie sich huͤten/ nit in die jhenige zuͦkommen/ in
28 deren jre Weiber seind/ woͤllen sie sich anderst nit in gefahr
29 leibes vnd lebens begeben. Damit man aber wissen koͤnde/
30 in welchem die seyen/ henckens nun für die Porten aussen
31 gegen der gassen ein Duͦch/ das also ein jeder/ der schon
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1 willens gewesen darein zuͦgehn/ in ansehung dises/ muͦß
2 fürüber ziehen/ vnd ein anders suͦchen.
3 Was nun ferrner die Handtierungen belangt/ finden
4 sich in diser Statt ( weil da ein grosse Niderlag der
5 Wahren/ die weit in alle Land auß verschicket werden ) vil
6 Kauffleüt/ sonderlich aber von Frantzosen vnnd Jtalianern /
7 welche haben zwen Weise/ verstendige/ ansehenliche
8 Maͤnner zun Fürstehern/ deren der eine/ so alhie wohnet/
9 ein Frantzoß / der ander aber/ so zuͦ Halepo sich verhaltet/
10 ein Venediger ist/ die werden Consuls von jnen genannt/
11 vmb den jrigen mit hilff vnd rath guͦten beystand zuͦthuͦn/
12 vnd die frembdling/ so zuͦ jnen kommen/ auff vnnd an zuͦnemmen.
13 Darumb dann solche von jrer Herrschafft vnd
14 Oberkeit dahin verordnet/ vnd mit Priuilegien vom Türckischen
15 Kayser confirmiert werden/ das sie die Kauffleüt
16 mit jhren Wahren an den enden vnnd orten lassen bey sich
17 einziehen/ vnd die vor eüsserlichem gewalt der Türcken vnd
18 Moren beschitzen vnd beschürmen/ damit sie vnder jhnen
19 moͤgen ohne hindernuß wandlen vnd handlen. Dise Consuls,
20 tragen noch jhre gewohnliche Klaider/ welche von
21 gantz rotem Atlaß/ Samet/ Damast rc. gar kostlich zuͦgericht/
22 vnd nemmen mit sich Schneider/ Schuͦster/ innsonderheit
23 aber jre Artzet/ Apotecker/ Balbierer/ Priester rc.
24 haben auch neben disen jre Dolmetschen/ welche der Türckischen
25 vnd Arabischen sprachen erfahren/ alß sonderlich
26 der Venedische Consul, weil der nit lenger/ dann biß in 3
27 Jar lang zu bleiben hat/ wann die verschinen/ wirt von
28 jrem Hertzogen gleich ein anderer gesandt/ an sein statt.
29 So bald der newe zuͦ Tripoli ankom̅et/ darff er nit ehe auß
30 dem Schiff hinauß ans land tretten/ es hab jn dan̅ der alte
31 Consul zuuor inn dem Schiff besuͦchet vnd empfangen.
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1 Es seind auch disen Consulibus zwo weite behausungen
2 eingeben/ von jnen Fondiques genennet/ die gleich
3 an zwayen Statthoren stehn/ welche auff den Portum vnd
4 der lende des Moͤhrs zuͦ sehen/ damit sie desto belder moͤgen
5 mit jren Wahren auß vnd ein kommen. Deßhalben halten
6 den gantzen tag vnder den zwayen Thoren/ vil Moren
7 mit kleinen Müllereselein/ die Kauff_ vnd Schiffleut/ so hinauß
8 an die lende woͤllen/ auß vnd ein zufuͤren. Dise zwo
9 behausungen seind weit/ mit Gewelben vnd Kam̅ern dermassen
10 erbawet/ das sie koͤnden bey einander wohnen/ vnd
11 jre Wahren darinnen gnuͦgsamlich versorgen.
