Text 111, Wilhelm Durandus: Rationale, Wien 1384

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Text 111

Wilhelm Durandus: Durandus' Rationale in spätmittelhochdeutscher Übersetzung. Das vierte Buch nach der HS. CVP 2765

Gerard Harrie Buijssen (Hrsg.). Assen, 1966, STTHG, 172, 369 S.
Mittelbairisch (Wien), vermutl. Wien.
Zeitraum: I, 1384.
aufgenommen: S. 1-39.
Übersetzer: vermutl. Leopold Stainreuter, *um 1340 in Wien, 1368 Augustiner dort, 1377-1385 Lesemeister in Wien, Kaplan Herzog Albrechts III., †um 1400 in Wien
Textart: Kirchlich-theologischer Fachtext
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1 VORREDE
2 ZUM
3 RATIONALE DIVINORUM OFFICIORUM
4 Aristotiles der schreybet in dem pueche von der auzrichtung der
5 gemaine: We dem lannde, dez chuͤnig ein chind ist und des fuͤrsten frue
6 ezzent, wann chindes synne und unweishait lannt und leͣutte rechtleich
7 nicht gerichten mogen und fuͤrsten, diͤ da frue ezzent, dabei wiͤr all
8 unmezzichait versten, iͤrem chuͤnige nicht geraten mugen, waz des
9 lanndes notduͤrft sei, sunder si gedenkchent anders nicht denn iͤres
10 lustes, wie si den volpringen, und daz mag ane lanndes schaden nicht
11 geschehen. Wann an dem ersten seint si gabegierig, darumb daz recht
12 vercheret wiͤrt, wider daz Moyses gesprochen hat zu dem Volkch von
13 Israhel: Tu solt nicht gabe nemen, di auch di weisen plenndent und
14 vercherent der gerechten wort. Darumb auch bei alter romischer macht
15 der grosten peen vervallen waz, der umb gerechtichait der gabe gerte.
16 Si seint auch ane in selber waich, darumb si des chuniges ere und des
17 lanndes nucz mendleich und auch ritterleichen nicht geraten noch
18 geschaffen mogen. Wann als Valerius schreibet: " Athene, di grozze
19 stat ze Chriechen, verlos iͤr chaiserleiche gewalt, do sie sich der wollust
20 flaizz; der selbe gewalt gegeben wart der romischen stat, die sich in
21 aribait uͤbete " . Auch Publius Cornelius Scipio, der des romischen
22 heres in Ispanier lannt hauptmann und herre waz, do er wolte druchen
23 den hohen muͤt der stat Nunimancie, die sich anderr romischen fursten
24 lang erweret hete, do hies er an dem ersten rawmen von dem velde
25 allez, daz durch lust dahin waz komen. Do ist auch offenwar daz
26 grozze zal der leitgeben und der chrameͣr mit zwain tausent leichten
27 oder ringen frawen daz veld da selbst habent gerawmet; do wart
28 auch schiͤr diͤ stat gevellet. Davon ist anderz vil geschriben, dez ich
29 nu hie nicht schreiben wil. Auch seint diͤ fursten churczes lebens,
30 darumb daz sie unmezzig seint, wan vil mer leutte sterbent von
31 unmazze denn von dem swerte verderben, und ist in dem puͤche Job
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1 geschriben: In den alten ist die chunst und die weishait in viljaren.
2 Von dem ob geschriben worte, edler furste, habt iͤr ewch auzgenomen,
3 darumb daz iͤr nicht wellet sein der sinn ein chint, sunder iͤr
4 bewarent ewren sin mit liebe der heiligen schrifte und ander sitigen
5 lere, wann ich, wenn iͤr habt gehoret und auch aufgenomen daz wort
6 der weishait, do si sprichtet: Ich mynne die, di mich mynnen und die
7 frue zue miͤr wachent, die vindent mich. Auch volget iͤr hern Davides
8 lere, do er sprichet: Und iͤr chuͤnige, iͤr sollent nu vorsten, iͤr sollent
9 geleret werden, die di erde richtent. Ier sollent die lere begreiffen, daz icht
10 der herre werde zuͤrnen und daz iͤr nicht verderbent von dem rechten wege.
11 Mich dunchent auch, iͤr sprechent mit Salomone: Gib miͤr herre deiner
12 stuebe beistenderinn, diͤ weishait, daz ich alzeit wisse waz fuͤr diͤr genem
13 sei. Dem tuet iͤr wol geleiche, darumb daz iͤr ewch habt fuͤrgenomen,
14 wie daz iͤr alle dinch verstent, diͤ man handelt in der christenhait nach
15 des heiligen geistes lere, und habt darumb begeret, daz vor nicht gehoret
16 ist, daz man ew ze deutsche mache daz racional, dann si all
17 begriffen seint nach der lautterung der schrifte, daz iͤr auch erleuchtet
18 werdent, alz der prophet gesprochen hat: Deiner rede lautterung erleuchtet
19 und gibt sinn den, die diemuettig seint.
20 Darumb als vor geschriben ist und auch umb ander sache habt iͤr
21 ewch angenomen, daz iͤr wellent heilige schuͤlen halten, darczü ewch
22 got geschikchet hat den ersten ewrs hauses ane czweifel mit genaden,
23 wann iͤr werdent inn einn tempel pawen, der mit handen nicht gemachet
24 wiͤrt, wann di schuel der heiligen schrifte der tempel ist, da got
25 selber inne want als die weishait hat gesprochen: Mein wolluste seint
26 ze wesen pei der leutte chinden. Derselbe tempel pezzer ist an alle mazze
27 dann den Salomon nach gotes chur gepawen hat; darumb ewch got
28 genade geit in diser zeit und auch himellischen lön, do di gelerten
29 werdent scheinen als der schein des firmamencz und di gerechtichait
30 lerent als die sternen in di ewichait ewigen. Auch versten ich in dem
31 selben ewr wiͤrdichait und ewrr leutt und lanndes nucz und ere, wann
32 wellent iͤr gelobet sein in diser werlte, als ewrr chlarhait zugehoret, daz
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1 muzzent iͤr besteten mit der schrifte grunt, wann alles, daz di werlt hie
2 grozzes treibet, wiͤrt alczemal vergezzen, ez werde denn mit schrift
3 gemerkchet. Wer weren di suͤn von Israhel und aller judischer
4 adel, hiet Moyses und Esdras nicht geschriben, wer weͣr gewesen
5 Allexander und chunig Philipp sein vater, weͣr nicht gewesen Aristotiles,
6 waz mocht Athene haben getan, heten Socrates und Plato nicht
7 geleret, wo weͣr yczan Troia, und wer nicht Virgilius, waz weren
8 Romeͣr, heten nicht geschriben Titus Livius und Lucanus, was teͣt
9 Frankchenreich von alter her, wer di schül ze Paris nicht gestanden.
10 Alle dinch vergezzleich und zergeͣnchleich seint, si werden dann mit
11 geschrift gehaft und auch gevestent. Davon Epicurus sprach zu dem
12 gewaltigen Ydomenio: wirst du berürt mit eren, so machent dich
13 erchanter mein episteln, wann alles, daz du übest und darumb du
14 geübet wïrst; wo wer di ere Atici des chüniges, und hiet in Cicero nicht
15 züpracht mit seinen briefen, in hiett nicht geholfen, daz Agrippa waz
16 sein aydem und Tiberius seines enikleins man und chayser Drusus
17 seines enikleins sun; under den grozzen namen weͣr sein zemal vergezzen,
18 hiet in Cicero nicht beschriben.
19 Es ist ewrr ritterscheft und ander ewrr leutte nucz und ere, wann
20 wär si in die werlt komen, so werdent si geeret und gefuedert von den
21 herren und gewaltigen leutten, die ire chinder und frewnde in ewrr
22 schule habent und damit werdent ir auch weitt gelobet. Seit daz ïr nu
23 der schrift begierig seint, so müzz ich ewch schreiben, von wem und
24 wo di schrift erfunden sei in anevankch. Davon solt ïr wizzen daz got
25 der erste schreiber ist, den wïr haben in der heiligen schrifte, als in dem
26 andern puech Moysi geschriben stet: Do dise rede volend worden, do gab
27 unser herre auf dem perige Moysi zwo stainen taveln der geczeugnuzz mit
28 dem vinger gots geschriben. Vor der zeit wiͤr nichcz geschriben vinden.
29 Darnach waz der erste Chatmus, der diͤ Chriechen schreiben lerte zu
30 der zeit, do herczog Othomel daz judische volch auzrichte. Darnach
31 gab lateinische schrifte Carmentis zu der zeit, da des volkches von
32 Israhel Jair der herczog richter waz. Awer dise czwene chunden von
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1 in selber nicht, wann daz si sich richten nach der schrifte, di von got
2 gegeben waz und di Moyses het auzgelert.