12 Zuͦ den Frantzosen ziehen auch ein/ die von Genua,
13 Fiorenza, Luca, hohe Teutschen / Niderlaͤnder rc. wie zuͦ
14 den Venedigern die jhenige/ so vnder jhrer Herrschafft gebuͤt
15 sitzen/ alß die auß Candia, Corfu @c. jhre Fondiques
16 haben nit mehr dann ein grosse Porten/ darunder Janitscharen
17 sitzen/ vnd Wacht halten: wann jhre Herren die
18 Consules außgehn/ habens von den Kauffleüten vnd Dienern
19 ein grossen anhang/ vnd seind bey den Türcken vnnd
20 Moren inn so grossem vnnd hohem ansehen/ alß nit die
21 Bascha selb sein moͤchten: die nemmen allemal auch mit
22 sich jre Janitscharen/ welche mit grossen langen Benglen
23 vor an gehn/ vnd das Volck ( wanns auch schon Türcken
24 weren ) auß dem weg schlagen.
25 Die Kauffleüt haben mit den Juden taͤglich vil zuͦ
26 handlen/ sintemal solche viler Sprachen kündig/ vnd wol
27 wissen den bschiß oder preiß aller Wahren/ die eintweders
28 jnen zuͦkauffen/ oder zuuerkauffen/ wie sie dann fast alle kaͤuff
29 inn den fürnembsten handels Staͤtten helffen beschliesse/
30 das Gelt vnd die Wexel erlegen/ darumb sie auch jre Leukaͤuff
31 ( wie die Vnderkaͤuffel oder Teuschler ) daruon habe̅.
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1 Jrer Müntzen hab ich fürnemlich dreyerlay sorten ersehen/
2 alß Aspern, Medin, vnd Saijet, die von guͦtem Silber/ vnd
3 durch die gantze Türckey auß gangbar seind. Wann grosse
4 bezalungen geschehen/ zehlen sie es nicht lang/ sondern
5 legen der Müntz ain genante anzal in die aine Schißel der
6 Wag/ vnd wegen darnach vollend die gantze Hauptsumma
7 in der andern auß. Von Guldin Müntzen haben sie
8 mehrthails nur Ducaten/ welche von guͦtem pur lauterem
9 Gold gar lind vnd bigig seind: Ausser disen findet man nit
10 bald weiter andere Müntzen/ dann Venetianische Ducaten/
11 Frantzoͤsische Teston, vnd guͦte alte Jochims Taler/
12 deren sie souil haben/ das offtermals in denen allein grosse
13 Wexel bey jnen erlegt/ vnnd also auch in die jrigen werden
14 vermüntzet. Verhalten sich also der Juden durch die Türckey
15 auß gar vil/ sonderlich aber in den fürnemsten handels Staͤtten/
16 alß zuͦ Halepo, wie auch in diser Statt Tripoli,
17 darinnen sie erst ein gewaltige behausung vnd schoͤne Synagogam
18 erbawet. Dise Juden haben des grossen Türckens
19 einkommen von Zoͤllen vnd Mauten maistthails in
20 jren haͤnden/ das also nit bald etwas in dise Land wirt gebracht/
21 noch darauß verfuͤret/ das jnen nit fürkom̅en/ welches
22 den Kauffleüten nit geringe beschwernuß bringt: vnd
23 haben die fleißig vnd wol/ so jnen etwas abkauffen/ auffzuͦsehen/
24 damit sie nit von jhnen/ alß solchen/ die alles betrugs
25 vol/ angefuͤret werden/ wie sie dann außgeben/ vnd
26 von sich selb frey herauß bekennen/ das keiner neben jhnen
27 etwas gewin̅en moͤge/ er woͤlle dann ein groͤsserer Harami,
28 das ist/ Dieb/ alß sie sein/ die wol doͤrffen eingemachte
29 welsche Nuß/ für Muscatnuß oder Myrobalanos rc. verkauffen.