3 Hiebei ist ze merkchen, daz di schrift alain ein mittel ist, dabei got
4 sich leͣt erchennen, dabei er hat seine weriche erczaiget, dabei wïr sollen
5 gedenkchen der dinge, die geschehen seint, dabei wiͤr auch uns richten
6 sollen nach den gegenwürtigen dingen, dabei wïr gelauben und hoffen
7 schollen der dinge, noch zẅchünftig seint, wann waz uns got
8 verhaizzen hat in seiner schrifte, des get uns nimmeͣr ein puͤchstab
9 oder punctel abe, als der prophet gesprochen hat: Des herren rede seint
10 cheusch und seint als daz silber in dem fewre beweͣret; als auch mer geschriben
11 ist: Himel und erde werdent zergan, di gotes worte pleibent
12 ewichleichen. Daz wïr di schrift der gotes wort also versten und auch
13 behalten, daz wïr danne pezzer werden, des helf uns der, der ewch die
14 schrift geliebet hat.
15 Also wil ich ewch bedeutschen czway des ob genanten racionals zu
16 ere der heiligen ungeschaiden drivaltichait und zẅ gehorsam ewrs
17 gewotes mit hilfe des alaine, des geist erfullet alle dinkch, der bei
18 Balams zeiten ein eseleinn gesprechtig machte, in des chraft die staine
19 rueffent und in des wort di perige friden chundent, der alle dinch hat
20 wolgetan, der di tauben machet horen und di stummen reden, der
21 seinen lob mit chindes stimm hat volpracht, der chranche dinch hat
22 auzerwelt, daz sich di schamen würden, di sich dunkchent für im
23 grozz. Ich wil auch mein teusch nicht reimen und wil ez doch besliezzen,
24 so ich peste mag mit der chunste slozzen, die da haizzent
25 rethorica, und daz ich bei der schrifte worten beleibe und die selbe
26 mazze behalte, diͤ in latein geschriben ist, daz si deste minner verdriezze,
27 di fürbaz werdent lesen daz teusche racional. Darumb sol
28 mich ewr lautterchait genedich versten, ob ich etwann an dem ersten
29 secze ain wort oder ainen sinn, der in gemainem teusche an daz leste
30 gehoret oder an daz leste, daz zevor gehoret, wann daz tün ich nach
31 der ordenung der schrifte, di in latein mit rechter mazze geschriben ist.
32 Dornach pitt ich ewr gnad und aller anderr leute gedult, fuͤr diͤ mein
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1 teutsch wiͤrt komen, daz si miͤr nicht verubel haben, ob ich ettleiche
2 dinch in disem pueche nicht aygenleich genennet han als si in disem
3 lannde gewonleich werdent genant. Wann do di Romeͣr wolten machen
4 eine sprache, diͤ von iren wegen in aller werlt gemaine wer, do seczten
5 si in ordenung di lateinische schrift, domit si allen lannden mochten
6 gepeten und ander anesprecher. Seit daz nu lateinische zunge in alle
7 lannt getailet wart und di selbe lannde heten manigerlay spreche, so
8 muͤz von notduͤrft wesen sein, daz wiͤr latein beteutschen miͤt maniger
9 slachte worten und ist chaine zung so reiche, daz si wider mogen
10 widerwegen aygenleichen von iͤr selber den sinn und auch di mazze, di in
11 latein geschriben seint. Teusche zunge ist auch von alter her di
12 mynniste und gegen latein di wildiste, diͤ wiͤr wizzen, davon haizzet si
13 barbara, daz ist wilde, und darumb muͤzzen wiͤr ofte wort fuͤr worte
14 nennen, so wiͤr latein bedeutschen wellen. Daruber ist zu merkchen
15 daz mit dreyerhande sprache fürsichtichleich daz ampt der mezz
16 erfullet wiͤrt, wan der hochgelobte altar, der stam des heiligen chrewczes
17 geczieret wart mit oberschrift nach des heiligen geistes ordnunge
18 in dreyer slacht zungen: Jesus Nazarenus rex Judeorum. An dem
19 ersten wart da selbst geschriben die judische geschrift, daz alle, die
20 zu der alten ee gehorten, sahen und erchenten, daz si iren chunig
21 getötet hieten, als der prophet gesprochen hat: Sie werdent sehen, in
22 welichen si haben gestochen. Zu dem andern mal wart hie geschriben
23 chriechisch, daz all maisterschefte saͤhen und die sich hoch und weise
24 dunchent, daz der chuͤnig der eren, in dem aller weishait schäcze waren
25 verporgen, sich also wolte diemuetig und nider machen daz er an sich
26 naͤm eins chnecht form und auch gehorsam wuͤrde piz zu dem tod des
27 chrewczes durch der seinen willen, die er uncz in daz end hat lieb gehabt.
28 Zu dem dritten mal lateinisch, daz alle gewalte diser werlte,
29 diͤ under den Romeͣrn waren, verstuͤnden, daz si unpilleich so vil pluͤcz
30 verguzzen und auch vergozzen hietten, umb daz si diser werlt gewaltig
31 wurden; seint daz der schepher und der chuͤnig aller creaturen so
32 smaͤchleich wolt gehenkchet werden an des chrewzes galgen, und daz
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1 auch also Christens leiden in alle werlt gechundet und gesaget wuͤrde.
2 Diͤ judischen worter der mess seint alleluia und osanna, die chriechischen
3 seint kyrieleison, chriesteleison, die andern worter seint lateinisch.
4 Darauz ist auch sagen, umb wie daz ampt der messe in
5 dreyer hande sprache wiͤrt begangen nach des heiligen roͤmischen stuͤls
6 verhengnuss und willen wizzenleichen chriechisch, lateinisch und
7 windisch, und warumb in ebraischer zungen chain mess gesprochen
8 wirt, sind daz doch das ampt der messe ebraischen angevangen ist
9 oder wart. Darzu ist ze sprechen, daz drey gelerte sprache auzgenomen
10 seint, in den dicz wiͤrdig ampt begangen wirt in bezaichnunge
11 der heiligen drivaltichait, mit der und in der es wiͤrt begangen. An
12 dem ersten ist erwelt chriechische zunge durch fuetreffunge der
13 maisterschefte und weishait, die pey den Chriechen völlichleichen ist
14 gewesen. Zu dem andern mal lateinische zu erczaigunge des adels und
15 der wirdichait, wann diser werlt zeitlich adel ist von den Romeͣrn
16 chumen, so habent auch der erste pabste Petrus und der erst und
17 hochst lerer sanctus Paulus diese stat mit irm blut gewiͤrdigt und
18 geciͤret; darumb auch die selb chirich ein mueter aller chirichen ist.
19 Zu dem dritten mal di messe wiͤrt begangen in windischer sprache
20 durch sache der braitunge und gemainhait, wann chain ainige sprach
21 an ir selber ist so weit getailet als di man windische nennet. Darumb
22 ist si auch genumen an der ebraischen sprache stat, wann do di juden
23 gotes wort versmaͤchten und sich dem unwiͤrdig machten, do wart ez
24 den haiden haimgesendet, alz in der aposteln puͤch geschriben stet.
25 Und also wuͤrden si darnach auch gephendet, daz der heiligen messe
26 ampt iͤrer sprach entfromdet wuͤrde und wuͤrde der sprach verliehen,
27 die der haiden ain michel tail begriffen hat, daz also in disen zungen
28 würd erchennet und verjehen, daz Christus unser herre ist in der ere
29 gocz des vaters etc. Hie endet sich di erste furred in daz teusche
30 racional geschriben dem hochgepornen fuͤrsten herczogen Albrechte
31 dem dritten ze Osterreich et cetera. Anno domini millesimo tricentesimo
32 84 feria quarta post Dominicam Palmarum.
Seite 7
1 das vierte buch
2 des
3 rationale divinorum officiorum
4 Hie hebt sich an daz viͤrd puͤch von der mess und von iͤr
5 zwͤgehoͤrung.
6 Under aller heiligchait der chirichen, daz ist in der sampnung der
7 gelaubigen, ist offenbar daz di heilichait, die man handelt auf dem
8 tisch daz allerheiligstem oder gar heiligem alter, ist die aller vordrist,
9 daz ist goczleichnam, und czaichent diͤ wiͤrtschaft der kirichen, in der
10 wiͤrtschaft der vater dem widercherundem sun teͣt ain faiscz chalb und
11 saczt im fuͤr daz prot dez lebens und den wein, den gemischt hat di
12 weishait.
13 Sunder daz ampt der mess hat Christus selber anfgesaczt, do er
14 macht ain newͤs gescheft, in dem gescheft, er ordent semen nächsten
15 erben daz reich, alz yms sein vater het geordent, also daz seu
16 auf seinem tisch ezzen und trunchen im reich, daz die chirchen
17 oder christenhait geheiligt hat. Wenn da si das abentezzen azzen,
18 nam Jhesus das prot und dancht got und gesegencz und prasch
19 und gabs seinen jungern und sprach: Nempt und ezzet, daz ist meinn
20 leichnam, der gegeben wiͤrt fuͤr euch, daz tuet in meiner gedeͣcht nuzz.
21
22 Und darumb daz si gelert wurden mit dem aufsacz, huben di
23 jungern an cze enczigen di heilichait, durch der sach willen, die
24 Christus in geöffent het, und behielten di ler in worten und di materig
25 in dingen, daz ist ym brot und im wein, sam sand Paul beczewget
26 Chorintis den lewtten und spricht: Ich hab genummen von dem herren
27 und daz selb hab ich euch gegeben, wenn der herre Jhesus an der nacht,
28 und er gegeben wart in den tod, do nam ers prot etc.
29 Und darumb das ampt der mess wiͤrdiger und hochczeitleicher ist
30 andern götleichen ampten, darumb ist cze sprechen hie in den vïrden
31 tail ee von dem ampt der mess den von den andern ampten, und in
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1 dem tail well wiͤr volgen dem spiegel Innocencii pape des dritten, ettewaz
2 underwegen lazzen und ettwas darczu legen.
3 Und alz vor gesprochen ist, der herr Jhesus hatt aufgesaczt die mess
4 der ist ein priester noch der ordenung Melchisedech, der prot und wein
5 verwandelt hat in seinen leichnam und sein pluet, sprechund: Daz
6 ist mein leichnam, hie ist mein pluet, daz tuet in meiner gedechtnuzz.
7 Sunder die czwelifpoten habent di mess gemert also das si nicht alain
8 sprochen die vordern wort: Daz ist mein leichnam und daz ist mein
9 pluet, sunder si legten den pater noster darczu.
10 Dann spricht man daz sand Peter der erst also mess hab gesprochen
11 in den tailn der werlt gegen aufgang der sun, do er nach dem tod
12 unsers herren viͤr jar den priesterleichen stuel gehabt hat. Und darnach
13 nam er den stuel in Antiochia; do legt er dew pet czw der mess.
14 Und darumb am anfang der chirchen wart di mess anders gesprochen
15 dann nu, alz am sechzsten tayl gesprochen wiͤrt vom charfreitag.
16 Und darnach in der nachchomunde czeit, wenn man die
17 epistel und daz ewangelii gelas, so sprach man mess. Und darnach
18 Celestinus seczt auf daz man ingang zw der mess sprach. Und die
19 andern tail der mess ze underschaiden czeiten von den czwelifpoten
20 und ( Gelasio ), Celestino, Gregorio und von andern vätern sind aufgesaczt
21 darnach und si dawcht daz aufnam christenleicher gelaub das
22 ez sich allerczimeleichist fueget; von dem gesprochen wiͤrt in der
23 vorred des funften tail.
24 In dem canon list man daz Jacobus, Christi prueder, daz ist Marie
25 swestersun, pischof zw Jerusalem und Basilius, pischof cesariensis,
26 haben uns geschriben di ordenunge, wie wir mess sprechen schullen.
27 Mer Jacobus Alphei sun hat di ersten mess gesprochen under den
28 czwelifpoten, wenn di czwelifpoten, durch seiner grossen heilichait
29 teten im die er daz er nach der auffart unsers herren der erst
30 under in messe sprach zw Jerusalem, halt ee den er geordent wart zw
31 pischof Oder leicht darumb spricht man daz er di ersten mess
32 gesprochen hab, wenn er von erst in pischofleichem gewant mess gesprochen
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1 hab, also sand Peter darnach des ersten in Antiochia mess
2 gesprochen hab und Marcus in Allexandria.
3 Sunder ettleich ungelaubigen checzer straffen uns daz wiͤr di
4 ewangelii in czerizzen tailen lesen in der mess und daz wiͤr der ersten
5 mezz nach dem pater noster ettwaz czwͤgelegt haben, wenn ez geschriben
6 ist: Wer ettwaz darzuelegt, leg got auf den selben di sleg, di
7 geschriben. sten in dem puech. Und wenn wiͤr zw der newn ee und den
8 poten der czwelifpoten andrer aufsacz und newe ler der lerer aufseczen
9 und behalten wider daz, das Christus sprach: Wol habt iͤr iͤrr
10 gemacht das pot gotes, das iͤr ewͤr aufsecz behielt. Und anderswo: Ein
11 igleich phlanczung, die nicht phlanczt hat mein hymelischer vater, di wirt
12 auzgerawt. Und der czwelifpot spricht: Mit fremder manigerlay ler
13 schoͤlt iͤr nicht betrogen werden. Item: Chain ander gruntvest niemant
14 gelegen mag denn die gelegt ist Jhesus Christus. Auch sprechent si das
15 de samnung Christi noch mess noch metten gesungen hab, noch
16 Christus noch di czwelifpoten haben die mess aufgesaczt, noch czu
17 der zeit der czwelifpoten ist mess gesungen warden, noch der nam der
18 mess wart do gehört in der werlt noch wart geschriben funden, sunder
19 daz die mess bedewt, daz habent diͤ ewangelisten genant das abentezzen;
20 noch diͤ chirchen am anvang, noch di czwelifpoten noch mit
21 orgeln noch mit lautter suezzer stim mess gesungen haben. Und
22 darumb straffen si uns daz wiͤr daz tuͤn, und wenn wiͤr sprechen metten
23 und ander tagczeit, velschleich ziechen si wider uns den spruch dez
24 weyssagen Amos: Ich wil ewͤr hochczeit vercheren in waynen und allen
25 ewren sang in chlag, und daz des weyssagen: Sew hörent dein red
26 und tünt iͤr nicht, wenn ses vercherent in ein gesang iͤrs mund und ir
27 hercz volgt der geitichait und ist im sam ein sankliede, das seniftleich
28 und suͤzzleich gesungen wuͤrd. Der iͤrsal wiͤrt gar offenleich
29 uberwunten mit dew, das gesprochen wiͤrt in der vorred des fumften
30 tail.
31 Anderwayd am aufgang der chirchen hat man die götleichen ampt
32 gesprochen ebraischen, sunder czw der czeit Adriani des chaiser den
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1 ersten do hat man von erst chriechischen mess gesprochen in der
2 chirchen des aufgans der sunn.
3 Auch ist das ampt der mess als mit ainer fuͤrsichtigen ordenung
4 geschiecht ist, also daz es aller tat Christi ain grozz tail behalt, der er
5 getan hat darnach und er chomen ist vom himel aufs erdreich und daz
6 er wider gevarn ist gen himel, und die selben tat mit worten und
7 mit zaichen in ainer wunderleichen gestalt pedewt. Sunderwar daz
8 ampt der mess ist in viͤr dingen, inn personen, in wercken, in worten
9 und in dingen. Der personn sind drei ordenung: die mess sprechent,
10 di dient, di mess hörent. Der werich sind auch drei underschayden:
11 geper, teͣt, ruͤrung. Auch der wort sind drey underschayden: pet,
12 gesang, leczczen. Der ding sind auch drey underschayden: ornet,
13 geczeug und die element. Und die ding sind vol götleicher pedewttung,
14 alz in der vorred des puechs gesprochen ist.
15 Etwann waz der tempel tailt mit ainem fuͤrhang in czway tail. Das
16 erst tail hiez heilig, sunder daz ander tail hies heilig der heiligen. Und
17 darumb alz daz geschiecht in der mess vor der haymleichait, daz ist
18 sam im ersten tail des tempel, das aber in der still geschiecht, daz
19 ist sam in der heilichait der heiligen. Und im innern tail des tempels
20 waz der alter dez rauchz, di arch dez czwegnuͤzz, die tavel auf der arch,
21 alz am ersten tail von der chirchen und dem alter gesprochen ist und
22 geschriben ist am puech des auzgans. Und auf der tafel warn czwen
23 engel dez ruem, die sich an einander ansachen mit gegen einander
24 cherten antluczen. Und darinn ging alain der pischofe ains im jar und
25 het die namen der veͣter geschriben in dem racional und dem humeral
26 und trueg mit im pluet und choller, und die chöller aller mit weyroch
27 und gestupt legt er ins rawchvas alz lang uncz in der rawch bedeckcht.
28 Darnach czwischen der tavel und dem alter sprengt er daz pluet. Darnach
29 giͤng er herauz czum volkch und wuesch sein gewant, wenn er
30 wart nicht rain geuͤrtailt vor der vesper nach dem opher ainer roten
31 chalben.
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1 Daz sind ettwann bedewttnuͤzz gewesen und sind vergangen darnach
2 und die ding chömen sind, di si bedewt habent. Daz vorder tail des
3 tempel bedewt die gegenwuͤrtigen chirchen, das yner tail den himel,
4 der pischof Christum, daz pluet di marter Christi, di chöller di lieb
5 Christi, daz rawchvas den leichnam Christi, das prant weyroch die
6 wolsmekchunden pet Christi, der alter die geselschaft des hymels, di
7 arch bedewtt Christum nach der menschait, di tafel got dem vater,
8 die czwen engel di alt ee; und die new ee; diͤ czwo ee sich an einander
9 ansechent, wenn si ainhelig sind, das gewant, daz mann wescht, den
10 menschen, di vesper bedewtt dez menschen gewant.
11 Darumb trag zesam die ding, die ettwann geschehen sind und die
12 Christus getan hat, und schaw denn wie der priester im ampt der mess
13 die selben ding bedeutt und tuet. Und waz die dingen bedewtten, das
14 well wiͤr rueren am anphang ains igleichen tail der mess. Auch pei der
15 arch wiͤrt verstanden die diemuettigehait Christi, mit der diemuttichait
16 durch sein parmherczichait uns czwchomen ist alz guet.