30
31 Die Wahren belangend/ wann einer mehrerlay sorten
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1 vnd Wahren zusehen begeret/ seind sie in den Caruatscharas
2 oder Champen, daruon oben gemeldet/ sonderlich
3 aber inn den Batzaren oder Kauffheüsern zuͦfinden. Dise
4 Kauffheüser seind groß vnd lang/ vnd oben thails außgewelbet/
5 thails mit einem Zim̅er beschlossen/ das man also
6 zuͦ jeder zeit darunder kan trucken wandlen vnnd handlen:
7 vnden aber/ habens zuͦ bayden seyten ain laden am andern/
8 darinnen sich auch Handtwercksleüt halte̅/ alß Schuͦster/
9 Schneider/ Satler/ Seydensticker/ Drechßler/ Kesselschmid
10 /Messerschmid/ mehr auch Duͦchgwandter/
11 Gwürtzkraͤmer/ Opser/ Gardkoͤch rc. vnd andere vil mehr/
12 die alle fein inn jhre sondere gassen vnnd oͤrter zuͦsamen geordnet
13 vnd außgethailt seind. Auch gibts sonderlich mit
14 Seyden ein grossen handel/ wie dann deren nit wenig/ die
15 nichts anders/ dann schoͤne Seyden inn jren Laͤden zuuerkauffen
16 haben/ welche maistthails von den nahe herumb
17 gelegnen orten dahin gebracht wirt: dann in den Grentzen/
18 an vnd auff dem gebürge Libani, vnzelich vil Volck zuͦfinden/
19 das sich allein vom Seydinspinnen vnnd würcken erhaltet/
20 sonderlich aber zuͦ Damasco, da der Seyden gewürck
21 souil zuͦbekommen/ das deren ein Kauffman bald vm̅
22 etlich vil tausent Ducaten kan einthuͦn: Daher dann der
23 weissen Maulberbaͤum ( von jnnwohnern Tut genannt )
24 allenthalben gar vil zuersehen/ die so groß vnnd hoch/ das
25 sie daruon gnuͦgsam bletter einsamlen moͤgen/ jre Seydenwürm
26 zuͦ vnderhalten. Deren Maulberbaͤum frücht/ seind
27 weißfarb/ die tragen sie durch die Statt inn Laͤdlein herumb/
28 dem gemainen Mann zuuerkauffen. Also seind in
29 jhren Batzaren vil Seydensticker/ die schoͤne gewürck machen/
30 alß Borten/ Geschling/ Knoͤpflein/ auch gestickte
31 Seckel/ vnd binden von mehrerlay farben/ darmit sie jhre
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1 Lende̅ vm̅gürten/ solche sitzen zuͦ jrer arbait mehrthails vor
2 jhren Laͤden/ das sie von menigkilch zuͦ sehen. Wann sie etwas
3 vürcken/ oder ein faden woͤllen andrehen/ halten sie es
4 mit jrem grossen Zehen mehr/ dann das sie es an schrauffen
5 legten/ wie auch die Drechßler thuͦnd/ welche so wol ( darzuͦ
6 sitzende ) mit den zehen/ alß mit den haͤnden jhre Dreheeysen
7 fuͤren. Ferrner werden zuͦ gewisen zeiten in jetztgemelte
8 Batzaren der schoͤn grossen vnd wolgeschmachen Cibeben
9 von Damasco vnnd anderen mehr vmbligenden orten/
10 souil gebracht/ das von dannen Jaͤrlich etliche vil
11 Schiff zuͦ vns herauß gefuͤret werden. Dise vnnd andere
12 vil mehr stuck/ werden taͤglich mit hauffen inn jren Batzaren
13 gefunden/ alß da seind schoͤne Tapetzereyen/ kostliche
14 Seydingewürck/ darein Bluͦmen vnnd Rosen von mancherlay
15 farben künstlich gewürcket/ deren thails anzusehen/
16 alß werens von pur lauterem Gold. Vnder anderen aber
17 seind deren schier am aller maisten/ die allein mit Sayffen/
18 vnd der aͤschen/ darauß die Sayffen gemacht