17 Und merk, alz man list am puech des ausgang am 25 und 37
18 tail, daz auf die arch gemacht ist ain guldeine gnadung, daz ist ein
19 guldeine tafel der selben leng und weit alz waz die arch, also daz si die
20 arch bedekken mach. Und die selb tafel hiezz ain petlung, wenn got
21 antwuͤrt gab von der selben tavel den, di in poten. Di selbig tafel hiez
22 auch ain gnadung, wenn der herr begnad daz volkch, wenn er redet
23 von der tafel, oder wann ayn tag der genadunge was. So sprach man
24 daz der rum des herren all czeit herabchem auf die tafel. Darnach waz
25 ain tabernakel oder ain stat gesaczt auf daz hindertail des alter, in dem
26 tabernakel Christus unser gnadung, daz ist daz gesegent oblat, gehalten
27 wirt, und haizzet noch heut gnadung. Sunder an igleichem tail
28 der tavel in den czwain vordern winkcheln waren gesaczt czwen
29 guldein cherubin, daz sind, als Josephus schreibt, zway guldeine
30 fliegunde tyer, die ain gestalt habent, di vom chaim menschen nie
31 angeschawt ist. Die tyr, spricht Moyses, hab er gesehen gepildet in
32 dem stuel gotes. Ain cherubin sach den andern an, doch also daz si
33 die antlucz cherten gegen der tafel und hetten czwo flug gegen einander
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1 gerecht also daz si an einander rürten und uberzwgen oder
2 dekchten di tafel.
3 Fuͤr diͤ warhait, pey der tafel oder genadung bedewt ist Christus, der
4 an sich die menschait genomen hat, von dem sande Hans spricht: Er
5 ist unser gnadung umb unser sund. Die czwe cherubin bedewtten di
6 alten ee und die new ee. Wenn di ee. nicht misshellig sind, sunder
7 ainhellig, sagen die haimleichait Christi, daz er an sich genomen hat
8 menschleichen leichnam, di alte ee weyssagund, die new ee daz, das
9 geschehen sey. So slichten si den amplikch iͤrz fuͤrsacze gegen der
10 gnadung oder der tafel und sehen si an einander an.
11 Anderwaid di drey oppher sind der chirchen, die in der alten ee
12 bedewt sind pey der tafel, peym rauchvas und peym alter, das opher
13 der puͤzz, der gerechtichait und gotes leichnam. Von dem ersten
14 oppher geschriben stet: Ain oppher gocz ist ain truebter geist, ain
15 rewiges und ain getruebecz hercz wiͤrt got nicht versmehen. Von dem
16 andern geschriben ist: Dann wiͤrst du nemmen das oppher der gerechtichait.
17 Von dem dritten geschriben ist: Diͤr wil ich opphern daz oppher
18 des lobs und wil anruͤffen den nam dez herren. Auf dem alter dez
19 leichnam tött wiͤrt daz fleisch mit der rew. Im rawchvaz dez herczen
20 czunt wiͤrt an daz weiroch mit der andacht. In der gnadung gocz vater
21 trag wiͤr in daz pluet Christi umb unser derlösung. Sicherleich die drew
22 oppher opphert der priester in der mess. Daz erst in der peicht, daz
23 ander in der vorred, daz dritt in der wandlung goczleichnams.
24 Wenn die drew oppher sind, di got ansiecht im menschen und vodercz
25 oder suechcz vom menschen, alz spricht der weyssag: Lieb haben die
26 parmherczichait, tuͤn gerechtichait und enczichleich umbgen mit got.
27 Darumb der opphern wil daz oppher der puͤzz, der sol lieb haben di
28 parmherczichait, und der opphern wil die gerechtichait, der tue ez
29 recht und der opphern wil das oppher goczleichnam, der ge enczichleich
30 umb mit got. Darumb spricht sand Bernhart: " Mein prueder,
31 wenn wiͤr opphern daz oblat dez lobs, so schöll wiͤr die wort fuegen
32 czum sinn, den sin der wegyͤr, di wegyͤr, der frewd, der frewd zeittigchait
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1 der siten, zeytigen sitten diemuttigehait, der diemuttigchait
2 vreyhait " . Und darumb der mess sprechen wil, der schol opphern dem
3 allerhöchsten got daz oppher, von dem spricht der psalmist: Ain
4 oppher gocz ist ain truebter geist. Und anderswo: Oppher got daz oppher
5 des lobs und laist got dein gelub. Und der czwelifpot sand Paul: Ier
6 schult opphern ewren leichnam ain lemtiges oppher, ain heiligs, das got
7 gefellig sey, also daz ewr diͤnst beschaiden sey und schölt tötten auf dem
8 alter des herczen ewr gelider, di sein auf dem erdreich, das ist unrainichait
9 und poͤse unchewsche begiͤr und geittichait, durch des willen daz ir euch
10 heiligt got mit ainem rainen herczen und ainem chewschen leichnam.
11 Di heiligchait goczleichnam nach sand Augustini ler wiͤrt nichcz mer
12 verpracht von ainem guetten priester, noch nicht mynner von aim
13 posen, sunder wenn daz ist das der pözz mit dem andern ist in der
14 arch, daz ist daz er hat christenleichchen gelauben, und behalt di ler, di
15 uns die tauben, daz ist die chirichen oder Christus gelert hat,
16 wenn di heilichait nicht wirt verpracht in verdient guettet des priester
17 sunder in den worten unsers schepher. Wenns gold in der chisten des
18 dewpez alz wars gold ist sams gold in den scheͣczen des chunig. Wann
19 da Cayphas der pischof waz ein echter dez allerwarhaften priester,
20 der rat, den er gab, waz war, wie wol er selber nicht warhaft waz, wie
21 wol der rat sein nicht waz sunder gocz, daz ist in der gestalt der
22 chirichen. oder in der ler der chirichen. Und darumb di pozhait dez
23 priesters iͤrrt nicht die heilichait, recht alz die chrankchait des arczt
24 nicht irt die chraft der ercznei. Und darumb wi wol etwann daz werich
25 des wirrichunden nicht rain ist, iedoch daz werich, daz geworicht wiͤrt,
26 ist alleweg rain. Sunder sam alle ding rain sind den rain, also den
27 unrain sind alle ding unrain. Und darumb der poͤzz, wenn ers leben
28 nimpt, so veld er inn tod, sam herwider der gerecht, wenn er den tod
29 dult, so gewint ers leben. Wenn wer unwiͤrdichleich nimpt goczleichnam,
30 der nimpt in zw seiner verdampnus.
31 Sunder daz der weyssag von den selben spricht: Ich wil verfluechen
32 ewrn segen, und Gregorius: " Ir segen wiͤrt verwandelt in ain fluech
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1 und ir pet in sund " , ist czu versten von den, diͤ abgeschaiden sind von
2 der chirichen und dew man nicht duldet und diͤ offen sind. Der segen
3 als vil und er se berueret, schol geächtet werden ain fluech, wenn noch
4 sand Augustinus, die pözzen alz vil und ez an in ist, spricht man, si
5 mayligen di heilichait, wie wol die heilichait, beleybet ungemayliget,
6 wenn di heilichait sind den guetten czu loͤn, den verworffen zwm
7 ürtail. Und dovan sand Augustinus spricht: die geistleich chraft der
8 heilichait von den, die erleucht schullen werden zum hail, wirt genomen
9 als ein chlares liecht, awer durich die unrain dienner get es
10 alles durich ain riͤnn und wiͤrt nicht gemailiget.
11 Sunder diͤ Arnaltisten, die ungelaubigen checzer, sprechent daz
12 man nindert les das den unrain und den unchewschen prïster got
13 enpholhen hab cze hütten seiner chirichen oder zw volfueren die
14 heiligen heilichait oder die sluzzel des reichs oder zw enpinden oder
15 pinden, wenn diͤ allain, als spricht Gregorius, die gerecht sind in dem
16 todleichen leichnam, habent ze enpinden und aufzepinden sam die
17 czwelifpoten oder di iͤr leben und iͤren gelauben mit iͤr ler halte. Davon
18 also sprechen se daz die raichung der heilichait von semleichen
19 posen tawgent nicht noch frumt zum hail. Wenn man list im puech der
20 zal: Swaz ein unrainer anrueret, daz macht er unrain, und Christus:
21 Ein poͤser pawm mag nicht pringen guete frucht, und her David: Zum
22 sunder gesprochen hat got; warumb chundest du mein gerechtichait und
23 nymmest mein zewgnuͤs in dem mund, und sand Paul: Alle ding sind
24 rain dem rainen, sunder den gemailigten und den ungelawbigen ist
25 nichcz rain, und Gregorius in pastorali am ersten puech am czehenten
26 tail: " Wann gesant wiͤrt der do missevelt, ze pitten fur eczwen, so wiͤrt
27 dez czornigen gemuet gewekchet zu grözzern ubel " . Auch da selbes am
28 czweliften capitel: " Es ist ain notduͤrft das die hant sol rain sein, die
29 den unflat ruͤcht ze fleͣn, daz si selber unnraine, icht mer unrain alles,
30 das si anrueret " .
31 Sunder diͤ mess wiͤrt gesprochen zw terczzeit, zw sexchstzeit und zu
32 nonzeit. Zu terczzeit, wann nach dem ewangelii sand Mark zu der
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1 stund hat Christus gestigen ans chrewcz und ist gechrewczt mit der
2 zungen der juden, do si schrieren: " Chrewcz in, chrewcz in " , und wenn
3 zu der stund der heilig geist in fewren zungen von hymel auf di
4 jungern choͤmen ist. Zue sechstzeit, wenn zu der stund nach dem
5 ewangelii sand Mathei ist Christus werleich gechrewczt und geophert.
6 Ze nonzeit, wenn zu der stund ist Christus gehangen am chrewcz und
7 hat aufgeben sein geist, das ist daz er gestarben ist ze nonzeit.
8 Teloͤfforus der pabst hat aufgesaczt daz man vor tercz nicht mess
9 haben sol. Daz ist zuͤ versten von den gemain messen und von den
10 messen des volkches, wenn sand Augustinus spricht: die schol man
11 nicht offenleich haben darumb daz das volkch icht czogen werd von
12 ampt, das man cze terczzeit haben schol. Auch an suntagen und an
13 den hochczeittleichen teͣgen singt man mess zu terczzeit, ze andern
14 teͣgen vor heiligen teͣgen ze sexstzeit, in der vasten ze nonzeit und auch
15 nach dem aufsacz Pelagii des pabst und der andern peͣbst an vastegen,
16 nicht doch allersand, sunder amm sampcztag der quattemper mag
17 man spat mess haben durch der heiligen weich willen, die gehoren zwͤ
18 dem nachgeundem suntag. Sunder die mess sol gesprochen werden
19 von dem, der vast und darumb daz er icht ze lang vast, hebet man
20 an nach der vesper und also lengt man daz vasten auf die nacht. Von
21 dem wiͤrt gesprochen am sechsten tail von sampcztag des
22 osterabent.
23 Daz man aber ettwann gar frue mess singet, daz ist von gewonhait,
24 nicht von ordenung. Sunder Leo der pabst ist frue oder zw der ersten
25 stund am tag zw der mess gegangen, ich waiz ( nicht ) ob er daz tan hat
26 vor notduͤrft oder von sach oder allain daz er gemezzen wolt pabstleichs
27 gewalt. Oder daz ist zw versten von ainer sundern mess. Awer
28 diͤ von notduͤrft vor terczzeit mess haben oder nach sextzeit oder nonzeit
29 durich goͤttleicher lieb, darumb daz der tag icht hin ge an mess,
30 di mag man bereden mit den jungern Christi, die am sampcztag diͤ eher
31 ausriben, und mit dem David, der az das fuͤrgelegt prot, daz ist daz
32 prot das nuͤr uͤrleibleich waz priestern. Oder darumb daz in der
33 messe gedacht wiͤrt der marter, des tocz, der begrebnuͤzz und der
34 urstent und der auffart Christi, und darumb singt man mess so czu
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1 underschaiden zeitten: zu tercz zu ainer gedechtnuͤzz der marter und
2 der auffart Christi, noch der sexst zwͤ ainer gedechtnuͤzz des todes
3 Christi, nach der non zw ainer gedeͣchtnuͤzz der begrebnuͤzz Christi,
4 dez morgens villeicht zu einer gedächtnüzze der ürstend Christi.
5 Auch ettleich sprechent daz Christus gemartert sey in der mit czwischen
6 hoͤren, und darumb habent di ewangelisten nu di stunde nu ain
7 andreu gesaczt. Von den sachen willen halt die chirchen mess czwischen
8 horen, sam zwischen der tercze und der sexst etc. Sunder am weinnachtag
9 wiͤrt die erst mess gesungen pey der nacht alz gesprochen wiͤrt
10 von der selben hochzeit. Aber daz ist daz in der vasten czway ampt
11 gevallen auf ain tag, die taͤg wiͤr haizzen czwislisch tag, sprechen wiͤr
12 mess zw terczzeit von dem fest und an niderchnyͤn. Aber daz ampt von
13 der vasten sol man sprechen ze nonzeyt und mit niderchnyen. Auch
14 zw der zeit der zwchunft Christi schol man mess von den heiligen
15 sprechen zwͤ terczzeit.
16 In der warhait chainer schol ordenleich an ainem tag mer wenn denn
17 ain mess haben, wann Christus nuͤr ains gemartert ist, und ist gar selig,
18 der halt wïrdigchleich ayn mess gesprechen mag. Noch chainer mag
19 zwo mess mit ainem gesegenten oblat gesprechen noch ain mess mit
20 czwain gesegenten oblaten, doch under ainer mess mag man mer oblat
21 verbandel in goczleichnam, wenn der priester schol alle zeit ain beraiz
22 oblat haben durich der siechen willen. Auch der priester mag ain mess
23 sprechen mit goczleichnam, die ander an goczleichnam. Ayn trukchne
24 mess haizzet, wenn daz ist der priester nicht gesegn mag
25 goczleichnam, wenn er hat leicht nu mess gesprochen oder durich ander
26 sach willen. Iedoch mag er nemmen ain stol und lesen die epistel und
27 das ewangeli und den pater noster und geben den segen. Halt mer ist
28 das ain priester von andacht und nicht von ubermuet oder von eitler
29 geistleichait wil sprechen daz gancz ampt der mess an goczleichnam,
30 so nem alz priesterleichs gewant und spreche mess nach der mess
31 ordenung uncz an das end des offerent und lazz varn die haimlichait,
32 wenn diͤ gehoͤrt zwͤ goczleichnam. Prefaczen, daz ist di vorred, mag er
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1 sprechen, wie wol in der vorred angeruffet werden die engel czw gesegen
2 goczleichnam und gocz pluet. Darumb des canon schol er nichcz
3 sprechen sunder den pater noster schol er nicht underwegen lazzen.
4 Und was darnach get, daz man in der haimleichait sprechen sol, das sol
5 er nicht sprechen. Chelich und oblat schol er nicht haben, und des, daz
6 gesprochen wiͤrt oder getan uber den chelich oder uber des oblat, schol
7 er nicht sprechen noch tuͤn. Er mag auch sprechen: " Der frid des herren
8 sey all czeit mit euch " , und darnach daz ampt der mess volfueren nach
9 seiner messordenung, aber pezzer ist semleich ding verlazzen.
10 Awer ettleich heben an czw sprechen mess vom tag und sprechen di
11 nach iͤre ordenung uncz auf das offerent. Darnach heben si an ain
12 andrew mess und singen di uncz an di selben stat, und das selber tuͤnt
13 si meniger stund ob si wellent, und wenn si anhebent diͤ mess der
14 lebentigen, so haben si ettwenn an der toten mess und volfuerencz
15 uncz an di selben stat, daz ist auf daz offerent, und darnach gencz
16 oder sprechencz fuͤrbaz und sprechen alz vil haimleichait alz si messe
17 haben angehebt und sprechen meer ains den canonen und gesegen
18 das oblat und cze lesten so sprechen si alz vil pet sam si mess haben
19 angevangen. Das widerwer wiͤr alz das zwͤ versmehen ist. Iedoch mag
20 der priester ettwenn ains tages mer mess gesprechen. Von erst am
21 weichnachttag, alz am sechsten tail gesprochen wirt. Zum ander mal
22 wo sein notduͤrft ist sam do ain leich ist. Awer das concilium carthaginense
23 spricht: " Ist das ain pischof stirbt oder ain anderer nach
24 terczzeit, so ist ze tuͤn sein gedechtnuzz allein mit pet an mess " .
25 Zw dem dritten mall durich ersamchait, sam ob ain grozze person chem
26 und wolt mess hoͤren. Zwm viͤrden mal sam ettleich sprechen durich
27 nuͤcz willen, sam durich piligreim willen, durich gest willen, und
28 durich geverten willen, durich der siechen willen, durich prewtleͣwt und
29 durich selczsam der priester und durich der armuet willen der
30 chirichen, di aigen priester nicht habent. Zum fumften mal alz
31 spricht Ricardus, der pischof cremonensis in mitrali dem puech, dann
32 wenn czwo zeit gevallent auf ain tag, so mag man halt drey mess
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1 sprechen, wenn das urlaubleicht ist am weychnachttag und auch
2 wenn die marter Christi drivaltig ist. Wenn er gemartert ist mit den
3 czungen der schelter, mit den henten der slahunden und mit den nageln
4 der chrewzunden. Auch ist er vonn patriarchen geopphert mit der per,
5 vonn weyssagen ist er geopphert mit warten, von im selber und got
6 dem vater ist ( er ) geopphert wesenleich oder in der warhait. Zum
7 sechzsten mal durch gleicher sach willen, ob am fastag chaem ein
8 hochzeittleicher tag, so mag er ain mess sprechen von der hochzeit,
9 dew ander von der fasten, ob ein ander priester da nicht ist.
10 Man list auch das Leo der pabst offt siben, offt newnstund an aim
11 tag mess gesprochen hat. Awer wenn ain priester czwo mess ain
12 tages sprechen wil, so schol er czw der andern messe allain nemen di
13 abflewng, wenn naem ers in der ersten mess, so weͣr er nicht nuechter
14 und also wiͤrt geirret di ander mess. Anderz als offt er mess. spricht, so
15 nem di abfleung.
16 Hie ist ain vrage: ob ainer, der geessen hat, gesegen darnach muge
17 goczleichnam? Diͤ antwuͤrt ist: er mug gesegen, wie wol er das nicht
18 tuͤn mug oder schol, wenn diͤ vasten ist nicht von der substancz der
19 mess als der canon, spricht Augustinus, anders Christus hiet nicht
20 gesegent seinn leichnam. Doch maister Hugwicon spricht do wider.
21 Auch zw vergangen czeitten, do gruͤnten checzerey und anfechten di
22 heiligen drivaltichait, von dem aufsacz Altwini, der was Karoli maister,
23 von pet Bonifacii des erczpischof ze Maincz, wart gesaczt das man am
24 suntag mess sprach von der heiligen drivaltichait. Am mentag von
25 der weishait. Am eritag vom heiligen geist. Am mittichen von der lieb.
26 Am phincztag von den engeln. Am freytag vom heiligen chrewcz.
27 Am sampcztag von unser vrawen. Sunder das die sach do aufhört, do
28 gehoͤrt auch der aufsacz auf, und do geordent waz das ampt des
29 suntagz, ward aufgesaczt das der suntag sein ampt hielt von der
30 heiligen drivaltichait. Der mäntag von den engeln, wenn do sind
31 sew erste beschaffen warden in gnaden, wenn do wart das liecht getailt
32 von der finster, daz ist die guetten engel von den poͤzen, wenn do
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1 viellen die pözen und guetten wuͤrden bestet. Sunder am
2 suntag sind die engel beschaffen in naturleicher guet. Auch singet
3 man am maͤntag mess von den totten, daz wir in mittailen die hilf der
4 engeln. Wenn auch, als ettleich sprechen, am suntag die sel, di seinn
5 im vegfewr, haben ain labung und czuhant am maͤntag so muezzen si
6 wider gen in die pein und in di aribait. Und darumb daz man cze
7 statten chöm iͤrr aribait, spricht man messe am maͤntag von den
8 totten. Am eritag spricht man mess umb die sunt. Am mittichen
9 umb frid. Am phincztag umb truebsal, oder am eritag schol man
10 ( efern ) den ingankch der mess am suntag. Ez waz auch aufgesaczt daz
11 man fast am mittichen, und an dem selbigen tag schol man auch die
12 mess, di ist am suntag, sprechen, nuͤr es underste ain hochzeitleicher
13 tag. Am phincztag schol man efern das ampt des suntags mit dem
14 ingang, mit der epistel und ( dem ) ewangelii, wenn der phincztag wirt
15 gesprochen ainn vrewnt des sunntags, als man sprechen wiͤrt in dem
16 tail von dem czuegang des priesters zw dem alter. Am freytag von
17 dem heiligen chrewcze, wenn der tag wiͤrt geaigent Christo und dem
18 chrewcz, wenn er am freytag am chrewcz sterben und chrewczt wold
19 werden durich des hails menschleichs geschlecht. Am sampcztag von
20 unser vrawen, das ain aufgankch gehabt hat, wenn in der stat zw
21 Napels was unser vrawen pild. Vor dem hie ain fuͤrhang, der bedakcht
22 das gancz pild. Sunder am freytag nach der vesper so zeuch sich der
23 fuͤrhang sunder das in nindert niemant anrueret, allain czaichenleich
24 von got, sam er aufgeczogen wuͤrd gen himel; also das volkch en vollen
25 das pild gesehen macht. Aber wann man am sampcztag die vesper
26 volpracht, so liez sich der selbig fuͤrhang fuͤr das selbig pild und belaib
27 do uncz wider ann freytag. Und do man das zaichen sach, do ward
28 aufgesaczt das man alle sampcztag mess sing von unser vrawen.
29 Ain ander sach ist, wann do Christus gechrewczt ward und starb und
30 die junger fluchtig wuͤrden und czweifelten an der uͤrstend Christi, ann
31 dem selben sampcztag belaib der gancz gelaub an Marie allain. Wenn
32 si west wol, wie si in getragen het an aribait und geporn het an smerzen
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1 und darumb was si gewis das er gocz sunn waz und daz er am dritten
2 tag erstuͤnd vom tod. Und das ist die sach, varumb der sampcztag
3 mer geaigent ist Marie den ein ander tag. Die dritt sach ist,
4 wenn der sampcztag ist ain tuer und ain ingankch zum suntag.
5 Darumbe wenn wiͤr sein am sampcztag, so sei wiͤr nahen peym suntag.
6 Sunder der suntag ist ain tag der rueb und bedewtt das ewig leben.
7 Und darumb wann wiͤr sein in gnaden unser frawen, so sey wiͤr sam an
8 tuer des paradis. Und derumbe das si uns ist ain toͤr zum himelreich,
9 daz bedeut ist pey dem suntag, darumb sprech wir mess vonunser
10 frawen am sampcztag, der ist vorm suntag. Diͤ viͤrd sach ist das diͤ
11 hoͤchczeit der mutter aller nachst sey der hochzeit des suns. Di
12 fumft sach ist das man den tag dester hochzeittleicher pege an dem
13 tag got geruebet hat von allem werich.
14 Auch ist zwͤ merkchen daz wir im ampt der mess, das bedewtt diͤ
15 marter Christi, nuzzen dreyerlay sprach: chriͤchischen, ebrayschen
16 und latein zwͤ ainer bedeutnuz das die sach, warumb Christus gechrewczt
17 wart, in den drin sprachen geschriben ward, Johannis am
18 newnczehentistem capitel. Auch zu bedewtten das alle sprach, diͤ
19 zwͤ versten ist pey den drin sprachen, schol loben und verjehen das
20 unser herr Jhesus Christus ist in dem ruͤm gocz des vater. Auch wie
21 wol vil sprach sind, yͤdoch sind dyͤ drey di vordristen: ebrayschew
22 durich der ee willen gotes und auch darumb das si ist ain muetter
23 ander sprach, chriechischen durich der weyshait willen, dew erfunden
24 ist in chriechen, latein durich der edel willen des romischen reich. Die
25 latein wort sind die epistel, ewangelii, pet und der sankch. Die chriͤchischen
26 wort sind kirieleyson, christeleyson und ymas. Die ebraischen
27 wort sind alleluia, amen, sabaoth und osanna. Und darumb zwͤ
28 groͤzzen hochzeiten in des pabst mess liste man das ewangeli und die
29 epistel in latein und in chriechischen zwͤ bedewttung di verainung
30 paiderlay volkch in ainem gelauben oder czwͤ bedewtten das die
31 chirichen ain sammung ist des roͤmischen volkch und des chriechischen,
32 und das sich an sechsten tail vom charfreytag.
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1 Auch wiͤrt gefragt ob ein priester miner den vor czwain mess gesprechen
2 mug. Und wiͤrt versehen das ers nicht getuͤn muͤg. Wenn
3 Soter der pabst aufgesaczt hat das chainer mess sprech, nuͤr es sein
4 czwen gegenwuͤrtig und antwuͤrtten dem priester, also das er der dritt
5 sey, wenn der priester in der menig spricht: " Der herr sey mit ewch " ,
6 und in der gehaim: " Pitt got " etc. Darumb ist zimleich das sein
7 gruͤzz geantwuͤrd werd von menigern. In der warhait anders ist nu in
8 ainer notduͤrft, do mag ain priester mit ainem allain mess sprechen,
9 anders ist nu, do man versmecht di aufsecz der chirichen. Auch
10 guͤttleich ist das zw gelauben und wiͤrt bewert mit heiliger zeugnuz das
11 die engel gotes pey stent den pittunden, nach des weyssagen spruch:
12 In der gegenwuͤrtichait der engel wil ich diͤr lob singen, und der engel
13 sprach zw dem Tobia: Do du paczt mit zechern, do opphert ich dein pet
14 got. Sunder auch in der mess geschriben ist: Allmechtiger got, wiͤr
15 pitten dich fleizzichleichen, hais das opphert mit den henten der
16 heiligen engel fueren auf dem hohen alter. Auch ein ygleicher mensch
17 hat zw huͤtt sein engel, dovon Christus im ewangeli von den chindlein
18 spricht: Ir engel sehen alle zeit den amplikch gotes vater. Und darumbe
19 hab wiͤr die engel hie helfer im pet, diͤ wiͤr in der chlarhait haben werden
20 gesellen.
21 Sunder der priester allain an di hilf des diener mag nicht mess
22 sprechen, sam verpoten wirt in dem aufsacz Allexandri. Auch im rat
23 toletanensis ist aufgesaczt: wo man di zeit oder die stat oder die menig
24 der priester gehaben mag, daz ein ygleich priester haben schol hinder
25 im ainen helfer ains nochenten trost, ob villeicht von geschiecht der
26 priester, der mess spricht, vor truebsal oder das er amechtig werd, daz
27 er die mess nicht mocht volpringen, daz der selbig helfer hinder im des
28 priester stat underschrachen volfuer. Dann so tuet uns die czeit hilf,
29 ob nicht chrieg ist an der selben stat und wann diͤ chirichen reich ist an
30 der priesterschaft und das diͤ menig der priester do ist. Gemainchleich
31 ist das ze sprechen das die mess ain eleichew mess ist, wo ist ein
32 priester, ain antwuͤrter, ain oppfrunder und der sich pericht mit
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1 goczleichnam, sam diͤ czamlegung der pett in der mess mit oͤffner beschaidenhait
2 weist.
3 Der ingang der mess gehoͤrt zw der schar der weyssagen, wenn
4 nach sand Augustin: Moyses ist gewesen ain dienner der alten ee
5 und die weyssagen diener der newen ee. Das kirieleison gehoͤrt zwͤ
6 den weyssagen oder siecht, di gewesen sind pey der zuechunft Christi,
7 under den gewesen ist Zacharias und Johannes der tauffer, des
8 Zacharie sun. Das gloria in excelsis gehoͤrt zw der schar der engel,
9 die den hertern chundaten die fraid der puͤrd unsers herren. Die
10 erst collecten gehoͤrt zw dem, das Christus getan hat, do er
11 czwelif jar alt gewesen ist, zw der zeit, do er aufgie gen Jerusalem und
12 sacz undern lerern und hoͤrast und fragst. Die epistel gehoͤrt zw sand
13 Johannis des tauffer predig. Die antwuͤrt gehoͤrt zw der dankchnaͤmchait
14 der czwelifpoten, do sew got vordert das si im nachvolgeten.
15 Das alleluia gehort zw der frewd des gemuecz der czwelifpoten, die si
16 heten von der glub Christi oder von seinn zaichen oder von den
17 zaichen, die geschehen in seinem nam. Das ewangelium gehoͤrt zw
18 der zeit, die ist gewesen vom aufgankch seiner predig uncz auf die vor
19 gesprochen zeit. Awer waz darnach in dem ampt der mess geschiecht,
20 daz gehoͤrt zw der zeit, die ist von dem suntag, do diͤ judenchinder
21 Christo enkegen giengen oder gegangen sind unczen auf den auffertag
22 oder ann phingsttag. Aber das pet der gehaim uncz an diͤ stat: " Und
23 uns suntern " , bedewt das pet Christi, das er gepeten hat auf dem
24 oͤlperig. Awer das darnach geschiecht, das bedewt di zeit, die
25 Christus gelegen ist im grab. Wenn man aber das oblat legt in den
26 chelich, das zaichent das die sel Christi wider veraint ist zum leichnam.
27 Awer der gruͤz darnach bedewtt den gruͤzz, den Christus gab darnach
28 und er derstuend seinen jungern. Der pruch des oblates bedewtt den
29 pruch des procz, der geschehen ist von Christo den czwain jungern zu
30 Emaus. Von den dingen wiͤrt vollikchleicher gesaget in ains ygleichen
31 stat. Von der mess der toten und von iͤrm ampt wirt gesprochen am
32 subenten tail.
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1 Auch schol chain priester an grozze notdurft mess sprechen nuͤr an
2 geweichten steten, die vom pischoff geweicht sind, das ist in der
3 chirichen. Und darumb schol man nicht mess sprechen in ungeweichten
4 hewsern an des pischofs uͤrlaub, wenn ez ist bezzer nicht mess singen
5 oder hoͤren denn das man mess singet oder hoͤret an den steten, do es
6 nicht geschehen schol. Wenn es geschriben stet: Du scholt sehen das du
7 deinn oppher icht oppherst an aller stat, die du siechst, sunder an aller stat,
8 die erwellet dein got; von dem wiͤrt gesprochen in der vorred dez
9 funften tail. Es mag auch semleiche notdurft sein, das man mess
10 spricht auf einem scheff oder in ainem her oder under ainem czelt
11 oder am tag an dach, ob man chain czelt oder dach, gehaben mag. Und
12 schol das albeg geschehen auf einem alterstain. Ain priester sol auch
13 nicht mess sprechen auf dem alter, do des tages ein pischof mess auf
14 gesprochen hat, an uͤrlaub des pischof. Syxtus der pabst hat aufgesaczt
15 daz man nuͤr auf einem alter ain mess sprechen soll. Felix
16 der pabst der erst hat aufgesaczt mess ze sprechen auf dem heiltum
17 der martrer. Bonifacius der pabst der ander hat aufgesaczt, wann man
18 mess spricht, das die priester getailt sein von den lain. Marcius der
19 pabst hat aufgesaczt daz man mess sing mit lautter stim. Vigilius
20 der pabst hat aufgesaczt das man mess sprechen soll in dem tail der
21 chirichen gegen aufgang der sunn.
22 Auch ist das zw merkchen das in der mess bezaichent wirt der streit
23 und der sig des priester, den er hat mit dem pözen geist. Der zuegang
24 zw dem streit wiͤrt gesaczt in dem czuegang des pischof zum alter am
25 ent, sunder die wappen und der streit des priester sind gesaczt in der
26 vorred des dritten tail. Anderwaid die mess volget nach aim gericht.
27 Und darumb der canon ist genant accio, das ist alsvil gesprochen sam
28 ain sach, die geczogen ist fuͤr recht, wann in der mess do wiͤrt geworffen
29 unser sach. Die chirichen oder das pethaus ist die schran, got der
30 richter, der poͤz geist der chlager, die zuͤ alter dienent, die sind zeugen,
31 der priester ist der vorsprech und der beschiͤrmer unser sach. Der
32 priester ist der Moyses, der die sach des volks trueg fur got, mit dez
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1 hilf die truͤgnuͤz dez poͤsen geist wiͤrt undergedrukcht und unser unschuld
2 wirt bewert und erloͤst und der zorn dez richter wiͤrt gesenft,
3 und mit der parmherczichait wiͤrt uns vergeben unser schuld. Der nam
4 mess haizzet die haimleich bedewttung, die herfuͤrgeczogen wiͤrt und
5 di hailichait, di wiͤrt geopphert.
6 Sunder das ampt der mess wiͤrt von aller erst getailt in czway tail.
7 Daz erst tail ist die mess cathecuminorum, das ist die gelert sint in
8 christenleichem gelauben und sint nicht getauft, das ander tail ist die
9 mess der gelaubigen. Die mess cathecuminorum ist von dem
10 ingan der mess uncz auf daz offerent. Die mess genant ist von aussenten,
11 wenn wann der priester anhebt czu gesegen gotes leichnam, so
12 werdent die ungetauften, die doch gelert sind im christenleichem gelauben,
13 auzgesant fuͤr die chirchen. Und davon zw alten zeiten, wenn
14 man gelaz daz ewangelii, so hub ze schrein der ewangelier auf dem
15 letter: wer ist ain cathecuminus, der gee hin fuͤr, sam gesprochen wiͤrt
16 am sexchsten tail von dem mittichen des vïrden suntags in der vasten.
17 Und das geschach darumb, wenn wie wol die cathecumini gelerte
18 waren in christenleichem gelauben, so waren si doch nicht
19 anderwait geporn oder getauft. Und darumb sind si nicht gelider des
20 leichnam der christenhait, sam noch di juden oder di haiden, di pey
21 der haimleichait dez heiltüms dez alter nicht sein schullen, wenn diͤ
22 heilichait ist allain enpholhen den getauften gelaubigen, noch diͤ
23 schecz der christehait sint ze zaigen den veinte. Und darumb ist geschriben
24 von ettleichem, diͤ bedeutten diͤ ungetauften gelaubigen:
25 Jhesus enphalich sich in nicht, wenn er west waz im menschen waz " .
26 Und darumb in dem aufsacz carthaginensium spricht man daz noch
27 aim haiden noch aim checzer noch aim juden schol man nicht weren ze
28 gen in diͤ chirchen und zuͤ horen daz gotes wart uncz an daz end der
29 mess cathecuminorum, noch den uncheuschen schol man daz wern.
30 Awer di mess der gelaubigen, diͤ getauft sind, ist vom offerent uncz
31 nach dem communi. Und di selbig mess ist gehaissen vom lazzen, wenn
32 wann diͤ mess volpracht ist, so wiͤrt ain ygleicher gelaubiger haim lazzen.
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1 Und darumb der nam der mess ist ettwan ain gemainer
2 nam, der vil bedeuttung czusam chlaubt, wenn etwann haist daz mess,
3 daz ist vom ingang der mess uͤncz auf das offerent, ettwann daz ist
4 vom ingang der heilichait uncz ans end oder: " Get ez ist gesant. " Und
5 daz ist mer war, wenn dann wiͤrt daz oblat gesant. Etwann, alz
6 gewonleich ist, haizzet mess daz gancz ampt vom ingang zu der mess
7 uncz auf diͤ stat: " Get, daz oblat ist gesant " . Oder di anruͤffung dez
8 nam gocz, die geschicht auf dem alter, wiͤrt sam wiͤder gesant durch dez
9 willen, daz das gelaubig volkch mit dem dïnst dez priester, der halt
10 di stat ains versuͤner zwischen got und der menschen, daz ist: er ist an
11 der stat Christi der Christus, der menschen pet und flegung und glub
12 widersent got. Ettwann allain haizzet daz diͤ mess, daz man spricht
13 in der gehaim. Ettwann allain haizzet man daz die mess die wart, mit
14 den man gesegent goczleichnam. Ettwann ist der nam mess ain aigner
15 nam, wenn der nam bedeut Christum, der gesant ist von got dem vater
16 in di werlt.
17 Auch bedeutt der nam mess den engeln, der gesant wiͤrt, daz mit
18 sein henten daz oblat geophert wert auf dem hohen alter gocz. Und
19 darumb di heilichait, daz ist daz oblat, haizzet mess sam widergesant,
20 wenn von erst wiͤrt uns gesant diͤ heilichait von got dem vater
21 also daz die heilichait, sey pey uns. Darnach wiͤrt di heilichait, daz ist
22 goczleichnam, von uns gesant got dem vater, daz di heilichait, daz ist
23 got der sun, pit und sey fur uns pey got dem vater. Aber so ist goczleichnam
24 von erst uns gesant von got dem vater, mit deu daz Cristus
25 sein sun die menschhait an sich genomen hat, der gewesen ist ain
26 himelischer gesant, und darnach ist er gesant got dem vater von uns
27 mit seiner marter. Zw gleicher weiz in der heilichait ist er uns von
28 erst gesant von got dem vater mit heiligung, wan er anhebt mit uns
29 zu wesen. Darnach wiͤrt er gesant got dem vater von uns mit dem
30 ophfer, wenn er pit fur uns got den vater. Wenn die senttung oder diͤ
31 potschaft allain genuegsam und wiͤrdig ist zu vertiligen zwischen got
32 dem vater und dem menschen unser veintschaft und laydigung.
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1 Darumb wenn der ewangelier am ent der mess spricht: " Get ez ist
2 gesant " , daz ist alsvil alz er sprech: get haim zu ewren aiͤgen oder volgt
3 Christo nach, wenn daz oblat oder die hailber heilichait ist gesant fuͤr
4 ewch zw senften got den vater.
5 Auch anderz mag man die mess getailn in viͤr tail, nach dem zwelifpoten
6 an der ersten epistel zw Thimotheo am andern tail stet geschriben,
7 und am aufsacz zu toletan in flegung, petten, foderung und
8 lob oder dankchung got; der wort auslegung wirt gesaczt am funften
9 tail von der tercz. Der erst tail ist vom ingang der mess uncz auf daz
10 offerent und haizzet die flegung, die pett, die vor geschehen ee dann
11 daz prott und der wein gesegent wiͤrt. Daz ander tail ist uncz an
12 daz end dez pater noster, sunder da: " Herr almechtiger got, wiͤr
13 pitten dich, laz uns von allm ubel " . Daz dritt tail uncz auf den
14 communion oder uncz auf die pet, nach sand Augustin ,die der
15 pischof spricht nach dem communion. Daz viͤrd tail uncz an daz
16 end, nach sand Augenstin, wenn nach dem: " Get, daz oblat ist gent " ,
17 oder nach dem: " Wiͤr sprechen got wol " , daz volkch antwuͤrt: " Got
18 sey gedankcht " . Sunder nach den andern daz erst tail ist vom
19 ingang der mess uncz auf: " Darumb dich " , daz ander tail uncz do hin:
20 "Wiͤr pitten dich gemont " etc. Daz dritt tail uncz die pett, daz
21 viͤrd uncz auf daz tail: " Get, daz oblat ist gesant " .
22 Anderwaid ( fumf ) vergiezzung sind gewesen dez pluͤcz got und
23 darumb daz ampt der mess vom offerent uncz hinfuer wirt
24 undergetailt in fumf tail. Und auch wenn allain am chrewcz fumfveltichleich
25 ist gewesen daz pluet vergiessen Christi und darumb
26 allain der canon wirt undergetailt in fumf tail. Daz erst tail uncz
27 dahin: " Der am fodern tag " . Daz ander uncz auf daz tail: " Gedenkch " .
28 Daz dritt uncz auf daz tail: " Wir haben enphangen. " Daz wiͤrt tail
29 uncz auf daz embolismum. Daz fumft tail uncz auf die pet.
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1 von dem funf psalm, die der pischof spricht,
2 wenn er mess haben will.
3 r. von den fumf psalm, diͤ der pischof spricht.
4 Wenn der pischof mess haben will, so schol er nach dem aufsacz
5 Celestini des pabst von erst etleich psalm und pett sprechen, di er die
6 zeit spricht, wenn er gezirt wirt mit den preischuechen und den hosen,
7 nach der mannung dez psalmisten der do spricht: Wiͤr schollen fürchommen
8 sein anplikch an vorjechen und in psalm schol wiͤr im vrolochen.
9 Der psalm sind funf. Der erst: Wie lieb sind deine tabernakel.
10 Der ander: Herr du hast gesegent dein erdreich. Der dritt: Herr naig
11 dein oͤr. Der viͤrd: Ich han gelaubt. Der funft: Von der tiͤff herr ich
12 hab geschriern zw diͤr. Und spricht si darumb, ob er icht unpilleichs
13 getan hiͤt mit sein funf sinnen, daz er daz abwisch mit dem pett der
14 fumft psalm, wenn allez daz, das zimt den, der recht handelt di haymeleichait
15 des alters und goczleichnam, daz wiͤrt begriffen nach
16 ettleichem tail iͤn iͤgleichem psalm under den funfen. Sunder die
17 pett, di der pischof darzwͤlegt, diͤ gehoͤrent offenleich czw behaben
18 oder verdienn den scherm oder di rainchait des herzen und dez leichnam.
19 Anderwaid darumb spricht er diͤ fumf psalm daz er merkch
20 in Cristo, den er bedewt, volchemenhait der tugent. Auch ist ze
21 merkchen daz ein geistleich man, der noch der profess seins ordens
22 parfuezz gent, wann der mess sprechen wil, so sol er sich schuehen
23 nach dem pot dez czwelifpot, der spricht zw den lewtten Ephesen:
24 Ier scholt sten geschuecht in ainer beraittung des ewangelii des frides.
25 Auch bei den schuͤchen, die gemacht werden von den heuten der toten
26 tyͤr und treten auf diͤ erd und sind unden gancz und oben offen,
27 ist bedewtt daz der priester tott sol sein der welt und sol ein geslozzens
28 hercz haben czw irdischen dingen und iͤrdische ding treten
29 sam daz slifig und zw versmehen ist und sol eine offne begiͤr haben
30 zw sprechen und begeren himelische ding.
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1 r. von dem chemeln dez hawps und waschund der hend
2 c. secundum.
3 Wenn der pischof und der priester diͤ niderschuch und die hosen angelegt,
4 so chemelt er daz haup und wescht dyͤ hent und daz antluͤcz.
5 Wenn wann der priester der alten ee opphern welt, so wusch er hent
6 und fuzz von erst und legt an ain niderchlait, an des stat wir hewtt
7 haben die niderschuch, alz gesprochen ist am dritten tail von der anleg
8 dez priester der alten ee. Und darumb chemelt er sein haup und
9 wescht sein antlucz, von erst von der pildung wegen Marie Magdalene,
10 die bedewt diͤ chunftigen marter Christi und salbt mit oͤl Christi haup,
11 wenn in dem ampt der mess bedewtt wiͤrt diͤ marter Christi. Zwm
12 andern mal von dem pot Christi, do er spricht in dem ewangelii
13 Mathei: Sunder wenn du vast, scholt du salwen dein haup und waschen
14 dein antlucz, und bedett domit daz wir in unsern heiligen werkchen
15 von uns tuͤn schullen trugnuzz, effung und geleichsenhait. Zwm
16 dritten mal chemelt man daz haupt, wenn bey den lochen zw versten
17 sind uberfluzzige gedenkchen und diͤ sarg iͤrdischer fleizz. Pey dem
18 haup ist zwͤ vorsten daz gemuet und diͤ verstentnuͤzz, die das obrer ist
19 under allen werkchen der sel, recht alz das haup daz obrist glid ist
20 under andern glidern. Und darumb czimeleich werden die lokch
21 geebent und geordent und diͤ ausgeczogen werdent fuͤr geschaiden zw
22 ainer merkchung daz der priester geistleich di sitt zesam legen schol
23 und die ubrigen gedeͣnkchen von im treiben, nach dem spruch der
24 weyssagung: iͤr schult auffheben daz ubel ewer gedenkchen. Auch schol
25 daz gemuͤtt mit seiner furgeunden peschaidenhait abgeschaiden, geruebt
26 und gefurbt werden vom irdischen fleizz und schol geordent
27 werden mit tugenden, wenn der champ, durch der geordenten tailung
28 willen seiner zend, bedewtt er di beschaidenhait, mit der der
29 fuͤrsacz unsers gemuet wiͤrt gecziͤrt alz die lokch dez haup geziͤrt wiͤrt
30 oder werdent mit dem champ.
31 Auch weschst er diͤ hent durich der ersamchait der grozzen heilichait,
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1 darumb daz er gar rain zuͤge ze wandeln die hailichait, davon spricht
2 Gregorius in pastorali libro primo capitulo duodecimo: " Ez ist ein
3 notduͤrft daz sich die hant fleizz rain ze sein, di ruͤcht ze flain den
4 unflat " . Und darumb wescht der priester leiplich sein hent daz er
5 geistleich rainig seinew werich, nach dem alz der psalm spricht: Ich
6 wil under